Einem nackten Mann kann man nichts mehr aus der Tasche ziehen? Oh doch!

Von Osimandia, veröffentlicht als Kommentar Nr. 31 zu „Die griechische Krise verstehen, Teil 2“:

Einem nackten Mann kann man nichts aus der Tasche ziehen?

Oh doch!

Und in Griechenland zeigen sie gerade, wie man das macht.

Steuerwahn vernichtet Kleinunternehmer in Griechenland:

Hunderttausende mittelständische Gewerbetreibende und Selbständige in Griechenland, die während des Jahres 2013 aus der Ausübung ihrer Aktivitäten nur spärliche Einkommen erzielten oder sogar anstatt Gewinnen Verluste hatten, sind mit einem unglaublichen neuen Steuer-Albtraum konfrontiert.

Das neue System der Besteuerung für Personenunternehmen bringt Steuern auf inexistente Einkommen, da eine Steuer von 26% “ab dem ersten Euro” plus eine Vorauszahlung von 55% für das nächste Jahr erhoben wird – und zwar sogar auch auf nicht existierende Einkommen, die auf Basis sogenannter Einkommens- und Lebensführungsindizien festgesetzt werden.

Das heißt, wenn ein Kleinunternehmer keinen Gewinn und sogar einen Verlust ausweist – Überraschung seit 2014 – dann argumentiert das griechische Finanzamt platt ausgedrückt folgendermaßen:

Sie leben und atmen doch noch! Das heißt, Sie haben im vergangenen Jahr wohl irgendwas gegessen. Und angezogen sind Sie auch, und haben sogar ein Dach über dem Kopf. Ergo HABEN Sie was verdient. Und das schätzen wir jetzt anhand der Größe Ihrer Wohnung und daran, ob Sie vielleicht sogar ein altes Auto besitzen.

Auf der Seite sind haarsträubende Rechenbeispiele angeführt, z.B.

Kleinunternehmer mit einem Kind: Verlust von 3.000 €

Finanzamt:

• 3.000 € haben Sie und Ihr Blag geschätzt verfressen,
• für Ihre 80m² Wohnung haben Sie geschätzt 3.200 € ausgegeben.
• Also haben Sie mindestens 6.200 € Gewinn gemacht
• Das ist das fiktive Einkommen, von dem wir jetzt Steuern haben wollen
• Und zwar 26%. Das macht 1.612 €
• Freibetrag? Nö, gibt’s nicht mehr.
• Und da Sie dieses Jahr offensichtlich wieder zu fressen und unter einem Dach zu wohnen gedenken, zahlen Sie gleich mal 55% der neuen Steuer voraus, macht 886,60 €
• Summa summarum macht das 2.498,60 €
• Fällig jetzt.
• Und nein. Nicht fiktiv.

Und es geht dabei anscheinend nicht um Fälle von Verdacht auf Bilanzfälschung und Steuerhinterziehung, sondern um ein allgemeines Gesetz.

Der Artikel kommt zu dem Fazit (was nicht besonders schwierig ist).

Kleinunternehmer werden scharenweise das Handtuch werfen müssen

Man muss vielleicht Verständnis haben…. es kommt ja den notleidenden Banken zu Gute, und Familie Rothschild und andere Philantropen müssen ja auch von irgendwas leben… nicht nur solche dekadenten, egoistischen, hedonistischen, verfressenen, ausbeuterischen Unternehmerbonzen, die z.B. im Jahr 2012 noch den sagenhaften Gewinn von 6.800 € eingesackt haben.

Ich fürchte, Griechenland ist ein Testballon, und wenn es halbwegs unproblematisch über die Bühne geht: “Demnächst in einem Finanzamt in Ihrer Nachbarschaft.”

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