Mit Freunden wie diesen…

EDL in hoc signo vinces

 

Von Miriam Shaviv, übersetzt von Deep Roots

Das Original „With Friends Like These…“ erschien am 23. Juni 2010 in The Jewish Daily Forward

Israel braucht Freunde in Europa, aber es gibt ein paar Freunde, ohne die es auskommen kann.

Im Juni gründete die English Defence League, eine aggressive anti-moslemische Gruppe, die für ihre lautstarken (und manchmal gewalttätigen) Straßenproteste bekannt ist, eine jüdische Abteilung, die zumindest eine Handvoll von Juden unter den 500 Fans auf ihrer Facebook-Seite „Jewish Division“ anzog. Die EDL hatte zuvor bei Demonstrationen israelische Fahnen geschwenkt, um ihre moslemischen Gegner zu verhöhnen, und sogar angekündigt, sich einer pro-israelischen Versammlung anschließen zu wollen, die von Großbritanniens Zionist Federation nach der vor kurzem stattgefundenen Krise um die Gaza-Flotille organisiert worden war. (Die Organisatoren der Versammlung distanzierten sich von der EDL, die von jüdischen Mainstream-Gruppen verurteilt worden war; letztendlich war von den EDL-Mitgliedern bei der Versammlung nicht viel zu sehen.)

Während die EDL eine Randgruppe sein mag, ist ihre Annahme des Israel-Aktivismus Teil eines wachsenden Trends. Während der letzten paar Jahre ist eine Reihe von Politikern und Fraktionen in Europas extremer Rechten, besonders jene mit anti-moslemischen Agendas, dazu übergegangen, starke Unterstützung für den jüdischen Staat zu äußern.

Das prominenteste Beispiel ist der holländische Politiker Geert Wilders, der seine Freiheitspartei in Hollands jüngsten nationalen Wahlen zu einem verblüffenden Erfolg geführt hat, die die Zahl ihrer Sitze mehr als verdoppelte und so zur drittstärksten Partei im Parlament wurde. Während Hollands Mainstream-Parteien über die Wirtschaft sprachen, führte Wilders seinen Wahlkampf auf einer eindeutig anti-islamischen Plattform. Er hat zu einem Verbot des Korans aufgerufen (den er ein “faschistisches” Buch nennt), zu einem sofortigen Ende der moslemischen Einwanderung nach Holland und einer Sondersteuer für Frauen, die Kopftücher tragen.

Gleichzeitig ist Wilders ein großspuriger Philosemit, der Israel leidenschaftlich unterstützt — neulich hat er zum Beispiel die Kritiker an Israels Vorgehen gegen die Gaza-Flotille als „Wölfe“ verspottet, die „in den Wäldern heulen“. Israel, sagt er wiederholt, ist das wichtigste Bollwerk des Westens gegen den Dschihadismus.

Wilders’ Art von Politik findet besonderen Anklang in einem Land, das einem beträchtlichen demographischen Druck seitens seiner wachsenden moslemischen Einwandererbevölkerung ausgesetzt ist. Während Moslems laut Statistics Netherlands nur 6% von Hollands Bevölkerung ausmachen, ist ihre Präsenz in Großstädten viel größer: in Amsterdam stellen sie 24% der Einwohner; in Den Haag, Rotterdam und Utrecht sind sie mehr als 13%. Viele der nichtmoslemischen Einwohner des Landes haben das Gefühl, daß ihre eigene, liberale Lebensart bedroht ist, besonders seit der Ermordung des Filmemachers Theo van Gogh durch einen islamischen Extremisten im Jahr 2004.

Hollands Mainstream-Parteien haben sich damit abgemüht, diese Besorgnisse zu beschwichtigen, teilweise gehemmt durch ihr Zögern, ehrlich über die Auswirkungen der moslemischen Einwanderung zu reden, weil sie fürchteten, als bigott angesehen zu werden. Wilders hat keine solchen Bedenken.

In ähnlicher Weise hat die EDL — die letztes Jahr nach einem islamistischen Protest gegen aus dem Irak heimkehrende britische Truppen gegründet wurde — aus der Empfindung Kapital geschlagen, daß es tabu ist, in der höflichen Gesellschaft über islamischen Extremismus und Einwanderung zu reden.

Während offeneres Reden über Einwanderung und Extremismus in beiden Ländern willkommen wäre, gehen Wilders und die EDL viel weiter. Obwohl beide etwas anderes behaupten, scheinen sie unfähig (oder nicht willens) zu sein, zwischen Islamisten – Radikalen mit einer politischen Agenda — und ganz gewöhnlichen Moslems zu unterscheiden. Auf einem Kontinent, in dem eine große moslemische Präsenz nun eine Tatsache des Lebens ist, leistet solch ein pauschaler Antagonismus nichts zur Lösung der realen Probleme und dient nur der Anheizung interreligiöser und interethnischer Spannungen.

Beobachter glauben, daß Wilders bei den holländischen Juden in Wirklichkeit nicht besser angekommen ist als bei der allgemeinen Bevölkerung, ungeachtet seiner ausgesprochenen Unterstützung für Israel. Dennoch könnten einige europäische Juden angesichts wachsender Feindseligkeit gegenüber Israel und antisemitischer Gewalttaten, die von Elementen innerhalb der moslemischen Gemeinde verübt werden, in Versuchung kommen, die Umarmung seitens der extremen Rechten zu erwidern. Wenn es um die extreme Rechte geht, haben Juden reichlich Grund, mißtrauisch zu sein.

Für den Anfang ist es erinnernswert, daß jene auf der extremen Rechten oft ihre eigenen – üblicherweise bei weitem nicht bewundernswerten — Motive dafür haben, daß sie sich in die israelische Flagge hüllen.

Letztes Jahr zum Beispiel prahlte Nick Griffin, der Führer der British National Party (die bis vergangenen Februar nur Weiße als Mitglieder akzeptierte), im Hauptabendfernsehen zur Zeit der Operation Cast Lead, daß seine Partei die einzige sei, die „standhaft hinter Israels Recht steht, sich mit den Hamas-Terroristen zu befassen“. Dies war vermutlich Teil seiner laufenden Bemühungen, Respektabilität bei den Wählern zu gewinnen, indem er sich und seine Partei von ihrer antisemitischen Geschichte distanziert. (Griffin nannte die Shoah einmal den “HoloHoax.”)

Inzwischen scheint es der EDL bei ihrem Interesse am israelisch-palästinensischen Konflikt großteils darum zu gehen, ihre moslemischen Feinde zu reizen.

Zugegeben, man kann Unterscheidungen hinsichtlich der Motive treffen. Wilders’ Zuneigung zu Israel scheint aufrichtig zu sein. Als Teenager hat er zwei Jahre in einem moshav gearbeitet, und er behauptet, Israel seither 40mal besucht zu haben.

Letztendlich sind dies jedoch Unterscheidungen, die für Israel und seine Unterstützer keinen großen Unterschied machen sollten. Israel bekämpft gegenwärtig systematische Versuche, es zu delegitimieren. Eine bevorzugte Taktik seiner Gegner besteht darin, Israel als rassistisches Apartheidland darzustellen, das seine arabischen Bürger und palästinensischen Nachbarn diskriminiert. Israel kann es sich einfach nicht leisten, mit echten Bigotten in Verbindung gebracht zu werden, egal wie freundlich sie zu sein scheinen.

Miriam Shaviv ist Auslandsredakteurin von „Britain’s Jewish Chronicle“.

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