Die eurasische Idee

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Alexander Dugin

Von Alexander Dugin, übersetzt von Deep Roots. Das Original The Eurasian Idea erschien am 8. November 2013 auf Counter-Currents Publishing/North American New Right (ursprüngliche Quelle: Ab Aeterno No. 1, November 2009).

Veränderungen in der ursprünglichen Bedeutung des Eurasianismus

Verschiedene Begriffe verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung durch ihren täglichen Gebrauch im Laufe vieler Jahre. Solch fundamentale Konzepte wie Sozialismus, Kapitalismus, Demokratie, Faschismus haben sich tiefgreifend verändert. Eigentlich sind sie banal geworden.

Die Begriffe „Eurasianismus“ und „Eurasien“ enthalten ebenfalls einige Ungewißheiten, weil sie neu sind, sie gehören zu einer neuen politischen Sprache und einem intellektuellen Kontext, der erst heute geschaffen wird. Die eurasische Idee widerspiegelt einen sehr dynamischen Prozeß. Ihre Bedeutung ist die ganze Geschichte hindurch klarer geworden, muß aber weiter entwickelt werden.

Eurasianismus als philosophischer Kampf

Die eurasische Idee repräsentiert eine fundamentale Revision der politischen, ideologischen, ethnischen und religiösen Geschichte der Menschheit, und sie bietet ein neues Klassifizierungssystem und Kategorien, die Standardklischees überwinden werden. Die eurasische Idee machte zwei Stadien durch – eine formative Periode des klassischen Eurasianismus am Beginn des 20. Jahrhunderts durch ausgewanderte russische Intellektuelle (Trubeckoy, Savickiy, Alexejew, Suvchinkiy, Iljin, Bromberg, Hara-Davan et al.), gefolgt von den historischen Arbeiten von Lew Gumilew und schließlich der Konstitution des Neo-Eurasianismus (zweite Hälfte der 1980er bis zur Gegenwart).

Hin zum Neo-Eurasianismus

Die klassische eurasische Theorie gehört zweifellos der Vergangenheit an und kann richtigerweise in den Rahmen der Ideologien des 20. Jahrhunderts eingeordnet werden. Der klassische Eurasianismus mag vorüber sein, aber der Neo-Eurasianismus hat ihm eine zweite Geburt, einen neuen Sinn, einen neuen Maßstab und neue Bedeutung gegeben. Als die eurasische Idee sich aus ihrer Asche erhob, wurde sie weniger offensichtlich, hat aber seither ihr verborgenes Potential enthüllt. Durch den Neo-Eurasianismus hat die gesamte eurasische Idee eine neue Dimension erhalten. Heute können wir die große historische Periode des Neo-Eurasianismus nicht ignorieren und müssen versuchen, ihn im modernen Kontext zu begreifen. Des weiteren werden wir die verschiedenen Aspekte dieses Konzepts beschreiben.

Eurasianismus als globaler Trend; Globalisierung als Hauptteil der modernen Geschichte

Im breiten Sinn entsprechen die eurasische Idee und sogar das eurasische Konzept nicht strikt den geographischen Begrenzungen des eurasischen Kontinents. Die eurasische Idee ist eine Strategie in globalem Maßstab, die die Wirklichkeit der Globalisierung und der Beendigung der Nationalstaaten anerkennt, aber gleichzeitig ein anderes Szenario der Globalisierung anbietet, das keine unipolare Welt oder vereinigte globale Regierung mit sich bringt. Stattdessen bietet sie mehrere globale Zonen (Pole). Die eurasische Idee ist eine alternative oder multipolare Version der Globalisierung, aber die Globalisierung ist der gegenwärtig größte fundamentale Weltprozeß, der über den Hauptvektor der modernen Geschichte entscheidet.

Paradigma der Globalisierung – Paradigma des Atlantismus

Der heutige Nationalstaat wird in einen globalen Staat umgewandelt; wir stehen vor der Konstituierung eines planetaren Regierungssystems innerhalb eines einzigen administrativ-wirtschaftlichen Systems. Zu glauben, daß alle Nationen, Gesellschaftsschichten und Wirtschaftsmodelle plötzlich auf der Grundlage dieser neuen planetenweiten Logik zu kooperieren beginnen könnten, ist falsch. Die Globalisierung ist ein eindimensionales Phänomen mit einem Sieger, das versucht, den westlichen (angelsächsischen, amerikanischen) Standpunkt über die beste Verwaltung der menschlichen Geschichte zu universalisieren. Es ist (sehr oft verbunden mit Unterdrückung und Gewalt) die Vereinheitlichung unterschiedlicher gesellschaftspolitischer, ethnischer, religiöser und nationaler Strukturen in einem System. Es ist ein westeuropäischer historischer Trend, der durch seine Dominierung der USA seinen Gipfel erreicht hat.

Die Globalisierung ist die Durchsetzung des atlantischen Paradigmas. Die Globalisierung als Atlantismus versucht diese Definition absolut zu vermeiden. Verfechter der Globalisierung behaupten, wenn es keine Alternative zum Atlantismus gibt, wird er aufhören, Atlantismus zu sein. Der amerikanische Politikphilosoph Francis Fukuyama schreibt vom „Ende der Geschichte“, was in Wirklichkeit das Ende der geopolitischen Geschichte und des Konflikts zwischen Atlantismus und Eurasianismus bedeutet. Dies bedeutet eine neue Architektur eines Weltsystems ohne Opposition und mit nur einem Pol – dem Pol des Atlantismus. Wir können dies auch als die Neue Weltordnung bezeichnen. Das Modell des Gegensatzes zwischen den beiden Polen (Ost-West, Nord-Süd) verwandelt sich in das Modell Zentrum-Randbereich (Zentrum = Westen, „reicher Norden“; Randbereich = Süden). Diese Variante der Weltarchitektur steht völlig über Kreuz mit dem Konzept des Eurasianismus.

Es gibt eine Alternative zur unipolaren Globalisierung

Heute ist die „New World Order“ nichts weiter als ein Projekt, Plan oder Trend. Sie ist sehr ernst, aber nicht fatal. Anhänger der Globalisierung bestreiten jeglichen alternativen Zukunftsplan, aber heute erleben wir ein Phänomen großen Maßstabs – den Kontra-Globalismus, und die eurasische Idee koordiniert in konstruktiver Weise alle Gegner der unipolaren Globalisierung. Außerdem bietet sie die konkurrierende Idee der multipolaren Globalisierung (oder Alter-Globalisierung) an.

Eurasianismus als Pluriversum

Der Eurasianismus lehnt das Weltmodell von Zentrum und Randbereich ab. Stattdessen schlägt die eurasische Idee vor, daß der Planet aus einer Konstellation autonomer Lebensräume besteht, die teilweise zueinander offen sind. Diese Bereiche sind keine Nationalstaaten, sondern eine Koalition von Staaten, die mit einem großen Maß an innerer Selbstregierung in kontinentalen Föderationen oder „demokratischen Imperien“ reorganisiert sind. Jeder dieser Bereiche ist multipolar, einschließlich eines komplizierten Systems ethnischer, kultureller, religiöser und administrativer Faktoren.

In diesem globalen Sinn ist der Eurasianismus gegenüber jedem offen, ungeachtet seines Geburts- und Wohnortes, seiner Nationalität und Staatsbürgerschaft. Der Eurasianismus bietet eine Gelegenheit, eine Zukunft zu wählen, die sich von dem Klischee des Atlantismus und des einen Wertesystems für die ganze Menschheit unterscheidet. Der Eurasianismus sucht nicht bloß die Vergangenheit oder die Bewahrung des Status quo, sondern strebt nach der Zukunft und anerkennt, daß die gegenwärtige Struktur der Welt eine radikale Veränderung braucht, daß die Nationalstaaten und die Industriegesellschaft all ihre Ressourcen erschöpft haben. Die eurasische Idee sieht die Schaffung einer Weltregierung auf der Grundlage der liberal-demokratischen Werte nicht als den einen und einzigen Weg für die Menschheit. In seinem elementarsten Sinn ist der Eurasianismus im 21. Jahrhundert als Festhalten an der Alter-Globalisierung definiert, die synonym mit einer multipolaren Welt ist.

Der Atlantismus ist nicht universal

Der Eurasianismus lehnt den Universalismus des Atlantismus und Amerikanismus absolut ab. Das Muster Westeuropas und Amerikas hat viele attraktive Eigenschaften, die übernommen und gelobt werden können, aber als Ganzes ist es bloß ein Kultursystem, das das Recht hat, in seinem eigenen historischen Kontext zusammen mit anderen Zivilisationen und Kultursystemen zu existieren.

Die eurasische Idee schützt nicht nur anti-atlantische Wertesysteme, sondern auch die Vielfalt von Wertstrukturen. Sie ist eine Art von „Polyversum“, das jedem Lebensraum bietet, einschließlich der USA und dem Atlantismus, zusammen mit anderen Zivilisationen, denn der Eurasianismus verteidigt auch die Zivilisationen Afrikas, beider amerikanischer Kontinente und des Pazifikraumes parallel zum eurasischen Mutterland.

Die eurasische Idee fördert eine globale revolutionäre Idee

Die eurasische Idee ist in globalem Maßstab ein globales revolutionäres Konzept, das dazu berufen ist, eine neue Plattform für gegenseitiges Verständnis und Kooperation eines großen Konglomerats unterschiedlicher Mächte zu sein: Staaten, Nationen, Kulturen und Religionen, die die atlantische Version der Globalisierung ablehnen.

Wenn wir die Erklärungen und Aussagen verschiedener Politiker, Philosophen und Intellektueller analysieren, werden wir sehen, daß die Mehrheit von ihnen (manchmal ohne es zu wissen) Anhänger der eurasischen Idee sind.

Wenn wir an all jene denken, die bezüglich des „Endes der Geschichte“ anderer Meinung sind, dann hebt sich unsere Stimmung, und das Scheitern des amerikanischen Konzepts der strategischen Sicherheit für das 21. Jahrhundert in Verbindung mit der Konstituierung der unipolaren Welt wird viel realistischer.

Der Eurasianismus ist die Summe der natürlichen, künstlichen, objektiven und subjektiven Hindernisse auf dem Weg der unipolaren Globalisierung; er bietet eine konstruktive, positive Opposition zum Globalismus statt einer einfachen Verneinung.

Diese Hindernisse bleiben jedoch in der Zwischenzeit unkoordiniert, und Verfechter des Atlantismus können sie leicht bewältigen. Aber wenn diese Hindernisse irgendwie zu einer geeinten Kraft organisiert werden können, werden sie zu etwas Geeintem integriert, und die Wahrscheinlichkeit des Sieges wird viel ernstzunehmender werden.

Eurasianismus als die Alte Welt (der Alte Kontinent)

Die Neue Welt ist Teil der Zweiten Alten Welt oder in einem spezifischeren und engeren Sinn des Wortes Eurasianismus auf das anwendbar, was wir die Alte Welt nennen. Das Konzept der Alten Welt (das sich traditionellerweise auf Europa bezieht) kann in einem viel breiteren Kontext betrachtet werden. Sie ist ein multizivilisatorischer Super-Raum, bewohnt von Nationen, Staaten, Kulturen, Völkerschaften und Religionen, die historisch und geographisch miteinander durch dialektische Bestimmung verbunden sind. Die Alte Welt ist ein organisches Produkt der menschlichen Geschichte.

Die Alte Welt steht oft in Gegensatz zur Neuen Welt, dem amerikanischen Kontinent, der von Europäern entdeckt und in eine Plattform für eine künstliche Zivilisation umgewandelt wurde, wo europäische Projekte des Modernismus geschaffen wurden. Sie wurde auf von Menschen produzierten Ideologien als gereinigte Zivilisation des Modernismus erbaut.

Die Vereinigten Staaten waren die erfolgreiche Schaffung der „perfekten Gesellschaft“, die von Intellektuellen aus England, Irland und Frankreich geformt wurde, während die Länder Süd- und Mittelamerikas Kolonien der Alten Welt blieben und Deutschland und Osteuropa weniger von dieser Idee einer „perfekten Gesellschaft“ beeinflußt waren.

In den Begriffen Oswald Spenglers kann der Dualismus zwischen der Alten und der Neuen Welt in Gegensätzen formuliert werden: Kultur – Zivilisation, organisch – künstlich, historisch – klinisch.

Die Neue Welt als Messias

Als historisches Produkt Westeuropas während seiner Evolution erkannte die Neue Welt schon sehr früh ihre Bestimmung als „Messias“, wo die liberaldemokratischen Ideale der Aufklärung mit den eschatologischen Ideen radikaler protestantischer Sekten kombiniert wurden. Dies wurde die Theorie der „Offenkundigen Bestimmung“ (Manifest Destiny) genannt, die für Generationen von Amerikanern zum neuen Glaubenssymbol wurde. Dieser Theorie zufolge überholte die amerikanische Zivilisation alle Kulturen und Zivilisationen der Alten Welt und ist in ihrer gegenwärtigen universalen Form für alle Nationen des Planeten obligatorisch.

Mit der Zeit konfrontierte diese Theorie nicht nur direkt die Kulturen des Ostens und Asiens, sondern geriet auch in Konflikt mit Europa, das den Amerikanern als archaisch und voll von Vorurteilen und antiquierten Traditionen erschien.

Die Neue Welt wiederum wandte sich vom Erbe der Alten Welt ab. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Neue Welt in Europa selbst mit den „Wahrheitskriterien“ anderer zum unbestreitbaren Führer. Dies inspirierte eine entsprechende Welle der amerikanischen Vorherrschaft und gleichzeitig den Beginn einer neuen Bewegung, die die geopolitische Befreiung von der brutalen, transozeanischen, strategischen, wirtschaftlichen und politischen Kontrolle des „großen Bruders“ anstrebt.

Integration des eurasischen Kontinents

Im 20. Jahrhundert wurde Europa sich seiner gemeinsamen Identität bewußt und begann Schritt für Schritt mit der Integration all seiner Nationen in eine gemeinsame Union, die in der Lage ist, sich selbst und allen Mitgliedern volle Souveränität, Sicherheit und Freiheit zu garantieren.

Diese Schaffung der Europäischen Union wurde zum wichtigsten Ereignis, das Europa dabei half, seinen Status als Weltmacht neben den USA wiederherzustellen. Dies war die Reaktion der Alten Welt auf die exzessive Herausforderung der Neuen Welt.

Wenn wir die Allianz der USA und Westeuropas als den atlantischen Vektor der europäischen Entwicklung betrachten, könnte die europäische Integration unter der Schirmherrschaft der kontinentalen Länder (Deutschland, Frankreich) als europäischer Eurasianismus bezeichnet werden. Dies wird immer offensichtlicher, wenn wir die Theorie von Europa vom Atlantik bis zum Ural (de Gaulle) oder sogar bis Wladiwostok in Rechnung ziehen. In anderen Worten: die Integration der Alten Welt schließt das riesige Territorium der Russischen Föderation mit ein.

Daher könnte der Eurasianismus in diesem Kontext als Projekt der strategischen, geopolitischen und wirtschaftlichen Integration des Nordens des eurasischen Kontinents definiert werden, der als die Wiege der europäischen Geschichte und die Matrix der europäischen Nationen betrachtet wird.

Parallel mit der Türkei ist Rußland (beides Vorfahren der Europäer) historisch mit den türkischen, mongolischen und Kaukasusnationen verbunden. Rußland gibt der Integration Europas sowohl im symbolischen als auch geographischen Sinn eine eurasische Dimension (Identifikation des Eurasianismus mit dem Kontinentalismus).

Während der letzten paar Jahrhunderte ist die Idee der europäischen Integration von der revolutionären Fraktion der europäischen Eliten vorgeschlagen worden. In alten Zeiten wurden ähnliche Versuche von Alexander dem Großen (Integration des eurasischen Kontinents) und Dschingis Khan (dem Begründer des größten Reiches der Geschichte) unternommen.

Eurasien als  drei Groß-Lebensräume, über den Meridian hinweg integriert; Drei eurasische Gürtel (Meridianzonen)

Der horizontale Vektor der Integration wird von einem vertikalen Vektor gefolgt.

Eurasische Pläne für die Zukunft nehmen die Aufteilung des Planeten in vier geographische Gürtel (Meridianzonen) von Nord nach Süd an.

Beide amerikanischen Kontinente werden einen gemeinsamen Raum bilden, der auf die USA orientiert ist und im Rahmen der Monroe-Doktrin von dieser kontrolliert wird. Dies ist die Atlantische Meridianzone.

Zusätzlich zu der obigen Zone sind drei andere geplant. Dies sind wie folgt:

● Euro-Afrika, mit der Europäischen Union als Zentrum.
● Russisch-Zentralasiatische Zone.
● Pazifische Zone.

Innerhalb dieser Zonen werden die regionale Arbeitsteilung und die Schaffung von Entwicklungsgebieten und Wachstumskorridoren stattfinden.

Alle dieser Gürtel (Meridianzonen) bilden Gegengewichte zueinander, und alle zusammen bilden ein Gegengewicht zur Atlantischen Meridianzone. In der Zukunft könnten diese Gürtel das Fundament sein, auf dem eine multipolare Welt erbaut werden kann: die Zahl der Pole wird mehr als zwei sein; jedoch wird die Zahl viel geringer sein als die Zahl der gegenwärtigen Nationalstaaten. Das eurasische Modell schlägt vor, daß die Zahl der Pole vier sein muß.

Die Meridianzonen bestehen aus mehreren „Großräumen“ oder „demokratischen Reichen“. Jedes besitzt relative Freiheit und Unabhängigkeit, aber sie sind strategisch in eine entsprechende Meridianzone integriert.

Die Großräume entsprechen den Grenzen der Zivilisationen und umfassen mehrere Nationalstaaten oder Vereinigungen von Staaten.

Die Europäische Union und der Arabische Großraum, der Nordafrika, das transsaharische Afrika und den Nahen Osten integriert, für Euro-Afrika.

Die Russisch-Zentralasiatische Zone wird von drei Großräumen gebildet, die einander manchmal überlappen. Der erste ist die Russische Föderation zusammen mit mehreren Ländern der GUS – Mitglieder der Eurasischen Union. Der zweite ist der Großraum des kontinentalen Islam (Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan). Die asiatischen Länder der GUS überschneiden sich mit dieser Zone.

Der dritte Großraum ist Hindustan, das ein selbständiger Zivilisationssektor ist.

Die Pazifische Meridianzone wird durch ein Kondominium zweier Großräume bestimmt (China und Japan) und umfaßt auch Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Australien (manche Forscher verbinden Australien auch mit der Amerikanischen Meridianzone). Die geopolitische Region ist sehr mosaikartig und kann nach vielen Kriterien differenziert werden.

Die Amerikanische Meridianzone besteht aus dem amerikanisch-kanadischen, dem mittel- und südamerikanischen Großraum. (Anm. d. Ü.: im Original steht hier „American-Canadian, Central and North American Great Spaces“, aber nachdem Nordamerika ja schon aus USA/Kanada besteht, muß hier ein Schreibfehler vorliegen und Südamerika gemeint sein.)

Die Bedeutung der Vierten Zone

Die auf Meridianzonen beruhende Struktur der Welt wird von den meisten amerikanischen Geopolitikern akzeptiert, die die Schaffung einer Neuen Weltordnung und die unipolare Globalisierung anstreben. Ein Stolperstein ist jedoch die Existenz des Russisch-Zentralasiatischen Meridianraumes: das Vorhandensein oder Fehlen dieses Gürtels verändert das geopolitische Bild der Welt radikal.

Atlantische Futurologen unterteilen die Welt in die folgenden drei Zonen:

● den amerikanischen Pol, mit der Europäischen Union als nahe Peripherie (Euro-Afrika als Ausnahme) und
● die asiatische und pazifische Region als fernere Peripherie.
● Rußland und Zentralasien als Bruchstücke, aber ohne eine unabhängige Meridianzone zu sein; unsere Welt ist unipolar.

Diese letzte Meridianzone bildet ein Gegengewicht zu amerikanischem Druck und bietet der europäischen und der pazifischen Zone die Fähigkeit, wie selbständige Zivilisationspole zu handeln.

Echtes multipolares Gleichgewicht, Freiheit und die Unabhängigkeit der Meridiangürtel, Großräume und Nationalstaaten hängen von der erfolgreichen Schaffung einer vierten Zone ab. Außerdem genügt es nicht, ein Pol in einem zweipoligen Weltmodell zu sein: der schnelle Fortschritt der USA kann nur durch die Synergie aller drei Meridianzonen aufgewogen werden. Das eurasische Projekt schlägt dieses Vierzonenprojekt auf geostrategischer Ebene vor.

Eurasianismus als russisch-zentralasiatische Integration; die Achse Moskau-Teheran; die Vierte Meridianzone – die russisch-asiatische Meridianintegration

Das zentrale Thema dieses Prozesses ist die Verwirklichung einer Achse Moskau-Teheran. Der ganze Integrationsprozeß hängt von der erfolgreichen Begründung einer strategischen mittel- und langfristigen Partnerschaft mit dem Iran ab. Das iranische und russische Wirtschafts-, Militär- und politische Potential zusammengenommen wird den Prozeß der Zonenintegration verstärken und die Zone irreversibel und autonom machen. Die Achse Moskau-Teheran wird die Grundlage für weitere Integration sein. Sowohl Moskau als auch der Iran sind autarke Mächte, die in der Lage sind, ihr eigenes organisatorisches Strategiemodell der Region zu schaffen.

Der eurasische Plan für Afghanistan und Pakistan

Der Integrationsvektor mit dem Iran ist für Rußland lebenswichtig, um Zugang zu Warmwasserhäfen zu gewinnen sowie für die politisch-religiöse Reorganisation Zentralasiens (die asiatischen Länder der GUS, Afghanistan und Pakistan). Enge Zusammenarbeit mit dem Iran setzt die Umwandlung des afghanisch-pakistanischen Gebietes in eine freie islamische Konföderation voraus, die sowohl gegenüber Moskau als auch dem Iran loyal ist. Der Grund für diese Notwendigkeit ist, daß die unabhängigen Staaten Afghanistan und Pakistan die fortdauernde Quelle der Destabilisierung sein werden statt Nachbarländer. Der geopolitische Kampf wird die Möglichkeit bieten, eine neue zentralasiatische Föderation einzuführen und diese komplizierte Region in eine der Kooperation und in ein Wohlstandsgebiet zu verwandeln.

Die Achse Moskau-Delhi

Die russisch-indische Kooperation ist die zweitwichtigste Meridianachse bei der Integration auf dem eurasischen Kontinent und bei den eurasischen kollektiven Sicherheitssystemen. Moskau wird eine wichtige Rolle spielen und die Spannungen zwischen Delhi und Islamabad (Kaschmir) verringern. Der eurasische Plan für Indien, der von Moskau gefördert wird, ist die Schaffung einer Föderation, die die Vielfalt der indischen Sicherheit mit seinen zahlreichen ethnischen und religiösen Minderheiten widerspiegeln wird, einschließlich der Sikhs und Moslems.

Die Achse Moskau-Ankara

Der regionale Hauptpartner im Integrationsprozeß Zentralasiens ist die Türkei. Die eurasische Idee wird dort bereits ziemlich populär wegen westlicher Trends, die mit östlichen verflochten sind. Die Türkei erkennt ihre zivilisatorischen Unterschiede zur Europäischen Union, ihre regionalen Ziele und Interessen, die Bedrohung durch die Globalisierung und weiteren Souveränitätsverlust.

Es ist für die Türkei strategisch unbedingt erforderlich, eine strategische Partnerschaft mit der Russischen Föderation und dem Iran zu gründen. Die Türkei wird ihre Traditionen nur im Rahmen einer multipolaren Welt beibehalten können. Bestimmte Fraktionen der türkischen Gesellschaft verstehen diese Situation – von Politikern und Sozialisten bis zu religiösen und militärischen Eliten. Daher kann die Achse Moskau-Ankara trotz einer langen Zeit der gegenseitigen Entfremdung geopolitische Realität werden.

Der Kaukasus

Der Kaukasus ist für die eurasische Integration die die problematischste Region, weil sein Mosaik von Kulturen und Völkern leicht zu Spannungen zwischen Nationen führt. Dies ist eine der Hauptwaffen, die von jenen benutzt werden, welche den Integrationsprozeß auf dem gesamten eurasischen Kontinent zu stoppen bestrebt sind. Der Kaukasus wird von Nationen bewohnt, die zu verschiedenen Staaten und Zivilisationsgebieten gehören. Diese Region muß ein Polygon [?] zur Erprobung verschiedener Methoden der Kooperation zwischen Völkern sein, denn was dort gelingen kann, das kann überall auf dem eurasischen Kontinent gelingen. Die eurasische Lösung dieses Problems liegt nicht in der Schaffung von Staaten auf ethnischer Grundlage oder in der Zuweisung einer Nation zu strikt einem Staat, sondern in der Entwicklung einer flexiblen Föderation auf der Basis ethnischer und kultureller Unterschiede innerhalb des gemeinsamen strategischen Kontexts der Meridianzone.

Das Ergebnis dieses Plans ist ein System aus einer Halbachse zwischen Moskau und den Zentren des Kaukasus (Moskau-Baku, Moskau-Eriwan, Moskau-Machatschkala, Moskau-Grosny, etc.) und zwischen den Zentren des Kaukasus und Rußlands Verbündeten im eurasischen Projekt (Baku-Ankara. Eriwan-Teheran etc.).

Der eurasische Plan für Zentralasien

Zentralasien muß sich hin zur Integration in einen vereinten, strategischen und wirtschaftlichen Block mit der Russischen Föderation im Rahmen der Eurasischen Union, dem Nachfolger der GUS, bewegen. Die Hauptfunktion dieses spezifischen Gebietes ist die Annäherung Rußlands an die Länder des kontinentalen Islam (Iran, Pakistan, Afghanistan). Ganz von Anfang an muß der Sektor Zentralasien verschiedene Integrationsvektoren haben. Ein Plan wird die Russische Föderation zum Hauptpartner machen (Ähnlichkeiten der Kultur, Wirtschafts- und Energieinteressen, ein gemeinsames Sicherheitssystem). Der Alternativplan besteht darin, den Akzent auf ethnische und religiöse Ähnlichkeit zu legen: die türkische, iranische und islamische Welt.

Die eurasische Integration der post-sowjetischen Territorien: Die Eurasische Union

Eine spezifischere Bedeutung des Eurasianismus, teilweise ähnlich den Definitionen der eurasischen Intellektuellen der 1920er und 1930er, ist mit dem Prozeß der örtlichen Integration post-sowjetischer Territorien verbunden. Verschiedene Formen ähnlicher Integration sind in der Geschichte zu sehen: von den Hunnen und anderen (mongolisch-türkischen, indoeuropäischen) Nomadenreichen bis zum Reich von Dschingis Khan und seinen Nachfolgern. Eine jüngere Integration wurde vom russischen Romanow-Reich angeführt, und später von der UdSSR. Heute setzt die Eurasische Union diese Traditionen der Integration durch ein ideologisches Modell fort, das demokratische Prozeduren berücksichtigt, die Rechte von Nationen respektiert und auf die kulturellen, linguistischen und ethnischen Merkmale aller Unionsmitglieder achtet. Der Eurasianismus ist die Philosophie der Integration des post-sowjetischen Territoriums auf demokratischer, gewaltloser und freiwilliger Basis ohne die Vorherrschaft irgendeiner religiösen oder ethnischen Gruppe.

Astana, Duschanbe und Bischkek als Hauptkraft der Integration

Verschiedene asiatische Republiken der GUS behandeln den Prozeß der postsowjetischen Integration in ungleicher Weise. Der aktivste Anhänger der Integration ist Kasachstan. Der Präsident Kasachstans, Nursultan Nasarbajew, ist ein entschiedener Unterstützer der eurasischen Idee. Kirgisistan und Tadschikistan unter stützen den Integrationsprozeß in ähnlicher Weise, auch wenn ihre Unterstützung verglichen mit Kasachstan weniger greifbar ist.

Taschkent und Aschgabad

Usbekistan und insbesondere Turkmenistan widersetzen sich dem Integrationsprozeß und versuchen wieder, die maximalen positiven Ergebnisse aus ihrer kürzlich erreichten nationalen Souveränität zu gewinnen. Jedoch werden beide Staaten wegen der zunehmenden Globalisierungsrate sehr bald vor einem Dilemma stehen: Souveränität zu verlieren und mit einer vereinheitlichten globalen Welt mit ihrer Beherrschung durch amerikanische liberale Werte zu verschmelzen, oder die kulturelle und religiöse Identität im Kontext der Eurasischen Union zu bewahren. Unserer Meinung nach wird ein unvoreingenommener Vergleich dieser beiden Optionen zur zweiten führen, die die natürliche Abfolge für beide Länder und ihre Geschichte ist.

Die transkaukasischen Staaten

Armenien zieht es weiterhin zur Eurasischen Union, und es betrachtet die Russische Föderation als wichtigen Unterstützer und Vermittler, der ihm hilft, seine Beziehungen zu seinen moslemischen Nachbarn zu handhaben. Es ist bemerkenswert, daß Teheran es vorzieht, eine Partnerschaft mit dem ethnisch nahestehenden Armenien zu gründen. Diese Tatsache ermöglicht uns, zwei Halbachsen – Moskau-Eriwan und Eriwan-Teheran – als positive Voraussetzungen für die Integration zu betrachten.

Baku bleibt neutral, aber seine Situation wird sich mit der fortgesetzten Bewegung Ankaras hin zum Eurasianismus drastisch ändern (es wird sich unmittelbar auf Aserbeidschan auswirken). Die Analyse des aserbeidschanischen Kultursystems zeigt, daß dieser Staat der Russischen Föderation und den post-sowjetischen Republiken des Kaukasus und Zentralasiens näher steht als dem religiösen Iran und sogar der gemäßigten Türkei.

Georgien ist das Schlüsselproblem der Region. Der Mosaikcharakter des georgischen Staates ist die Ursache schwerer Probleme bei der Errichtung eines neuen Nationalstaates, der von seinen ethnischen Minderheiten stark abgelehnt wird: Abchasien, Südossetien, Adscharien etc. Außerdem hat der georgische Staat keine starken Partner in der Region und ist gezwungen, die Partnerschaft mit den USA und der NATO zu suchen, um ein Gegengewicht zum russischen Einfluß zu haben. Georgien ist eine große Bedrohung und in der Lage, den ganzen Prozeß der eurasischen Integration zu sabotieren. Die Lösung dieses Problems ist in der orthodoxen Kultur Georgiens mit ihren eurasischen Merkmalen und Traditionen zu finden.

Ukraine und Weißrußland – slawische Länder der GUS

Es genügt, die Unterstützung Kasachstans und der Ukraine zu gewinnen, damit die Schaffung der Eurasischen Union gelingt. Das Dreieck Moskau-Astana-Kiew ist ein Rahmen, der die Stabilität der Eurasischen Union garantieren kann, weshalb die Verhandlungen mit Kiew so dringend sind wie nie zuvor. Rußland und die Ukraine haben sehr viel gemeinsam: Kultur, Sprache, religiöse und ethnische Ähnlichkeiten. Diese Aspekte müssen hervorgehoben werden, denn ab dem Beginn der jungen Souveränität der Ukraine sind Russophobie und Auflösung gefördert worden. Viele Länder der EU können die ukrainische Regierung positiv beeinflussen, weil sie an politischer Harmonie in Osteuropa interessiert sind. Die Kooperation von Moskau und Kiew wird die paneuropäischen Einstellungen beider slawischer Länder demonstrieren.

Die oben erwähnten Fakturen gelten auch für Weißrußland, wo die Integrationsabsichten viel offenkundiger sind. Jedoch ist der strategische und wirtschaftliche Status Weißrußlands für Moskau weniger wichtig als jener von Kiew und Astana. Außerdem wird die Dominanz einer Achse Moskau-Minsk der Integration mit der Ukraine und Kasachstan schaden, weshalb die Integration mit Weißrußland reibungslos und ohne plötzliche Zwischenfälle vorangehen muß – zusammen mit anderen Vektoren des eurasischen Integrationsprozesses.

Eurasianismus als Weltanschauung

Die letzte Definition des Eurasianismus charakterisiert eine spezifische Weltanschauung: eine politische Philosophie, die Tradition, Moderne und sogar Elemente des Postmodernismus kombiniert. Diese Philosophie hat die traditionelle Gesellschaft als Priorität, anerkennt die Unerläßlichkeit technischer und sozialer Modernisierung (ohne Trennung von der traditionellen Kultur) und strebt nach der Anpassung ihres ideologischen Programms an die post-industrielle Informationsgesellschaft, was Postmodernismus genannt wird. Der Postmodernismus beseitigt formal die Gegenpositionen der Tradition und des Modernismus, nimmt ihnen die Berechtigung und macht sie gleich. Im Gegensatz dazu fördert eurasischer Postmodernismus eine Allianz aus Tradition und Modernismus als konstruktiven, optimistischen, energischen Impuls hin zu Schöpfung und Wachstum. Die eurasische Philosophie verleugnet nicht die von der Aufklärung entdeckten Wirklichkeiten: Religion, Nation, Reich, Kultur etc. Gleichzeitig werden die besten Errungenschaften des Modernismus weithin genutzt: technologische und wirtschaftliche Fortschritte, soziale Garantien, Freiheit der Arbeiterschaft. Extreme treffen aufeinander und verschmelzen in einer vereinigenden, harmonischen und originellen Theorie, die zu frischem Denken und neuen Lösungen für die ewigen Probleme inspiriert, vor denen Menschen die ganze Geschichte hindurch gestanden sind.

Der Eurasianismus ist eine offene Philosophie

Der Eurasianismus ist eine offene, undogmatische Philosophie, die mit neuem Inhalt angereichert werden kann: Religion, soziologische und ethnologische Entdeckungen, Geopolitik, Ökonomie, nationale Geographie, Kultur, strategische und politische Forschung, etc. Außerdem bietet der Eurasianismus originelle Lösungen in spezifischen kulturellen und sprachlichen Zusammenhängen: russischer Eurasianismus wird nicht dasselbe sein wie französische, deutsche oder iranische Versionen. Jedoch wird der Hauptrahmen der Philosophie unveränderlich sein.

Prinzipien des Eurasianismus:

Die Grundprinzipien des Eurasianismus sind folgende:

● Differentialismus, der Pluralismus von Wertesystemen versus die konventionelle obligatorische Vorherrschaft einer Ideologie (zuerst und vor allem die amerikanische liberale Demokratie);
● Tradition versus Unterdrückung von Kulturen, Dogmen und Entdeckungen der traditionellen Gesellschaft;
● Rechte der Nationen versus die „Goldmilliarden“  und neokoloniale Hegemonie des „reichen Nordens“;
● Ethnien als Werte und Subjekte der Geschichte versus die Entpersönlichung von Nationen, die in künstlichen Gesellschaftskonstruktionen eingesperrt sind;
● Soziale Fairness und menschliche Solidarität versus Ausbeutung und Erniedrigung von Menschen durch Menschen.

Quelle:  Ab Aeterno no. 1, November 2009

Ausgewählte Kommentare aus dem Originalstrang bei Counter-Currents:

Michael O’Meara:

Zwischen Globalismus und Eurasianismus wären Europäer (und europäische Amerikaner) mit letzterem offenkundig besser dran, angesichts dessen, daß der amerikanisch dirigierte Globalismus inhärent völkermörderisch ist.

Aber Dugin träumt. Aus formal „geopolitischer“ Perspektive mag es einiges an gemeinsamer Sache zwischen Europäern/Russen auf der einen Seite und moslemisch-türkischen Völkern auf der anderen geben – insbesondere wenn diese Perspektive im Blickfeld von Amerikas parasitischem Imperium liegt. Aber kulturell, religiös, historisch haben die Völker „Eurasiens“ nichts gemeinsam außer einem Vermächtnis des vergossenen Blutes. Jede Art von eurasischer Union zwischen ihnen würde dementsprechend auf Kosten russisch-christlicher Völker stattfinden.

Für Europäer mit einem langen Gedächtnis ist die bloße Existenz der Türkei eine Beleidigung. Wie die „Goldene Morgenröte“ behauptet, gehört Anatolien zu Europa – was bedeutet, daß die Türken aus diesen Ländern gedrängt werden müssen, die sie uns vor 500 Jahren gestohlen haben – zurück in die zentralasiatischen Länder, aus denen sie gekommen sind.

Entgegen Dugins rassenvermischendem und zivilisationszerstörenden Konzept des Eurasianismus wären die weißen christlichen Völker Eurasiens besser dran, eine Art euro-russischer Föderation zu bilden, um sie gegen ihre Feinde zu einigen, die aus dem globalen Süden kommen.

Entgegen der antikulturellen, antizivilisatorischen, antiweißen Gebote von Dugins geopolitischer Philosophie müssen sich die russischen/europäischen Völker daher um ihre kulturellen, religiösen und genetischen Gemeinsamkeiten herum einigen. Und das bedeutet Euro-Rußland, nicht Eurasien.

Thierry:

Mein Verständnis ist, daß Dugin den „Panslawismus“ völlig ablehnt, auf den du anspielst. Mit gutem Grund, nachdem es unversöhnliche Differenzen zwischen ihnen gibt. Ihre grundlegende Gemeinsamkeit ist linguistischer Art, ich meine, wieviel haben die Polen und Bulgaren gemeinsam? Nicht viel, und es wird noch schlimmer, wenn man sich der Religion zuwendet. Tut mir leid, aber „christlich“ genügt nicht.

Im eurasischen Rahmen würde der Pan-Turanismus erleben, wie sich die Türkei großteils ihrem Osten zuwendet und im Westen nur dem Balkan.

Dugin ist ziemlich nüchtern bezüglich des „rassenvermischenden“ und „zivilisationszerstörenden“ Neo-Eurasianismus. Zum einen versteht er die ursprünglichen Wurzeln des Eurasianismus des vorherigen Jahrhunderts. Die Vorstellung der „Reinheit“ ist komisch, nachdem die Mongolen vergewaltigend durch Osteuropa bis hinauf nach Polen gezogen sind.

Die Türkei ist hier, um zu bleiben; niemand wird sie „in zentralasiatische Länder zurückschicken“.

Greg Johnson:

Die Idee, Vermischungen der Vergangenheit – manche davon mythisch – zu benutzen, um weitere Rassenvermischung zu rechtfertigen, schwebt auch in Amerika herum. Dieser und jener hatte einen fernen Cherokee-Vorfahren (es sind fast immer Cherokees), wer bist du also, daß du der Rassenvermischung heute im Weg stehst?

1. Ich bin skeptisch darüber, wie weitverbreitet diese Rassenvermischung ist, aber ich akzeptiere, daß zumindest ein wenig davon stattfand. Im Jahr 2006 machte ich die Hitler-Tour auf den Obersalzberg, und dort traf ich eine dunkelhäutige, mongolisch aussehende Familie (drei Generationen). Ich war erstaunt, daß sie deutsch sprachen und Deutsche waren. Mein Gastgeber erklärte mir, daß es in den Alpen Enklaven solcher Leute gibt.

2. Akzeptieren wir also, daß die Finnen, Esten und Ungarn eine Sprache sprechen, die mit dem Mongolischen verwandt ist, weil irgendwann in der fernen Vergangenheit weiße Völker von Asiaten besiegt wurden, die ihre Sprache zurückließen.

3. Akzeptieren wir auch, daß es eine Art genetischer Beimischung gab. Das ist nicht notwendigerweise der Fall: es gibt in Afrika Millionen von Englisch- und Französischsprachigen ohne europäisches Blut; es gibt Millionen Spanischsprachige in Lateinamerika ohne spanisches Blut. Aber nehmen wir Beimischungen einfach als gegeben an.

4. Aber wir können nicht ignorieren, was seit damals geschehen ist: im Laufe der Zeit wurde die genetische Beimischung zu einem Teil einer homogenen Population, in der man keinen „Rückfällen“ zu den früheren Typen findet. Kurz, ein neues Volk, eine neue Subrasse hat sich entwickelt.

5. Die Sprache und Kultur hat sich ebenfalls mit der Zeit entwickelt, bis wir bei den Völkern ankamen, die wir heute kennen. Das ist es, was finnische oder estnische Identität bedeutet.

6. Diese Identität wird jedoch durch Kolonisation und Vermischung mit fremden Völkern zerstört werden, genauso sicher, wie Völker mit rein europäischen Genomen und Sprachen auf die gleiche Weise zerstört werden.

Die Idee, daß Rassenvermischung uns heute nicht gefährden kann, weil sie in der Vergangenheit stattfand, ist so oberflächlich und dumm wie die Idee, daß Einwanderung uns heute nicht gefährden kann, weil unsere Vorfahren ebenfalls Einwanderer waren. Nur weil Leute aus einem Boot steigen, bedeutet das nicht, daß sie dieselben Interessen haben. Eine Beimischung mag eine Identität schaffen, aber eine weitere Beimischung wird sie zerstören.

Lucian Tudor:

In Ergänzung zu dem, was Greg Johnson bereits gesagt hat, ist die Rassenvermischung, die in Osteuropa aufgrund der zeitweiligen Invasion von Mongolen und anderen Asiaten stattfand, nicht bedeutend genug. Die große Mehrheit der Polen, Ukrainer und Russen etc. haben immer noch ein weißes, europäisches Erscheinungsbild (viele sind von den reinsten Europäern nicht zu unterscheiden) wie auch Verhalten und kulturelle Identität; in anderen Worten, sie sind eindeutig vom selben grundsätzlichen Rassentyp wie Westeuropäer. Mit der Frage der Rassenvermischung, „Reinheit“ und wie sie mit ethnisch-rassischer Identität zusammenhängt, haben sich bereits viele Denker der Neuen Rechten (z. B. Benoist und Faye) und des weißen Nationalismus (z. B. Jared Taylor) befaßt; es überrascht, daß hier jemand so tut, als hätte er guten Rund, rassische Identität oder rassischen Separatismus abzutun, indem er irgendeine teilweise Vermischung anführt, die vor langer Zeit stattfand.

Natürlich habe ich auch Bücher über die Geschichte Rußlands gesehen, die darauf hinweisen, daß es von Anfang an sehr wenig Vermischung zwischen Slawen und Mongolen gegeben hat. Was immer der Fall sein mag, mein Argument steht. Sogenannter „Eurasianismus“ wird nicht durch geringfügige Rassenvermischung gerechtfertigt, die – übrigens – nicht einmal die Identität slawischer Völker bestimmt (jeder der etwas über sie weiß, wird auch wissen, daß sie eine starke Identität als Weiße und Europäer haben). Schlußendlich, und was am wichtigsten ist, wenn ich sehe, wie Thierry den „Eurasianismus“ hier in dieser Weise unterstützt, dann ergänzt das auch meinen vorherigen Kommentar zu „North Americanism“, daß Dugins Anhänger oft gar nichts an rassischer Identität oder Bewahrung liegt.

Ted:

Das Konzept der „Reinheit“ muß beiseite gelegt werden, es ist ein überholtes Konzept aus der prä-genetischen Vergangenheit. Ich denke, wenn man Rasse heute vom biologischen Standpunkt aus betrachtet (es gibt natürlich auch wichtige kulturelle und historische Aspekte der Identität), dann befasse man sich mit „genetischen Interessen“ und Verwandtschaftsgraden, und mit der Bewahrung (und Verbesserung der eingeborenen Population) von Gruppen, wie sie heute existieren. Die Vergangenheit ist die Vergangenheit und kann nicht geändert werden. Aber wir können in der Gegenwart daran arbeiten, die Zukunft zu beeinflussen. Der russische Genpool ist, was er ist (und er ist europäisch – wie Gregs Alpenerlebnis zeigt, ist absolute Reinheit in jeder Ethnie unwahrscheinlich). Heute beschlossene Politik kann nicht ändern, was die Mongolen in vergangenen Jahrhunderten getan oder nicht getan haben. Aber heute beschlossene Politik kann in der Tat ändern, wie das russische Volk und der russische Staat in kommenden Jahrhunderten aussehen werden. Wird es russisch und slawisch sein? Oder wird es zentralasiatisch/moslemisch sein?

Wie müssen politische Realitäten betrachten und nicht nur die Theorie. Realität: farbige Völker glauben, sie hätten ein angeborenes Recht, in weiße Länder (einschließlich Rußland) zu ziehen. Jede Freundschaft mit einer farbigen Nation – egal, ob man sie für eine Art „traditionalistischer Allianz“ hält – wird von ihnen als Einladung zum Auswandern betrachtet werden. Wenn man ihnen die Tür vor der Nase zumacht, dann ist die „Freundschaft“ vorbei.

Ich habe (ich glaube, in „Rising Tide of Color“) über die US-japanischen Beziehungen in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg gelesen. Seht ihr, aus japanischer Sicht war ein wunder Punkt in den Beziehungen die amerikanische Ausschließungspolitik dieser Zeit gegenüber Asiaten, insbesondere in den westlichen Vereinigten Staaten (Gott sei für Dennis Kearny gedankt). Seht ihr, die Japaner hatten das Gefühl, sie hätten das RECHT, in die Vereinigten Staaten auszuwandern, und machten die Öffnung der Schleusentore für die Einwanderung zu einer Vorbedingung für bessere Beziehungen. Natürlich wurde das Umgekehrte nie in Betracht gezogen – selbst wenn Amerikaner aus irgendeinem Grund nach Japan hätten auswandern wollen, wäre das nie akzeptiert worden, und natürlich wurde von den Amerikanern nie Gegenseitigkeit verlangt.

Dieselbe Situation gibt es heute. Jede „Freundschaft“ zwischen Rußland und asiatischen Nationen wird auf der Akzeptanz von Einwanderungsströmen beruhen. Daher geht das Putin-Regime hart gegen einwanderungsfeindlichen Nationalismus vor – der in Rußland potentiell potent ist und in Straßenprotesten ausbricht.

Daher zögern Russen im Gegensatz zu dem, was man anderswo sieht, nicht, auf die Straßen zu gehen und offen für ihre eigenen ethnischen Interessen zu protestieren. Wie wertvoll das ist! Was für eine Macht, die von einer wahrlich nationalistischen russischen Führerschaft genutzt werden kann! Eine relativ gesunde Bevölkerung mit guten Instinkten! Und der Eurasianismus will das zu einem Verfassungspatriotismus pervertieren, um das Sowjetimperium wiederzubeleben.

Widerlich.

Greg Johnson:

Jede politische Philosophie, die irgendetwas über die Erhaltung eigenständiger Völker stellt, wird mit der Zeit die Existenz eigenständiger Völker untergraben. Imperium, Kolonialismus, Globalisierung, Liberalismus, Kommunismus, Christentum, Islam: sie alle arbeiten daran, eigenständige Völker und Identitäten abzubauen. Der Eurasianismus teilt dasselbe Problem.

Ich bin ganz für ein starkes Rußland. Aber ein starkes Rußland erfordert, daß die Russen sich politisch und rassisch von Nichtrussen trennen und nicht danach streben, über sie zu herrschen. Kurz, ein starkes Rußland erfordert das Gegenteil von Putins Politik und des Impulses des Eurasianismus.

Ich bin ganz für eine multipolare Welt. Die Geopolitik von Kontinentalblöcken ist schön und gut. Aber wenn man rassische und ethnische Erhaltung nicht zu einem höheren Ziel macht, wird solche Geopolitik eigenständige Völker am Ende untergraben. Ich fürchte, daß zu viele patriotische Russen Mütterchen Rußland nicht genug lieben, um ihre Zerstörung durch ihre eigenen Pläne zur Wiederherstellung ihrer imperialen Pracht zu verhindern.

Ted:

Etwas, das mich seit einer Weile an manchen dieser „Traditionalisten“ und „Neuen Rechten“ der Alten Welt gestört hat: ihr reflexhafter Hass auf Amerika und Amerikaner und ihre Forderung, Amerika von Europa zu trennen.

Sie anerkennen nicht, daß nicht alle Amerikaner multikulturalistische, globalistische Konsumenten sind. Nicht alle Amerikaner sind Fans eines atlantizistischen Imperiums. Nicht alle Amerikaner sind Europa und Rußland feindlich gesonnen. Nicht alle Amerikaner wollen mit Mexiko, Mittelamerika und Südamerika in eine „atlantische Meridianzone integriert“ werden.

Yockey war sehr kritisch gegenüber Amerika eingestellt, und aus gutem Grund, nachdem er das verjudete Amerika als den „Feind Europas“ sah. ABER… er erkannte, daß das WAHRE Amerika ein Teil des Westens war – ja, eine Kolonie, aber dennoch ein integraler Teil. Yockey unterschied „Amerika, wie es unter fremder Kontrolle ist“ von „Amerika, wie es sein sollte und sein kann.“

All diese Kerle wie Dugin, und ich denke auch de Benoist, verschmelzen diese beiden Amerikas zu einem und verdammen Amerikaner im allgemeinen – einschließlich der radikalsten der rassischen Nationalisten – in diese Kategorie.

*   *   *   *   *   *   *

Siehe auch:

Alexander Dugin über „weißen Nationalismus“ und andere potentielle Verbündete in der globalen Revolution
Illusionen weißer Nationalisten über Rußland von Émile Durand
Die Nation als Idee von Kevin Alfred Strom
Russische politische Gefangene in der Russischen Föderation von Pjotr Antonom
Putins Ausblick auf Russlands nationale Zukunft – Migrationspolitik und Meldepflicht von Igor Artemov
Jobbik’s Unholy Alliance von Colin Liddell
„Rußland den Russen!“ von Kevin MacDonald

(Quelle der Übersetzung:  hier)

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