Faustischer Wagemut

Faustischer Wagemut

von Dr. William Pierce
Deutsche Übersetzung von Richard

Was ist die tiefere Bedeutung und der Ursprung für das Verlangen der Europäer, „nach Wissen zu streben, das jenseits unserer Erkenntnisgrenzen liegt“?

(Der folgende Artikel ist die Ausarbeitung eines Teils eines im September 1978 gehaltenen Vortrages mit dem Titel „Die Weltsicht der National Alliance“, der von Dr. William Pierce auf der Generalversammlung derselben gehalten wurde. Quelle: National Vanguard, no. 65, 1978; reprinted in The Best of Attack! and National Vanguard Tabloid, ed. Kevin Alfred Strom (Arlington, Va.: National Vanguard Books, 1984), p. 145, erschienen auf Counter-Currents unter dem Titel The Faustian Spirit.[Das Zitat der Einleitung stammt aus Alfred Tennysons Gedicht „Ulysses“ (V. 32); Einschübe und Ergänzungen in eckigen Klammern von mir, Richard].

Im späten Mittelalter lebte in Deutschland ein berühmter Gelehrter, der dafür bekannt war, geheimnisvolle Naturphänomene enträtselt und seine Kenntnisse für magische Praktiken nutzbar gemacht zu haben.
Bei manchen war er als kundiger Alchemist bekannt, der sein Wissen durch sorgfältige Forschung in seinem Laboratorium erworben hatte. Andere wiederum meinten, er sei lediglich ein Hochstapler, der sich besser in Taschenspielerei auskenne als in Alchemie. Die Meisten aber werden ihn als den Mann in Erinnerung behalten haben, der einen Pakt mit dem Teufel schloss, um so seine Seele für Wissen und Macht zu verpfänden.

Dieser sagenumwobene Gelehrte war Doktor Johann Faust (ca. 1480-1538), und die zahlreichen Legenden, die sich um ihn rankten, beflügelte die Fantasie von Schreibern, Dichtern und Komponisten der nachfolgenden Generationen. Ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod wurde in Deutschland ein Buch veröffentlicht, das diese Legenden zum Inhalt hatte: Die Historia von Dr. Johann Fausten von Johann Spieß. Dieses Werk zirkulierte bald darauf auch in englischer und französischer Übersetzung.

Im späten 16. Jahrhundert schrieb Christopher Marlowe sein Stück Tragical History of Doctor Faustus, welche auf diesen Legenden beruht. Zahllose andere Autoren nahmen hiernach die Faust-Thematik auf: Die Geschichte eines Mannes, der danach strebte, seine Grenzen zu überschreiten, auf der Suche nach Wissen, welches dasjenige überstieg, was anderen beschieden war.

Von diesen Autoren am bekanntesten ist Johann Wolfgang von Goethe, dessen erster ausführlicher Dramenteil (Faust I) 1808 veröffentlicht wurde. Berlioz und Gounod, unter vielen anderen, verfassten Opern, wobei sie sich vor allem auf Goethes Bearbeitung stützten. Vom ausgehenden 19. Jahrhundert über das 20. Jahrhundert bis in unsere heutige Zeit werden Symphonien, Gedichte, Dramen und Romane auf der Grundlage der Faust-Thematik verfasst.

Offensichtlich bringt dieses Thema etwas tief in der europäischen Seele Verwurzeltes zum Klingen. Manch einer mag in der Figur des Faust die Legende von Odin wiederentdecken: Dessen Begierde nach Wahrheit und Wissen lies ihn eines seiner Augen opfern und brachte ihn dazu, neun Tage am Weltenbaum hängend auszuharren.

In den verschiedenen Ausgestaltungen der Faust-Thematik wurden jeweils unterschiedliche Aspekte betont, der Kern der Legende blieb jedoch der oben beschriebene: Die Suche außergewöhnlicher Menschen nach dem Verständnis des menschlichen Lebens und der Natur: Das Streben nach einer höheren Ebene des Daseins, nach einer umfassenderen Entwicklung der im Menschen angelegten Kräfte.

Dieses überzeitliche Streben ist es, das wir heutzutage mit dem Adjektiv „faustisch“ bezeichnen, nicht die semi-historischen Lebensdaten von Dr. Johann Faust oder diejenigen der anderen fiktionalen Figuren. Dieses Wort verweist auf eine spirituelle Eigenschaft von Rasse, und sie ist es, die durch die Jahrhunderte solch eine Faszination für den Faust-Stoff erzeugt hat. Es beschreibt ein überzeitliches Streben oder Suchen, tief verborgen in der europäischen Seele – manifest nur in wenigen Ausnahmefällen.

Der faustische Drang in unserer Rassen-Seele appelliert an uns: „Du sollst nicht ruhen oder Dich zufrieden geben, was auch immer Du erreicht hast. Streben sollst Du alle Tage lang. Du sollst alles entdecken, alles wissen, alles beherrschen.“

Der faustische Drang europäischer Menschen unterscheidet sich dabei wesentlich von dem Drängen des orientalischen Gemüts nach maßlosem Besitz, von ihrer ungezügelten Geldgier jenseits jeder Vernunft und dem Verlangen nach persönlicher Übersteigerung. Freilich steht er auch im Gegensatz zu dem, was man als Mañana-Philosophie der Südamerikaner bezeichnen könnte, deren Kernaussagen man folgendermaßen zusammenfassen kann: „Genieße das Leben. Es besteht kein Grund zur Eile. Du brauchst nicht zu wissen, was Dich hinter dem nächsten Bergrücken erwartet.“

Dies ist der Grund für unsere tiefe Ruhelosigkeit als Rasse und auch für unsere tiefe Neugierde. Dies ist es, was uns zu Abenteurern macht, was uns dazu bringt, unser Leben auf Reisen aufs Spiel zu setzen, ohne dabei auf einen materiellen Gewinn zu spekulieren – etwas, das anderen Rassen, die alles nach dem unmittelbaren Nutzen abwiegen, total fremd ist.

Es ist der faustische Drang, der uns zu der herausragenden Rasse von Entdeckern machte, der uns dazu brachte, die höchsten Berge zu ersteigen, in Ländern, bewohnt von Menschen anderer Rasse, die sich damit begnügten, für immer im Tal zu bleiben. Dieses Streben – und es ist mehr als nur Intellekt allein – ist es, das uns zu der überragenden Rasse von Wissenschaftlern gemacht hat, vor allem zu einer Zeit, in der das Betreiben von Wissenschaft noch keine anerkannte und gut bezahlte Profession war. Dieser Drang ist es, der uns zu einer anderen Welt reisen ließ und der uns jetzt nach den Sternen greifen lässt.#
Und doch ist das Faustische in uns mehr als all dies: Einmal von ihm berührt, erhebt es mit reißender Kraft den homo oeconomicus, der in den Augen der westlichen Politiker, der Kommissare aus dem Osten, der Wirtschaftsbosse und Unternehmenslenker, der neo-liberalen Demokraten und konservativen Republikaner gleichermaßen der einzige Erdenbewohner ist. Es macht aus dem Menschen mehr als nur einen Konsumenten oder Produzenten: Es ist, mehr als alles andere, die Manifestation des Göttlichen in der menschlichen Seele.

Diese Idee findet ihre Entsprechung in der Eröffnungsszene [Nacht] in Goethes Faust: Faust ist ein ruheloser Gelehrter, der das menschliche Wissen [seiner Zeit] in ihrer Gesamtheit erkundet hat, was ihm jedoch keinen Seelenfrieden verschafft: sein Streben nach den letzten Wahrheiten bleibt ungebrochen. Mitten in der Nacht, alleine in seine Forschung vertieft, blickt er mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Verzückung auf das Zeichen des Makrokosmos [ein Symbol der ganzheitlichen Welterfahrung], und sagt sich:

„War es ein Gott, der dieses Zeichen schrieb,
die mir das innre Toben stillen,
das arme Herz mit Freude stillen, und mit geheimnisvollem Trieb,
die Kräfte der Natur ringsher umhüllen? […]
Wo fass ich dich, unendliche Natur?“
[V. 434–455].

Goethe hat seinem Protagonisten jedoch neben demjenigen, den wir faustisch nennen, auch andere Charakterzüge verliehen. Vielleicht wäre ein treffenderes oder nicht zuletzt ein weniger zweideutiges Adjektiv „odyssisch“ oder „ulyssisch“, kommt doch der englische Dichter Alfred Tennyson in einem seiner Gedichte (englisches Original / deutsche Übersetzung) der Bedeutung des Wortes, das wir beschreiben wollen, wesentlich näher als Goethe oder einer der anderen Autoren, die sich mit dem Faust-Stoff beschäftigt haben.

Das Bedürfnis Tennysons Helden ist es:

„der Weisheit nachzuspüren wie ein sinkender Stern,
über die äußerste Grenze menschlichen Denkens hinaus.”

Für Odysseus ist:

„jede Erfahrung nur ein Tor,
durch das jene unbereiste Welt hindurchschimmert, deren Rand verblasst
für immer und ewig, sobald ich mich bewege.”

Auch im hohen Alter, nach einem erfüllteren und ereignisreicheren Leben als es gewöhnlichen Menschen vergönnt ist, sagt Odysseus:

„Es ist nicht zu spät, um eine neuere Welt zu suchen.
[…] mein Entschluss steht fest
dorthin zu segeln, wo die Sonne untergeht,
jenseits aller Sterne, im Westen, bis ich sterbe.”
Er sieht sich selbst als „geschwächt von Zeit und Schicksal, doch stark im Willen
zu streben, zu suchen, zu finden und nicht aufzugeben.“

Und ebenso wie Goethes Faust mit seinem Famulus, seiner studentischen Hilfskraft, kontrastiert ist, dem pedantischen Wagner, so kontrastiert Tennyson seinen Odysseus mit dessen Sohn Telemachus, allerdings prägnanter und mit noch kräftigeren Farben: So fehlt Telemachus, ein Mann von „langsamer Besonnenheit … [und] gefangen in der Sphäre gewöhnlicher Aufgaben“ die Tatkraft seines Vaters.Dennoch hat sich das Adjektiv „faustisch“ gegenüber „odyssisch“ durchgesetzt, und wir sollten uns damit zufrieden geben.

Von einem rein anthropologischen Blickwinkel aus können wir einen Hinweis auf die faustische Veranlagung der Europäer während ihrer Entwicklung erspähen: Sie waren über 10.000 Generationen hinweg die Jäger der Bisonherden, der Rentiere und Mammuts, die während der Eiszeiten in der gefrorenen Tundra Nordeuropas röhrten. Wir können daher vermuten, dass die Europäer [heute] dies[selbe] Neugierde an den Tag legen, die sie [zu früheren Zeiten bereits] zeigten, und welche typisch ist für Jäger – seien es Raubkatzen oder Menschen – aber wir können ebenso fragen, warum andere Rassen, die in ihrer Entwicklung Jäger waren, diese nicht im gleichen Grad aufweisen.

Eine mögliche Begründung könnte darin liegen, dass unsere Vorfahren den Herden während deren saisonalen Wanderungen über so viele Jahrhunderte hinweg gefolgt sind, wobei sie nur das Wenige besaßen, was sie mit sich tragen konnten, dass sie die Ruhelosigkeit der Nomaden erworben haben könnten, wohingegen sich sesshaftere Rassen über die Jahrhunderte mehr auf Gewinnerwerb als auf Entdeckung konzentriert haben könnten. Dennoch gab es im Süden zahlreiche nomadische Rassen, welche nicht mit der faustischen Schaffenskraft in Berührung gekommen zu sein scheinen.

Sicherlich haben die Härte des nordischen Klimas und die Herausforderung der sich immer wieder verändernden Jahreszeiten den Charakter unserer Rasse ebenso stark geformt wie jeder andere Faktor. Aggressivität, Abenteuerdrang und Kühnheit waren die Merkmale, die es unseren Vorfahren erlaubten, jede spärliche Möglichkeit zu finden und zu nutzen, die ihnen das Überleben in einer rauen Umgebung ermöglichte, die keine Fehler vergibt. Die asiatischen Völker hingegen, die sich in einer ähnlich rauen Umgebung entwickelt haben, scheinen etwas anders auf diese Herausforderungen reagiert zu haben, und wir kennen sie heutzutage eher als [geistig] unflexibel denn als abenteuerfreudig.

Wir können nur schlussfolgern, dass der faustische Wagemut die Konsequenz einer einzigartigen und vergänglichen Kombination von Einflüssen ist, welcher eine einzige Rasse gerade lange genug ausgesetzt war, um die hierfür notwendigen genetischen Veränderungen zu bewirken und ihnen eine, wenn auch nur dünne, rassische Basis zu geben. Selbst in unserer eigenen Rasse manifestiert er sich nur in den Wenigen, die Abenteuer dem Gewinn, Leistung dem Erwerb, Selbsterkenntnis der Selbstzufriedenheit, die Eroberung von neuen Welten dem Komfort und der Sicherheit der alten, und ein ganzheitliches Weltverstehen dem Nichthinterfragen einer beschränkten Orthodoxie vorziehen.

Diejenige Rasse, welche die Trägerin dieses Geistes ist, muss daher doppelt vorsichtig sein, dass dieses genetische Erbe erhalten bleibt – und dass sie nicht zu einer Rasse von Anwälten, Angestellten, Arbeitern und Kaufleuten herabsinkt, sondern eine Rasse von Philosophen, Entdeckern, Dichtern und Erfindern bleibt: Eine Rasse von Suchern des absoluten Wissens, von Menschen, die nach derjenigen Vervollkommnung streben, die Göttlichkeit bedeutet.

Aus einer Langzeitperspektive betrachtet können wir erkennen, dass der faustische Geist, so rar er auch sein mag, die Existenzberechtigung des europäischen Menschen in ihrer Gesamtheit ist.

* * *

Anmerkungen von Richard

In den meisten Faust-Kommentaren werden Überlegungen zum Faustischen selbstredend heruntergespielt, nicht zuletzt mit Rekursen auf das Dritte Reich, so etwa in dem von Albrecht Schöne (2005), S. 37ff.

Interessant ist, dass Mephisto, obwohl ein „nordischer Teufel“, das faustische Streben nicht erfassen kann. Ganz anders in Miltons „Paradise Lost“, in der Lucifers Streben als durchaus faustisch gelten kann. Auffällig hier auch die Übereinstimmung zwischen Tennysons Schlussversen

„Made weak by time and fate, but strong in will
to strive, to seek, to find, and not to yield”

und Lucifers

„courage never to submit or yield”

in Miltons „Paradise Lost”. Kairos hat dieses Prometheushafte, um ein weiteres Adjektiv ins Spiel zu bringen, in diesem Artikel ausführlich behandelt:

Interessant hierzu sind auch Prof. Dr. Ricardo Duchesnes Ausführungen in einem Interview zu seinem Buch The Uniqueness of Western Civilisation (2011) in der jf 8/14 (14. Februar 2014):

„Zu meinem Verständnis [des] einzigartigen aristokratischen Temperaments [der Weißen] führten mich die Schriften fünf deutscher Gelehrter: Weber, Hegel, Spengler, Kant und Nietzsche. Sie beschreiben jenen speziellen Geist, den ich „faustisch“ nennen möchte und der diese Eliten vorwärtstrieb, der sie dazu brachte, Grenzen zu überschreiten, Neuland zu betreten, von unerschöpflichem Verlangen getrieben, jede Entbehrung auf sich nehmend, energiegeladen und von zäher Ausdauer die Grenzen der bekannten Welt zu überwinden, um dort ihre Herrschaft zu errichten.“

Ich vermag nicht abschließend zu beurteilen, ob Pierce in seinen Ausführungen zu einem zu harten Urteil kommt. Sicherlich ist der faustische Geist etwas genuin europäisches, das in unserem Volk und in unserer Rasse unbestreitbar in weit größerem Maßstab ausgeprägt ist als in den anderen Rassen. Ich könnte mir jedoch zumindest vorstellen, dass es faustische Geister auch in anderen Rassen gibt. Die Frage ist nur, wer ihnen diesen gab. Haben sie ihn selbst entwickelt, oder haben wir ihnen den faustischen Geist geschenkt? In diesem Zusammenhang kommt mir immer ein südafrikanischer Neger in den Sinn, mit dem ich in Nordindien für zwei Nächte das Quartier geteilt habe. Es verwunderte mich schon damals, dass dieser schwarze Mann, ein Arzt laut seiner Selbstauskunft, denselben Entdeckerdrang und dieselbe Abenteuerlust an den Tag legte wie ich. Nach seiner Sozialisation, in einer wohl mehrheitlich weißen Universität habe ich zu dem Zeitpunkt natürlich nicht gefragt.

Ein anderes Zitat, was in diesem Zusammenhang aufschlussreich ist, kommt von Revilo P. Oliver:

„Sie können die umfangreiche und respektable Literatur Chinas vergeblich nach einer irgendeiner Spur des Mitleids mit Leiden per se durchsuchen.“

Auch dieses Mit-Leiden halte ich für eine Qualität der europäischen Seele, die unsere Zivilisation zu dem gemacht hat, was wir heute ehrfurchtsvoll bestaunen können.

Quelle der Übersetzung: hier.

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Ein Kommentar

  1. Deep Roots

     /  August 27, 2016

    Auf Kevin Alfred Stroms Seite (wo bereits der vierte Teil von „It’s all biological“ erschienen ist) habe ich soeben dieses Zitat gefunden:

    „I believe there exists, and I feel within me, an instinct for truth, or knowledge or discovery, of something of the same nature as the instinct of virtue, and that our having such an instinct is reason enough for scientific researches without any practical results ever ensuing from them.“
    – Charles Darwin

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