Ungarn: Hommage an die Vergangenheit, um die Zukunft zu retten

Parlament in Budapest

Von George Handlery; Original: An Homage to the Past to Save the Future, erschienen am 8. November 2012 im Brussels Journal.

Erfindung ist ein Mittel zur Überwindung von Tatsachen, die einem nicht passen.

Wir ignorieren gern die Kräfte, die unser Leben bestimmen werden. Der Preis der Kurzsichtigkeit ist hoch für jene, die die erkennbaren Trends ignorieren. Häufig ist das, was der Unwissende als positiven oder negativen „Zufall“ betrachtet“, nur in seinen nebensächlichen Details zufällig. In Wirklichkeit sind solche falsch bezeichnete Ereignisse die Konsequenz früherer Entscheidungen und daher für jene vorhersehbar, die hinter den Anschein schauen. Diejenigen, die sich auskennen, wissen, daß hinter den verwirrenden Kulissen eine entscheidende Wahrheit lauert und daß sie der wahre Puppenspieler ist, der die Fäden zieht.

Diejenigen von uns, die das vergangene Jahrhundert verstehen möchten – was sich durch die dreistellige Millionenzahl derer empfiehlt, die in seinen Kriegen und in seinem „Frieden“ getötet wurden – sollten über zwei Themen nachdenken. Das eine ist die Wirkung irriger Theorien und ihrer Rezepte für die Zwangserlösung der Menschheit. Dies erfordert die Untersuchung totalitärer Ideologien und Praktiken. Das andere ist die Rolle der Masse. Wir können ausführlich darüber lesen, was geschieht, wenn Individuen sich zu einer Menschenmenge verbinden. Sofern man jedoch nicht selber in eine Menge von Hunderttausenden verwandelt worden ist, entgeht einem, was durch die Absorption in solch einem kollektiven „Organismus“ stattfindet. In diesem Fall wird der Theorie eine Dimension fehlen, so wie es bei Beschreibungen von „blau“ für Blinde der Fall ist.

Am 23. Oktober hat Ihr Korrespondent wieder ein “Auffrischungserlebnis” gehabt. Sich in einer Masse aufzulösen, kann einen erheben, sodaß man Macht jenseits seiner Mittel verspürt, oder einen zu einem Kieselstein reduzieren. In diesem Fall, und in höchst untypischer Weise, hat es den Schreiber dieser Zeilen zu Tränen gerührt, als einer von vierhunderttausend eine Hymne zu singen, die die Kommunisten nicht mochten. Der Anlaß war der 56. Jahrestag von ’56. Diese Zahlen verlangen eine Erklärung. Es ist aufschlußreich bezüglich der Macht der “Bewußtseinsmacher”, daß sie, wie in diesem Fall, entweder den Ereignissen einen neuen Inhalt geben oder löschen können, was nicht in ihre Weltsicht paßt.

Der 23. Oktober 1956 markiert ein bahnbrechendes Ereignis. An diesem Tag erhob sich Ungarn in einer Revolution gegen die Sowjetherrschaft. Moskau brauchte zwei Wochen, um die „Ordnung“ wiederherzustellen, indem es sein Versprechen brach, das Land zu räumen und dessen Souveränität wiederherzustellen. Selbst wenn die UdSSR bewies, daß sie Ungarn besiegen konnte, markiert der Sieg den Anfang des Niedergangs der Sowjetmacht. Der Trend endete mit der Auflösung des Blutroten Imperiums. Selbst am Schauplatz der Revolution muß die Erinnerung den Versuch der Linken überwinden, sie verächtlich zu behandeln. Daher erweisen sich das Umschreiben der Fakten und das „Stehlen“ der Bewegung, um sie als ihre eigene zu beanspruchen, als wirksame Mittel. Früher empfahlen andere Umstände andere Mittel. Die örtliche Linke war am unwillkommenen 50. Jahrestag an der Macht. Das ermöglichte es ihren Sicherheitsorganen, eine friedliche, von der Opposition angeführte Versammlung von weit über hunderttausend anzugreifen und zu zerstreuen. (Bezüglich des Texts des ursprünglichen Überlebendenberichtes siehe den Artikel, den ich vor sechs Jahren schrieb)

Die heutige Mitte-Rechts-Regierung hat eine Zweidrittelmehrheit, und sie betrachtet sich als den Erben jener, die 1956 das „Reich des Bösen“ erschütterten.

Dieses Jahr riefen die regierenden „Jungen Demokraten“ (Fidesz) zu einer Gedenkfeier auf. Es sollte ein Marsch sein, der von einem Schauplatz schwerer Kämpfe im Jahr 1956 zu dem Platz vor dem Parlament führte. Bezeichnenderweise ist diese Örtlichkeit zufällig der Schauplatz eines Massakers, dessen Täter unbestraft bleiben. Mindestens vierhunderttausend versammelten sich und füllten nicht nur den Platz, sondern auch die zu ihm hinführenden Straßen. Zur selben Zeit hielt die „Opposition“, einberufen vom Nachkömmling der Stalin-Ära und der Bosse von Kádárs Restauration nach ’56, anderswo ihr eigenes Konklave ab.

Abgesehen von der „Geschichte“ hat es einen politischen Grund dafür gegeben, die Bürger zu ersuchen, ihre Unterstützung zu zeigen. Das Motiv ist, die Fähigkeit der Linken zu reduzieren, die ausländischen Medien und die Europäische Union zu beeinflussen, um die Realität zu verdrängen und mit ihren eigenen Verzerrungen zuzudecken. Der Zweck der Verleumdung ist die Diskreditierung jener, die mit einer Verschuldung fertig werden müssen, die von den Sozialisten geschaffen wurde, welche jene kauften, die Abhängigkeit akzeptieren. Eine der verleumderischen Behauptungen ist, daß die Fidesz-Partei diktatorisch ist und daß sie Unterstützung verliert. Die letztere Behauptung zu demaskieren, ist die Absicht der Marschierenden und jener gewesen, die sie ersuchten, die Straßen zu füllen.

Erstens, zur Größe der Menge. Die Auslandspresse sprach gern von „Zehntausenden“. Das dürfte die Veranstaltung der Sozialisten großzügig beschreiben. Diejenigen, die zugunsten der Fidesz erschienen, „Zehntausende“ zu nennen, könnte vielleicht mathematisch korrekt sein. Vier- oder fünfhunderttausend besteht aus x-mal zehntausend. Aber warum nicht von „mehreren Dutzend“ sprechen? Offenkundig wird mit der Zählung beabsichtigt, eine Realität zu verdecken, die für die linkstendenziösen Medien eine unerwünschte Tatsache ist. Weiters setzt der Begriff die Show der Sozialisten mit der Mobilisierungsmacht der Fidesz gleich. Dies geschieht, weil nicht das zählt, was „ist“, sondern was die Menschen glauben gemacht werden.

Die verdrehte Darstellung hat eine weitere „Schönheit“ hervorgebracht. Sogar der angesehene „Economist“ erkennt in den beiden Versammlungen einen Beweis dafür, daß Ungarns Gesellschaft in der Art der „Disunited States of America“ „gespalten“ ist. Es stimmt, die miteinander konkurrierenden Versammlungen weisen auf eine Spaltung hin. Im Gegensatz zu der unterstellten Teilung in zwei Hälften ist die Diskrepanz der Zahlen ein Beweis dafür, daß die Gesellschaft zur enormen Überraschung des Autors dieser Zeilen geeint ist.

Ein Grund dafür, die Massen aufzurufen, hatte mit der Notwendigkeit zu tun, „Brüssel“ zu zeigen, daß eine Behauptung der linken Eurokratie falsch ist. Die Behauptung besagte, daß die Fidesz ihre Unterstützung verloren hätte. Tatsächlich wird Ungarn mit der Behauptung bombardiert, daß es eine Rechtsdiktatur sei und daß infolgedessen sogar kleine Stand-by-Kredite zurückgehalten werden müssen. Die Absicht ist, die Wähler dazu zu erpressen und anzuschubsen, die Fidesz im Austausch für Lob und Geld abzulehnen. Früher in diesem Jahr hat die Fidesz bereits zum Beweis ihrer Legitimität um einen Marsch gebeten, um die Wahlergebnisse zu bestätigen. Hunderttausende folgten diesem Aufruf. Eine kürzliche Umfrage bestätigt eine auf einer Mehrheit beruhende Legitimität. 36 % sympathisieren mit der Fidesz. Die Linke erreicht 12 %. Als Hinweis auf politischen Aktivismus und Reaktion auf provokantes Schimpfen aus dem Ausland erzielte die echt „falsche Rechte“ 11 %.

Der Leser mag zum Schluß gekommen sein, daß die ritualisierte Verurteilung Ungarns politisch motiviertes Schlechtmachen ist. Die Schlußfolgerung sollte nicht sein, daß dies das einzigartige Problem eines kleinen Landes ist, das leicht ignoriert werden kann. Der hier präsentierte Fall ist kein isolierter, sondern ein typisches Beispiel aus einem dicken Akt. Eine Anzahl von Ländern, viele Personen des öffentlichen Lebens und zahlreiche Parteien werden regelmäßig öffentlich gegeißelt. Öfter als es nicht der Fall ist, beruhen die Verurteilungen auf erfundenen Anschuldigungen. Diese werden erhoben, weil die Getadelten Ziele anstreben, die der Ideologie des Anschuldigers widersprechen. Die Strategie lautet: wenn es an Argumenten fehlt, dürfen Fakten erfunden werden, um uns dazu zu bringen, daß wir vergessen, was wir wahrnehmen, und stattdessen glauben, was man uns sagt.

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Quelle der Übersetzung: hier. Siehe auch The  EU Rip-Off von Tom Sunic im „Occidental Observer“ vom 19. Juni 2009, worin unter anderem von der attraktiven Jobbik-Parlamentarierin Krisztina Morvai die Rede ist.

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