„Unsere Zivilisation verschwindet“: Interview mit Jean Raspail

Jean Raspail - Portrait 2010

Jean Raspail 2010

Das Original “Our Civilization is Disappearing” Interview with Jean Raspail erschien am 4. November 2013 auf Counter-Currents Publishing/North American New Right.

Wie empfinden Sie die gegenwärtige Situation?

Wissen Sie, ich möchte mich nicht der großen Gruppe von Intellektuellen anschließen, die ihre Zeit mit Debatten über Einwanderung verbringen… Ich habe den Eindruck, daß diese Gespräche keinem Zweck dienen. Die Leute wissen es bereits alle intuitiv: daß Frankreich, so wie es unsere Vorfahren vor Jahrhunderten gestalteten, verschwindet. Und daß wir die Zuschauergalerie amüsiert halten, indem wir unaufhörlich über die Einwanderung reden, ohne jemals die finale Wahrheit zu sagen. Eine Wahrheit, die außerdem unaussprechlich ist, wie mein Freund Jean Cau bemerkte, denn wer immer sie ausspricht, wird sofort gejagt, verdammt und dann abgelehnt. Richard Millet kam ihr nahe, und schauen sie, was mit ihm passiert ist?

Wird die Ernsthaftigkeit des Problems dem französischen Volk vorenthalten?

Ja. Angefangen zuallererst bei den führenden Politikern. Öffentlich heißt es: „alles läuft gut, Madame Marquessa.“ Aber hinter verschlossenen Türen geben sie zu: „ja, Sie haben recht: es gibt ein echtes Problem.“ Ich habe mehrere erbauliche Briefe zu diesem Thema von prominenten linken Politikern, auch von jenen auf Seiten der Rechten, denen ich Das Heerlager der Heiligen geschickt habe. „Aber Sie verstehen: wir können das nicht sagen…“ Diese Leute haben eine doppelte Sprache, ein doppeltes Gewissen. Ich weiß nicht, wie sie das machen! Ich denke, die Pein kommt von dort: die Menschen wissen, daß Dinge vor ihnen verborgen werden. Heute glauben Zig Millionen Menschen nicht mehr dem offiziellen Diskurs über die Einwanderung. Nicht einer von ihnen glaubt, daß sie „eine Chance für Frankreich“ ist. Denn die Realität drängt sich ihnen auf, jeden Tag. All diese Ideen kochen in ihren Köpfen und kommen nicht heraus.

Sie glauben nicht, daß es möglich ist, die Ausländer zu assimilieren, die in Frankreich aufgenommen werden?

Nein. Das Modell der Integration funktioniert nicht. Selbst wenn ein paar Illegale mehr zur Grenze eskortiert werden und es uns gelingt, Ausländer ein bißchen mehr zu integrieren als heute, wird ihre Zahl nicht zu wachsen aufhören, und das wird nichts am grundsätzlichen Problem ändern: der zunehmenden Invasion Frankreichs und Europas durch eine zahllose Dritte Welt. Ich bin kein Prophet, aber man sieht deutlich die Zerbrechlichkeit jener Länder, wo eine unerträgliche Armut besteht und unaufhörlich neben unanständigem Reichtum wächst. Jene Leute wenden sich nicht an ihre Regierungen, um zu protestieren. Sie erwarten nichts von ihnen.

Sie wenden sich uns zu und kommen in Booten in Europa an, immer zahlreicher, heute in Lampedusa, morgen anderswo. Nichts hält sie ab. Und dank des Demographie-Spiels wird es um die 2050er in Frankreich so viele junge eingeborene Franzosen geben wie junge Ausländer.

Viele werden eingebürgert sein.

Was nicht bedeutet, daß sie zu Franzosen geworden sind. Ich sage nicht, daß das schlechte Leute sind, aber „Einbürgerungen auf dem Papier“ sind keine Einbürgerungen der Herzens. Ich kann sie nicht als meine Landsleute betrachten. Wir müssen das Gesetz drastisch verschärfen, das ist dringend.

Wie kann Europa mit diesen Migrationen umgehen?

Es gibt nur zwei Lösungen. Entweder wir nehmen sie auf, und Frankreich – seine Kultur, seine Zivilisation – wird ohne auch nur ein Begräbnis ausgelöscht werden. Meiner Ansicht nach ist es das, was passieren wird. Oder wir nehmen sie gar nicht auf – das bedeutet, mit dem Sakralisieren des Anderen aufzuhören und den eigenen Nachbarn wiederzuentdecken, das heißt jene, die einem nahe sind. Was bedeutet, daß wir aufhören, uns um diese „verrückt gewordenen christlichen Ideen“ zu scheren, wie Chesterton sagte, oder um jene verkommenen Menschenrechte, und daß wir die unverzichtbaren Maßnahmen ergreifen, um uns unwiderruflich zu distanzieren, um die Auflösung unseres Landes in einer allgemeinen métissage zu vermeiden [wörtlich Rassenvermischung, aber als eine Art Äquivalent zur englischen diversity verwendet]. Ich sehe keine andere Lösung. Ich bin in meiner Jugend viel gereist. Alle Völker sind faszinierend, aber wenn man sie zu sehr vermischt, entwickelt sich viel mehr Feindseligkeit als Sympathie. Métissage ist niemals friedlich. Es ist ein gefährliches Utopia. Sehen Sie sich Südafrika an!

An dem Punkt, an dem wir uns jetzt befinden, müßten die Maßnahmen, die wir zu ergreifen hätten, notwendigerweise sehr viel Zwang enthalten. Ich sehe nicht, daß das geschehen wird, und ich sehe keinen, der den Mut hat, es zu tun. Sie müßten ihre Seele in die Waagschale werfen, aber wer ist dazu bereit? Dennoch glaube ich keinen Moment, daß die Unterstützer der Einwanderung karitativer sind als ich: es gibt wahrscheinlich keinen einzigen unter ihnen, der beabsichtigt, einen dieser Unglücklichen bei sich zu Hause aufzunehmen… all das ist nur emotionale Heuchelei, ein unverantwortlicher Mahlstrom, der uns verschlingen wird.

Gibt es daher keine andere Lösung als Unterwerfung oder Zwang?

Es könnte vielleicht eine geben, aber sie wird nur eine Chance haben: isolierte Gebiete, wo eine Population, die von anderen Kommunitarismen ethnisch und kulturell bedroht ist, Zuflucht finden könnte. Übrigens geschieht das bereits: wir können bereits erkennen, daß die französischen „de souche“ (Eingeborenen) aus den sogenannten „sensitiven“ Bezirken fliehen. Die Demonstrationen gegen die Homoehe sind ebenfalls eine Form von Kommunitarismus: sie legen Zeugnis dafür ab, daß Millionen von Franzosen die von den Linken und von Christiane Taubira versprochene „Zivilisationsveränderung“ ablehnen. Heute verdammt jeder den Kommunitarismus, aber er könnte eine Lösung sein, zumindest vorübergehend. Diese einander gegenüberstehenden Kommunitarismen werden sich gegenseitig durch die Feindseligkeit verstärken, die sie vermitteln, und das wird schlußendlich in extrem schweren Konfrontationen enden. Selbst wenn wir nicht zu wünschen brauchen, daß es zu Widrigkeiten kommt.

Sie glauben nicht an einen plötzlichen Neubeginn, wie er viele Male in der Geschichte Frankreichs stattgefunden hat?

Nein. Er würde eine epische Geisteshaltung erfordern, eine Wahrnehmung eines erhabenen Ziels, damit ein plötzlicher Neubeginn in Frankreich möglich ist. Es würde erfordern, daß Menschen immer noch an ihr Land glauben. Ich sehe nicht, daß viele von ihnen übrig wären. Wenigstens das nationale Bildungssystem und die audiovisuellen Medien von oben nach unten zu reformieren, den Lehrern und Journalisten, die bei der Desinformation mitmachen, die Plattform wegzunehmen… Wir haben die Idee der Nation entheiligt, die Ausübung von Macht, die Vergangenheit des Landes. Wir haben Risse in der Statue Frankreichs geschaffen, wir (insbesondere die Linke!) haben sie so weit entstellt, daß nichts mehr Respekt einflößt. Die Macht der falschen Ideen, die vom nationalen Bildungssystem und den Medien verbreitet werden, ist grenzenlos. Aber was mich betrifft, so habe ich 1500 Jahre lang in Frankreich gelebt, ich bin zufriedem mit dem, was mein ist, und ich habe keinen Wunsch, daß es sich ändert…

Quelle: http://islamversuseurope.blogspot.gr/2013/10/jean-raspail-author-of-camp-of-saints.html

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Siehe auch:

Jean Raspail, eine Zusammenfassung des deutschen und des englischen Wikipedia-Artikels über Jean Raspail
Wir wurden gewarnt von Anne-Kit
Das “Recht auf Migration” sticht alles von Kevin MacDonald
Jean Raspail: Die Republik verrät das Vaterland, ein Interview in der „Sezession“ zum Sturm aus Afrika
Jean Raspail in der Jungen Freiheit: Es ist eine Art Fluch
EU-Kommission will Immigration aus Nordafrika fördern in Manfreds „Korrektheiten“
Ein Moment wie im „Heerlager der Heiligen“ von Joe Webb
Heerlager der Heiligen: Eine Strategie für die Kapitulation von Baron Bodissey
Der Tod von Johannesburg von Baron Bodissey (Jean Raspail: „Sehen Sie sich Südafrika an!“)
Warum Lampedusa? von Enza Ferreri

(Quelle der Übersetzung:  hier)

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