Dönmeh: Die judeo-islamischen Wendehälse der Türkei

Die Yeni-Moschee („Neue Moschee“), die von der Dönmeh-Gemeinde während der Osmanenzeit in Salonika erbaut wurde

Die Yeni-Moschee („Neue Moschee“), die von der Dönmeh-Gemeinde während der Osmanenzeit in Salonika erbaut wurde

(Übersetzt und mit einem Nachwort von Deep Roots)

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Übersetzung des Wiki-Artikels über die Dönmeh, den ich bereits als Kommentar im Strang zu Carolyn Yeagers Polnischer Minister “verlangt”, dass Deutschland die Eurozone rettet gebracht habe, hier aber nochmals als eigenen Artikel einstelle, damit er besser verlinkt und von den Lesern leichter gefunden werden kann. Man sieht: Auch wo „Türke“ draufsteht, ist nicht immer Türke drin. Interessanterweise gibt es keinen deutschen Wikipedia-Eintrag zum Begriff „Dönmeh“ daher also hier meine Übersetzung des oben verlinkten englischen Wiki-Eintrags:

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Dönmeh (türkisch: dönme) bezeichnet eine Gruppe von Krypto-Juden im Osmanischen Reich und in der heutigen Türkei, die offen dem Islam beitraten und insgeheim eine Form des Judaismus praktizierten, die Sabbatianismus genannt wird.

Die Gruppe entstand während und bald nach der Ära von Sabbatai Zevi, einem jüdischen Kabbalisten des 17. Jahrhunderts, der behauptete, der Messias zu sein, und schließlich vom osmanischen Sultan Mehmet IV. dazu gezwungen wurde, Moslem zu werden. Nach Zevis Bekehrung folgten ihm eine Anzahl Juden in den Islam und wurden zu den Dönmeh. Seit dem 20. Jahrhundert haben viele Dönmeh Mischehen mit anderen Gruppen geschlossen, und die meisten haben sich in die türkische Gesellschaft integriert. Obwohl einige wenige sich immer noch als Juden betrachten, werden die Dönmeh von jüdischen Autoritäten nicht offiziell als solche anerkannt.

Etymologie: Das türkische Wort dönme stammt von der Wortwurzel dön-, die „sich wenden“ bedeutet, d. h. „konvertieren“, aber in abwertendem Sinne. Sie werden auch Selanikli genannt, „Person aus Thessaloniki“, oder avdeti, „religiöser Konvertit“. Mitglieder der Gruppe bezeichnen sich einfach als „die Gläubigen“ auf Hebräisch (ham-Ma’minim).

Geschichte: Trotz ihrer Bekehrung zum Islam blieben die Sabbatianer insgeheim dem Judaismus nahe und praktizierten heimlich weiterhin jüdische Rituale. Sie anerkannten Sabbatai Zevi (1626-1676) als den jüdischen Messias, befolgten bestimmte Rituale mit Ähnlichkeiten zu jenen im Judaismus und beteten auf Hebräisch und später auf Ladino. Sie befolgten auch Rituale, die wichtige Ereignisse in Zevis Leben feierten. Sie interpretierten Zevis Konversion auf kabbalistische Weise.

Es gibt mehrere Zweige von Dönmehs. Der erste waren die Ismirli, die in Izmir (Smyrna) in der Türkei gegründet wurden. Der zweite waren die Jakubi, die von Jacob Querido (ca. 1650-1690) gegründet wurden, dem Neffen von Zevis Ehefrau. Querido behauptete, Zevis Reinkarnation und ein Messias aus eigenem Recht zu sein. Berechiah Russo, auch bekannt als Osman Baba, gründete die Karakashi. Missionare der Karakashi waren im ersten Teil des 18. Jahrhunderts in Polen aktiv und unterrichteten Jacob Frank (1726-1791), der seinerseits die „Frankisten“ gründete, eine weitere, nicht den Dönmeh angehörende Sabbatianergruppe in Osteuropa. Noch eine Gruppe, die aus Polen stammenden Lechli, lebten im Exil in Salonika (dem heutigen Thessaloniki in Griechenland) und Konstantinopel.

Die Dönmeh spielten eine enorme Rolle in der Jungtürkenbewegung, einer Gruppe modernistischer Revolutionäre, die das Osmanische Reich zu Fall brachten. Zur Zeit des Bevölkerungsaustauschs zwischen Griechenland und der Türkei 1923 versuchten einige der Dönmeh aus Salonika, als Nichtmoslems anerkannt zu werden, um nicht zum Verlassen von Salonika gezwungen zu werden. Nach der Gründung der Türkischen Republik 1922-1923 unterstützten die Dönmeh stark die republikanischen, pro-westlichen Reformen von Atatürk, die die Macht des religiösen Establishments einzuschränken und die Gesellschaft zu modernisieren suchten. Insbesondere waren die Dönmeh entscheidend dabei, Handel, Industrie und Kultur in der entstehenden Republik Türkei zu etablieren, was teilweise an der Prominenz von rumelischen Einwanderern im Allgemeinen und von Thessaloniki im Besonderen während der frühen Jahre der Republik lag.

Obwohl die Dönmeh theoretisch Endogamie praktizierten und somit nur innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft heirateten, begannen am Ende des 19. Jahrhunderts Mischehen und Assimilation. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts hatten sich die Dönmeh voll in die türkische Gesellscahft integriert, und die Einschränkung von Mischehen ist seit den 1960ern weitgehend ignoriert worden, außer vom Zweig der Karakashi.

Ein interessanter Fall ist der von Ilgaz Zorlu, einem Dönmeh-Verleger, der im Jahr 2000 Zvi Publishers gründete und die Anerkennung als Jude anstrebte, aber ein Beth Din weigerte sich, sein Judentum ohne volle Konversion anzuerkennen. Er behauptete, in Israel konvertiert zu sein, und brachte dann eine Klage auf Änderung seiner Religion vom Islam zum Judentum in seinen Registrierungspapieren und seiner ID-Karte ein. Das Gericht entschied zu seinen Gunsten. Seine Handlungen werden von vielen als kontrovers gesehen, besonders wegen seiner Kooperation mit Moslems wie Mehmed Şevket Eygi.

Die Universität von Isik, die Teil der Feyziye-Schulstiftung (türkisch: Feyziye Mektepleri Vakfi, FMV) ist, und die Schulen von Terakki wurden ursprünglich im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts von der Dönmeh-Gemeinde in Thessaloniki gegründet und setzte ihre Aktivitäten in Istanbul fort, nachdem die Griechen die Stadt am 9. November 1912 eroberten.

Der Fall Mehmet Karakaşzade Rüştü: 1924 enthüllte Mehmet Karakaşzade Rüştü, der zum Zweig der Karakash gehörte, gegenüber einer Zeitung in Vakit Informationen über Dönmehs, Zweige und Frauentauschrituale. Er warf den Dönmehs auch Mangel an Patriotismus vor und daß sie sich nicht assimiliert hätten. Die Diskussionen breiteten sich auf andere Zeitungen aus, einschließlich jener, die Dönmeh-Gruppen gehörten. Ahmet Emin Yalman akzeptierte in der Zeitung Vatan, die ihm gehörte, die Existenz solcher Gruppen, behauptete aber, daß jene Gruppen nicht mehr ihren Traditionen folgen würden. Dann richtete Karakaşzade Rüştü eine Petition an die Große Nationalversammlung der Türkei, die die Beendigung eines Teils der fortdauernden Dönmeh-Einwanderung aus Mazedonien durch Bevölkerungsaustausch.

Neo-Sabbatianische Wiederbelebung: In letzter Zeit hat es etwas gegeben, was manche ein „Revival“ der neo-sabbatianischen Kabbalah nennen, angeführt vom 75jährigen Kabbalisten und Gründer von Dönmeh West, Reb Yakov Leib HaKohain. Als Beweis für dieses Wiederaufleben veröffentlichte die israelische Zeitung Ma’ariv kürzlich ein Inteview mit Leib über die neo-sabbatianische Bewegung. Zusätzlich übersetzt Ma’ariv die neo-sabbatianischen Schriften von Reb Yakov Leib und veröffentlicht sie als Artikelserie in ihrem Spiritualitätsteil. Der erste davon, „Erlösung durch Sünde“, ist bereits veröffentlicht worden.

Dönmeh West und seine Gründung durch Reb Yakov Leib HaKohain werden von Prof. Matt Goldish in der Einleitung seines Buches „The Sabbatean Prophets“ erwähnt und diskutiert, das von Harvard University Press herausgegeben wird, sowie von Prof. Wendelin von Winckelstein in seiner Studie „Die Odyssee des Aristoteles“, wo er schreibt: „Eine Nachfolgeorganisation existiert heute noch unter dem namen Dönmeh West“.

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Ende der Übersetzung. Der Begriff „Dönmeh“ war mir unbekannt, bis ich am 1. Dezember durch Osimandia davon erfuhr. Eine aufschlußreiche Detailergänzung zu meinem obigen Kommentar, und zwar in Form eines Ausschnitts aus John Grahams Warum der Westen in Libyen intervenierte: War dies eine Überraschung?:

Warum sollte Präsident Sarkozy überhaupt auf Levy achten der zum Spiegel sagte:

Ich bin ein Gegner von Sarkozy und seiner Politik. Ich habe ihn nicht gewählt, und ich werde ihn nicht wählen. Aber es ist kein Geheimnis, daß wir einander gut kennen

und der offenkundig ein arroganter und eingebildeter Hysteriker ist?

Während Levy dem Spiegel sagte:

Ich sagte ihm, daß es ein Massaker geben würde, wenn Gaddafi es nach Bengasi schaffen würde, und daß die französische Fahne, die seit dem Vorabend über der Corniche wehte, ebenfalls von diesem Massaker mit Blut beschmutzt wäre. Er war durch diese Worte sehr bewegt. Es gibt emotionale Momente, in denen sogar Staatsmänner auf sehr normale und menschliche Weise reagieren

können wir, wenn wir bedenken, wer Sarkozy ist, annehmen, daß ihn etwas anderes als die französische Fahne bewegte.

Sarkozys Vater, der in Ungarn geboren und aufgezogen wurde (wo die Familie niedere – christliche – Aristokraten waren), aber nach Frankreich auswanderte, verließ seine Familie 1959, als sein Sohn vier Jahre alt war. <strong>Seine Mutter war die Tochter eines sephardischen Juden aus Saloniki in Griechenland</strong>, die bei der Heirat mit einem französischen Katholiken zum Katholizismus konvertierte und den christlichen Namen Benedict annahm. Laut „Nicolas Sarkozy, new President of France: Past and Future von Ranaan Eliaz, European Jewish Press 6. Mai 2007:

Sarkozys Großvater Aron Mallah, Spitzname Benkio, wurde 1890 geboren. Benkios Onkel Moshe war ein bekannter Rabbi und frommer Zionist, der 1898 „El Avenir“ herausgab, die führende Zeitung der zionistischen Nationalbewegung in Griechenland zu der Zeit. Sein Cousin Asher… wurde zum ersten Präsidenten der zionistischen Föderation Griechenlands gewählt und leitete den Zionistischen Rat mehrere Jahre lang.

Obwohl Benedict sich voll in die französische Gesellschaft integrierte, blieb er seiner jüdischen Familie, Herkunft und Kultur nahe… Nicolas stand Benedict besonders nahe, der für ihn wie ein Vater war. In seiner Biographie sagt Sarkozy, daß er seinen Großvater bewunderte, und durch Stunden des Zuhörens seiner Geschichten über die Nazi-Besatzung, den „Maquis“ (französischen Widerstand), De Gaulle und den D-Day vermachte Benedict Nicolas seine politischen Überzeugungen.

Der Artikel beginnt mit einem sehr pro-zionistischen Zitat von Sarkozy.

Sarkozys Sohn heiratete die Tochter einer reichen französisch-jüdischen Familie – und wozu immer es auch gut sein mag, seine zweite Frau heiratete später einen marokkanischen Juden.

Der entscheidende Impuls, Amerika und den Westen in noch einen nahöstlichen Sumpf zu verwickeln, kam also von einem Juden und einem intensiven Philosemiten – politisch könnte man sogar sagen, von einem Krypto-Juden.

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Ende des Artikelausschnitts. Na, wieder ein paar „mosaic stones“ an den richtigen Platz gefallen?

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