Gedanken zu Überzeugungsarbeit im Internet

Von AdS-Leser Harald, geäußert in einem leider nicht mehr zugänglichen Kommentar vom 6. Januar 2014 auf „As der Schwerter“ und von mir als Gastbeitrag für die „Morgenwacht“ aufbereitet. (Nachträgliche Anmerkung von Lucifex, 25.10.2016: die Rhetorik-Reihe von Dunkler Phönix ist seit dem Ende von AdS meines Wissens leider nirgendwo mehr aufzufinden.)

Auch wenn sich durch Pegida die Möglichkeit bietet, auch „da draussen” Überzeugungsarbeit im persönlichen Gespräch zu leisten, wird sich auch das Internet weiterhin ein wichtiger Faktor für den Meinungsumschwung bleiben. Ich glaube, einige AdS-Leser sind auch mit dabei. Nordlaender ist mir bei youtube mehrfach positiv aufgefallen – vielen Dank für Deinen Einsatz dort.

AdS hat eine Reihe sehr gute Artikel zum Thema Überzeugungsarbeit außerhalb des Internets veröffentlicht, allerdings habe ich keine zu Internetaktivitäten gefunden. Falls ich einen Beitrag übersehen haben sollte, bitte ich um Korrektur.

Generell empfehle ich neuen Lesern, zunächst die folgenden AdS Artikel zu lesen, um einige Grundlagen in Erfahrung zu bringen:

1. Wie entsteht ein Meinungsumschwung?

2. Dunkler Phönix’ Rhetorik Reihe, hier insbesondere den Artikel 1 über Typenlehre:
Rhetorik, Teil 1: Typenlehre
Rhetorik, Teil 2: Emotionen
Rhetorik, Teil 3: Gestik
Rhetorik, Teil 4: Mimik und Körpersprache

Für eine erfolgreiche Arbeit im Internet empfehle ich folgende Leitgedanken:

1. Überzeuge nicht die anderen Kommentatoren sondern die stillen Mitleser!
Auch wenn man im realen Leben manchmal in Situationen ist, in denen ebenfalls die passiv herumstehenden das eigentliche Ziel einer Diskussion sind, muss man davon ausgehen, dass die Zahl der stillen Mitleser im Internet um ein Vielfaches größer ist als im realen Leben.

2. Erkenne den Typ des Kontrahenten!
Aus meinen Erfahrungen in Foren teile ich die Kommentatoren in die folgenden Kategorien ein:

a) Der zufällige Kommentator – dieser hat von dem Diskussionsthema eigentlich keine Ahnung und meist auch keine gefestigte Meinung. Dieser Typ ist am ehesten von der eigenen Position zu überzeugen. Er wird in politischen Diskussionen, ganz besonders über Tabuthemen selten zu finden sein. Man wird ihn am ehesten da finden, wo eigentlich über andere Themen diskutiert wird und nur zufällig die Diskussion ins politische abdriftet.

b) Der Opportunist
Da wir eine öffentlich nicht akzeptierte Außenseiterposition vertreten, werden manche Menschen uns deswegen widersprechen und angreifen, weil wir uns bildlich gesprochen „weit aus dem Fenster lehnen” und daher angreifbar sind. Der Opportunist nutzt diese Verwundbarkeit zu einem Angriff mit dem Ziel, sich in der sozialen Hierarchie über uns zu positionieren, ihn interessiert das eigentliche Thema aber gar nicht. Um ihn zu überzeugen, muss man den Kampf in der Hackordnung gewinnen. Hier kann ein Sekundant, der der von dritter Seite den Opportunisten zurechtweist und uns selbst stärkt, Wunder wirken. Diesen Typus findet man im realen Leben öfters als im Internet.

c) Der Mitläufer
Der Mitläufer ist inhaltlich von der Gegenseite überzeugt und artikuliert sich auch aktiv und gezielt in der Öffentlichkeit. Er ist aber nicht so stark gefestigt, dass er nicht von unserer Seite überzeugt werden kann. Allerdings ist dies sehr schwer und sehr zeitaufwändig. Er ist bei politischen Diskussion in Internet häufig zu finden, im realen Leben seltener.

d) Der Überzeugte / Der Bezahlte / Der Wachhund
Dieser Typus ist generell Argumenten nicht zugängig. Im Artikel „Wie entsteht ein Meinungsumschwung” ist er als „unerschütterliche Minderheit.” bezeichnet worden. Er ist in politischen Diskussionen unser Hauptgegner, auch wenn er zahlenmäßig am seltensten vertreten ist. Es ist davon auszugehen, dass dieser Typus von unserem Gegner gezielt als Wachhund, teilweise gut bezahlt, eingesetzt wird. Denn auch der Gegner weiß, wie ein Meinungsumschwung stattfindet.

3. Verschwende nicht Deine Zeit!
Es gibt folgende Fallen, die Dich nur Zeit kosten werden, aber keinen Nutzen bringen:

a) Versuche nicht den Wachhund zu überzeugen. Versuche auch nicht in einer einzelnen Diskussion den Mitläufer zu überzeugen. Das geht nur in langen Diskussionen über einen längeren Zeitraum.

b) Schreibe keine langen Romane! Wenn Du lange Texte schreibst, verschwendest Du viel Energie, die Du anderweitig nutzen kannst. Je länger Deine Texte, desto weniger Leser werden sie vollständig lesen.

c) Lass Dich nicht von Gegnern des Typs Mitläufer oder Wachhund wie ein Tanzbär an der Nase rumführen. Beide Typen werden versuchen, mit kurzen Aussagen wie „Quellen?” oder Ähnliches Dir den schwarzen Peter zuzuschieben. Wenn Du dann viel Zeit in die Recherchen steckst und lange Texte schreibst, bist Du beschäftigt, während Deine Gegner weiterhin Text produzieren und stille Mitleser für sich gewinnen.

4. Reagiere angemessen auf Ad-Personam Angriffe!
Ich kann mich an eine Diskussion, die schon mehr als zehn Jahre her ist, erinnern, die folgenden Ablauf hatte:
Teilnehmer A (Deutscher) wird von Teilnehmer B (Türke) mit in etwa folgenden Worten beleidigt „Ihr Deutschen werdet, wenn ihr wieder Ärger macht, genau wie im zweiten Weltkrieg wieder auf die Fresse bekommen. Nicht wahr, meine halbrussischen Freunde”. An der Stelle hat sich C (Anderer Türke) mit den folgenden Worten an B eingemischt: „Als Türke ich schäme mich für Dich!” worauf A an C geantwortet hat „Wieso glaubst dass der ein Türke ist? Der schreibt doch etwas über seine halbrussischen Freunde”.
An dieser Stelle weiß der stille Mitleser gar nicht mehr, ob er nun Verachtung oder Fremdscham für A empfinden soll, der es nicht einmal merkt, wenn er beleidigt wird oder zu schwach ist, dagegen zu protestieren. Und an dieser Stelle hat A auch keine Chance mehr, irgend etwas an Überzeugungsarbeit zu leisten, der ist nämlich für alle Beteiligten unten durch.

Doch was ist die angemessene Antwort auf Ad-Personam Angriffe? Das Ziel von allen Ad-Personam-Angriffen ist es, den Angegriffenen in der Hierarchie nach unten zu drücken. Aus diesem Grund muss in der Antwort auf Beleidigungen und anderen Ad-Personam Angriffen, die z.B. auch durch den Ausdruck von Verachtung geschehen können, auf eine Art geanwortet werden, in der dem stillen Mitleser klargemacht wird, dass man die soziale Herabsetzung nicht akzeptiert, sondern sich selbst als sozial höher stehend einstuft. Das schließt simple Gegenbeleidigungen als Reaktion auf eine Beleidigung aus, da man sich damit nicht sozial über dem Kontrahenten positioniert.

Ein paar einfache Beispiele (ja ich weiß, die folgen alle dem Holzhammerprinzip):
– Wir werden mit den Worten „Du Nazischwein!” beleidigt. Wenn man nun analog mit „Du Kommunistensau” antwortet, erreicht man gar nichts, da wir auf der gleichen Ebene wie der Beleidiger bleiben. Wenn wir dagegen von oben herab antworten: „Na haben wir keine gute Kinderstube genossen? Das macht nichts, wir Nazis haben Erfahrung in der Erziehung von Delinquenten.” Diese Antwort wird auf stille Mitleser eine ganz andere Wirkung haben, weil wir unsere höhere soziale Position sowohl durch Aussage als auch durch Wortwahl begeben.
– Ein Ausländer beleidigt uns mit den Worten „Ich f**** Dich und alle Deutschen”. Eine direkte persönliche Gegenbeleidigung bringt wie im ersten Beispiel nichts. Eine bessere Antwort wäre „Ich empfehle Dir erst einmal 2000 Jahre strikte Eugenik, bis Du Dich und Deine Sippe auf den durchschnittlichen abendländischen IQ gebracht hast”. Auch hier wird der höhere soziale Stand sowohl durch Wortwahl als auch durch Aussage betont.

Selbstverständlich sind die Beleidigungen und Ad-Personam Angriffe typischerweise subtiler. Deshalb sind auch subtilere Antworten notwendig. Generell sollte man darauf achten, nicht emotional zu reagieren. Der stille Leser merkt an der Wortwahl, ob der Schreiber verärgert war oder ob er sonstige Gefühle hatte. Jemand, der sozial oben steht, gerät bei Angriffen von unten nicht aus der Ruhe. Im realen Leben können wir Ruhe durch Stimmlage, Lautstärke und Köperhaltung ausstrahlen (und auch mit deftigen Worten kombinieren), im Internet haben wir nur die Wortwohl – deftige Worte sollten daher unterbleiben. Das Internet bietet den Vorteil, dass man antworten kann, wenn man sich emotional gefangen hat. Das können wir im realen Leben nicht machen.

Das Ziel einer Ad-Personam-Diskussion muss immer sein, in den Augen der stillen Mitleser als der sozial höher Stehende wahrgenommen zu werden.

5. Bekämpfe aktiv die Mitläufer und Überzeugten!
Da man die Mitläufer und Wachhunde nicht überzeuge kann, besteht die effektivste Bekämpfung darin, sie daran zu hindern viel zu schreiben:

a) Führe den Wachhund wie einen Tanzbären an der Nase vor! Das geht am Besten indem Du ihn in die Lage bringst, Dir etwas zu beweisen. Er ist dann im Idealfall beschäftigt und Du hast das Forum erst einmal für Dich. Dieses Wechselspiel, wer etwas zu beweisen hat / wer den schwarzen Peter hat, ist einer der typischsten Fehler, die Gleichgesinnte machen.

b) Benutze Referenzen wie Links auf lange Texte und versuche den Mitläufer oder den Wachhund zum Lesen dieser Texte zu veranlassen.

c) Falls das Forum moderiert ist und Du sprachlich sehr geschickt bist, so reize unterschwellig das Gegenüber bis es emotional wird und die Forenregeln verletzt. Veranlasse danach seine Sperrung.

6. Wenn Du den Überzeugten oder den Mitläufer nicht los wirst, dann lass in einer Diskussion nicht locker!
Wer eine Diskussion vorzeitig abbricht, wird von den stillen Mitlesern als Verlierer angesehen. Niemand schließt sich einem Verlierer an. Das gilt es zu vermeiden.
Wenn man aufmerksam mitdenkt, ist dies eine Absage an die Methode „Karlfried” aus dem realen Leben. Leider können im Internet derartige Taktiken nicht verwendet werden, da sich die virtuellen Versammlungen nicht auflösen und man sie auch streng genommen nicht verlassen kann.

7. Überzeugung ist Teamwork!
Auf den stillen Mitleser wird es einen besseren Effekt haben, wenn unsere Position von mehr als einer Person vertreten wird. Ich hatte das bereits in meinem Beitrag „Gedanken zu Gruppenbildung” in der Tavernenrunde 2014-8 über die verhaltensbiologischen Grundlagen zur Gruppenbildung darauf hingewiesen, dass wir biologisch so verdrahtet sind, dass Konflikte zwischen Gruppen und nicht zwischen Individuen geführt werden und dass selbst eine geringe Parteinahme starke Auswirkungen auf den Ausgang eines Konflikts hat.

Darüber hinaus stärkt Teamwork unsere eigene Gruppenbindung und kann sogar richtig Spaß machen! Wer also eine aktive Diskussion in einem Forum oder an sonstiger Stelle erlebt und dort gar einen aktiven Account hat: kommt euren Mitstreitern zu Hilfe und reiht euch ein in die Phalanx!

Abschließende Bemerkung:
Diese Hinweise beziehen sich auf umkämpfte Foren und sollten nicht bei AdS oder anderen Clubmitgliedern eingesetzt werden. AdS und co haben keine Opposition – wir haben hier bereits die Deutungshoheit die durch das Filtern der Beiträge durch das Admin-Team geschieht.

Ich denke, dass zu diesem Thema noch nicht das letzte Wort gesagt wurde. Da dies die Extrakte aus persönlicher Erfahrung sind, freue ich mich über Anregungen und Tipps oder Korrekturen, falls ich mich irgendwo verrannt haben sollte.

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3 Kommentare

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