Kleingeld

Morgan Dollar

Von  Baron Bodissey; Original: Chump Change, erschienen am 18. Februar 2009 auf Gates of Vienna. Das Bild der Federal-Reserve-Dollarnote nach dem Ein-Dollar-Silberzertifikat wurde vom Übersetzer eingefügt.

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Als ich sieben Jahre alt war, begann ich mit dem Münzensammeln als Hobby. Damals waren noch eine Menge interessanter Münzen im Umlauf: der Buffalo Nickel, der Mercury Dime, die Halbdollarmünze Liberty Walking und – wenn man geduldig war und genug Münzrollen durchsah – gelegentlich ein Indianerkopf-Penny oder „V“-Nickel.

Die aufregendste Münze jedoch war der Silberdollar. Der „Peace“-Dollar von 1921 würde passen, aber der Morgan-Dollar war vorzuziehen – er hatte ein seriös wirkendes Design aus dem 19. Jahrhundert und war genau derselbe Dollar, der jene schweren Lohnsäcke füllte, die in Westernfilmen von Postkutschenräubern erbeutet wurden. Er war ein hübsches deftiges Stück echter amerikanischer Geschichte, und er konnte die Handfläche eines kleinen Jungen ausfüllen.

Bis zu meinem zehnten Geburtstag betrug mein Taschengeld fünfzig Cents pro Woche, die ich in Form einer zweiwöchentlichen Dollarnote erhielt. Während meines Silberdollarfimmels pflegte ich die Dollarnote zur Bank zu bringen und im Austausch dafür um einen Silberdollar zu ersuchen. Die Bankangestellten kannten mich alle und taten mir immer den Gefallen, mich ihre Auswahl von Silberdollars durchsehen zu lassen, bis ich einen Jahrgang fand, den ich noch nicht hatte. Ich konnte mir das erlauben, weil die meisten der damals in Umlauf befindlichen Dollarnoten immer noch Silberzertifikate waren.

silver certificate

 

Die Bank hatte keine Wahl: nach ihrer Charta war sie gesetzlich dazu verpflichtet, „dem Überbringer auf Verlangen“ einen Dollar in offiziellen Silbermünzen der Vereinigten Staaten für jedes ihr vorgelegte Silberzertifikat zu zahlen.

FRNOTE

Niemand hat heute dieselbe Option. Heute besteht alles in Umlauf befindliche Papiergeld aus Banknoten der Federal Reserve, die gegen nichts Bestimmtes einlösbar sind. Man kann zur Bank gehen und seine Dollarnote gegen vier Vierteldollar wechseln, aber diese sind nicht mehr die glänzenden Silberscheiben, die so erfreulich auf dem Marmortresen beim Schalterfenster klangen. Heutzutage sind die Dimes, Quarters und Halbdollarmünzen alles „Johnson slugs“, die hässlichen Nickel-Kupfer-Sandwiches, die 1964 eingeführt wurden, als die Silbermünzen abgeschafft und die Silberzertifikate aus dem Umlauf zurückgezogen wurden. 1968 war das letzte Jahr, in dem das Gesetz verlangte, daß irgendein Papierdollar in Silber einlösbar sei.

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Die Abschaffung der Silbermünzen war der Gipfelpunkt eines langen Prozesses, dessen Vollendung mehr als ein Jahrhundert dauerte: die Trennung der amerikanischen Papierwährung von irgendeinem fixen Wertmaßstab, wie er durch Edelmetalle verkörpert wurde.

Zu der Zeit, als die Johnson-Slugs erschienen, war die Abschaffung der Silbermünzen eine absolute Notwendigkeit. Man hatte den Silberpreis „floaten“, also frei schwanken lassen, und wegen der Inflation war das Silber in einem Dollar mehr als $ 1,25 wert. Unternehmer konnten einen hübschen Gewinn machen, indem sie Silberdollars en gros aufkauften, einschmolzen und als Barren an Silberhändler verkauften. Die alten Münzen mußten verschwinden, was bedeutete, daß die Silberzertifikate ebenfalls verschwinden mußten.

Von da an war die Bundesregierung nicht verpflichtet, einem irgend etwas für seine Dollarnote zu geben. Wenn man eine hatte, konnte man hinausgehen und etwas kaufen, das andere Leute einem im Austausch für sein Stück Papier zu geben bereit waren. Aber das Schatzamt war nicht verpflichtet, irgend etwas von Wert für dieses Stück Papier zu geben außer den „vollen Treu und Glauben [full faith and credit] der Regierung der Vereinigten Staaten“, was 1964 eine Menge mehr wert war als heute.

Im 19. Jahrhundert hielten die Vereinigten Staaten sich zuerst an einen „bimetallischen“ Standard – sowohl Silber- als auch Goldmünzen – und dann an den Goldstandard. Unter dem Druck der Großen Depression leitete Franklin Delano Roosevelt ein allmähliches Abrücken vom Gold- und hin zum Silberstandard ein, obwohl das Schatzamt und die Federal Reserve bis 1971 beim Goldstandard blieben.

Seit damals ist die offizielle Währung der Vereinigten Staaten durch nicht mehr als das globale Vertrauen in die Bonität des Dollars verankert gewesen. Solange alle an dieselbe Fantasie glaubten, konnte das System funktionieren. Die Dollars wurden gedruckt, Kredite wurden gewährt, die Finanzmärkte funktionierten, und Wirtschaftsunternehmen waren profitabel. Die Menschen gingen zur Arbeit und wurden bezahlt und kauften Sachen.

Sie liehen sich auch Geld und nahmen Hypotheken auf, was uns zu dem Schlamassel bringt, in dem wir uns heute befinden.

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Das heutige Wirtschafts- und Konsumkreditsystem wird durch die Praxis des Mindestreserve-Bankwesens möglich gemacht. Bis zum späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert verliehen die Banken ihre Barreserven an Geld der Einleger nicht. Das Erscheinen des Mindestreserve-Bankwesens machte es legal, daß eine Bank einen Teil ihrer Einlagen weiterverleiht, und verlangte von ihr nur, einen Bruchteil jener Einlagen – in heutiger Zeit typischerweise 20 % – als tatsächliche Barreserve zu behalten.

Dies bedeutet, daß, wenn Otto Normalverbraucher $ 1000 auf sein Bankkonto einzahlt, die Bank bis zu $ 800 davon verleihen und $ 200 der Einlage als Mindestreserve zu behalten, wobei sie den Kredit als Aktivposten in ihren Büchern behält. An diesem Punkt haben sich die ursprünglichen $ 1000 in $ 1800 in Barvermögen und Kredit verwandelt – faktisch ist Geld im Wert von $ 800 geschaffen worden.

Wenn der Kreditnehmer die $ 800 bei einer anderen Bank einzahlt, kann diese Bank ihrerseits § 640 verleihen. Und so setzt sich der Prozeß fort und bildet dabei eine geometrische Folge von Vermögenswerten, die $ 5000 (500 % der ursprünglichen Einlage) nicht überschreiten kann, wovon $ 4000 als Aktivposten in den Büchern der jeweiligen Banken geführt werden.

Diese Praxis erscheint auf den ersten Blick bizarr und unklug, aber sie war während der Expansion unserer industriellen Volkswirtschaften absolut notwendig. Die Industrialisierung schuf Reichtum, wo zuvor keiner existierte, aber ohne einen Weg zur Ausweitung der Geldmenge, um dem zusätzlichen Reichtum zu entsprechen, wäre die Kapitalausstattung der Industrie zurückgeblieben, und das Wachstum wäre viel langsamer gewesen. Das Mindestreserve-Bankwesen ermöglichte die Vergabe von Krediten an Industrieunternehmer, und solange die Kredite umsichtig vergeben und pünktlich zurückgezahlt wurden und die Banken das Vertrauen der Sparer behielten, funktionierte das System gut.

Die Beibehaltung eines Gold- oder Silberstandards setzte der Inflation der Geldmenge eine natürliche Grenze. Solange die Banken ihre Kapitalausstattungsauflagen erfüllten und die Vorschriften für Mindestreserven einhielten, konnte die Geldmenge niemals die besagte Grenze überschreiten.

In Zeiten wirtschaftlicher Schrumpfung scheiterte das System manchmal. Dann gab es einen Run auf die Banken, und manchmal gingen Banken bankrott. Obwohl das System sich mit der Zeit immer wieder aufrichtete, wurden Unternehmen ruiniert und Individuen verarmten dabei, sodaß der politische Druck nach einem System von Kontrollen durch die Regierung unwiderstehlich war.

So wurde 1913 die Federal Reserve geboren. Die Fed ist ein Konsortium privater Banken, das eng mit der Regierung verbunden ist, und funktioniert mehr oder weniger so, wie es eine Zentralbank in vielen Ländern tun würde. Ihre Aufgabe ist die Kontrolle des Geldumlaufs durch Festlegung der Zinssätze für Regierungskredite. Durch die Stabilisierung von Schwankungen im Geldumlauf ist es die Mission der Fed, Runs auf die Banken zu verhindern. Sie ist nicht immer erfolgreich: siehe den kürzlichen Run auf Washington Mutual und deren nachfolgenden Zusammenbruch – die größte Bankenpleite der Geschichte.

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Das gegenwärtige ungeheure Regierungssystem, so weit jenseits der Größe und des Kompetenzbereiches, die sich die Gründerväter ursprünglich vorgestellt hatten, verdankt seine Entstehung dem Bürgerkrieg und Abraham Lincoln. Unter Einsatz militärischer Mittel demonstrierte Lincoln, daß die Regierung in Washington der absolute Herr der einzelnen Staaten war.

Aber mit der aufgeblähten Bürokratie ging es erst richtig los, als Woodrow Wilson sich während des Ersten Weltkrieges auf seine Autorität als Präsident berief, um Befugnisse und Funktionen des Bundes zu schaffen, die es nie zuvor gegeben hatte und die ganz zufällig in seinen progressiven Rahmen paßten.

Nicht all diese Befugnisse wurden nach 1918 aufgehoben, und Franklin Delano Roosevelt führte alles einen Schritt weiter, als er den New Deal zur Bekämpfung der Großen Depression schuf – wiederum ein Vorwand für massive progressive Intervention – und dann den Zweiten Weltkrieg.

Um 1945 war die Bundesregierung einfach „too big to fail“, und all die Schichten von Notstandsbefugnissen, die sich während der dreißig Jahre davor angesammelt hatten, wurden zu permanenten bürokratischen Institutionen. Sobald es einmal ins Leben gerufen war, wurde ein neues Programm der Bundesregierung niemals aufgegeben. Kein Kabinettsbüro ist jemals abgeschafft worden – neue können geschaffen werden, aber sie können nicht vernichtet werden; sie können einfach bestehen bleiben und wachsen.

Jahrzehnt um Jahrzehnt hat sich die Regierung fortwährend ausgedehnt, Behörde um Behörde hinzugefügt und Büro um Büro. Sie ist über den District of Columbia hinausgewuchert in Satelliten-Lehnsgüter in Maryland und im nördlichen Virginia und hat überall im Rest der Nation Nester regionaler Büros geschaffen. Wann immer ein Kongreßabgeordneter oder Senator ein wichtiges „Wählerbedürfnis“ wahrnimmt, wird eine neue Funktion der Bundesregierung geschaffen und finanziert und wird zu einem neuen Inventarstück im Washingtoner Ökosystem.

Unnötig zu sagen, daß all dies sehr teuer ist. Während der ersten etwa dreißig Jahre der Explosion der Bundesregierung reichten erhöhte Steuern aus, um die Lieblingsprojekte und progressiven Fantasien der Bundes-Mandarine zu finanzieren. Aber dann flachte der Nachkriegsboom ab, noch während die Great Society eine dickere Schicht Schmalz auf dem Regierungspudding gebot.

Erhöhte Besteuerung war nicht gut genug. Zum Pech für die Bundesregierung war es politisch unmöglich geworden, die Steuern noch viel mehr zu erhöhen, aber die innere Logik der Regierungsexpansion verlangte, daß mehr Geld gefunden werde.

An dieser Stelle kamen die Johnson slugs ins Spiel.

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Die Entkopplung des Geldumlaufs von irgendeiner Edelmetallreserve verurteilte das Land nicht automatisch zu Inflation, Verschuldung, Verschwendung und Ruin.

Wenn die einzelnen Funktionäre innerhalb des Systems ihre Aufgaben ordentlich erledigen würden – wenn sie rechtschaffen, umsichtig, mit treuhänderischer Integrität, Ehrlichkeit und im Interesse des Volkes handeln würden, dem sie angeblich dienen – dann hätte das System des Mindestreserve-Bankwesens unbegrenzt weiterbestehen können.

Aber es sind zu viele perverse Anreize in ein Banksystem eingebaut, das an keine äußere Reserve von tatsächlichem, greifbarem Wert gekoppelt ist. Durch Hinzufügen neuer Vorschriften, Stärkung existierender Prozeduren und Herumbasteln an den Arkana der Buchhaltungsterminologie konnte neuer Reichtum geschaffen werden, wo zuvor keiner existierte. Das Schatzamt konnte weiterhin Anleihen ausgeben, und solange der Preis für Milch und Schuhe nicht zu sehr stieg, nun, dann mußte doch alles in Ordnung sein, oder?

Aber es war nicht in Ordnung. Jahrzehnt um Jahrzehnt defizitärer Finanzen schufen die berüchtigte Staatsverschuldung, die beständig wuchs und wuchs. Aber, wiederum, solange die Produktivität zunahm und wie Wirtschaft weiterhin expandierte, konnte die Inflation in Schach gehalten werden. Die Staatsschulden, so riesig sie auch waren, könnten theoretisch zurückgezahlt werden – eines Tages.

Leider ist die Produktivität während der letzten zwei Jahrzehnte oder so in Wirklichkeit nicht so hoch gewesen, wie es schien. Unser nationaler Reichtum wird jetzt zumindest teilweise in Vermögenswerten angegeben, die überbewertet sind, wobei Immobilien ein relevantes Beispiel sind. Jene Hauspreise in Kalifornien – eine Million Dollars für einen winzigen Bungalow auf einer briefmarkengroßen Parzelle – mögen auf der Aktivseite einer Bilanz gut ausgesehen haben, aber sie waren kein wirkliches Geld.

Dieser Wert wurde von zynischen oder kurzsichtigen Leuten aus der Luft herbeigezaubert, die das System zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzten – in den meisten Fällen ziemlich legal. Aber der so geschaffene Reichtum war illusorisch und konnte genauso leicht verschwinden, wie er geschaffen wurde – was sogar jetzt gerade geschieht.

Der letzte Streich, der das Banksystem kaputtmachte – und es Jahre oder Jahrzehnte früher zusammenbrechen ließ, als es ansonsten der Fall gewesen wäre – war die Einmischung der Bundesregierung aus politischen Gründen.

Die Einmischung war unwiderstehlich. Und ohne einen Goldstandard, der finanzielle Zurückhaltung erzwungen hätte, war sie unvermeidlich. Geld konnte immer aus dem Nichts erschaffen werden, daher schuf die Bundesregierung welches und wies ihre Behörden an, den privaten Sektor zu zwingen, gewisse Dinge damit zu tun, Dinge, die man ansonsten als töricht oder unklug betrachten würde.

Im Fall des Fiaskos mit den Subprime-Hypotheken – dem sichtbarsten und berüchtigtsten Beispiel – schuf die Bundesregierung von ihr geschützte Kreditinstitute und zwang durch sie die Banken, Geld an Hauskäufer zu verleihen, die ansonsten nicht für die Kredite qualifiziert gewesen wären und von denen man vernünftigerweise nicht erwarten konnte, daß sie sie zurückzahlen würden.

Beginnend in den 1970ern und fortlaufend bis zum Einsturz des ganzen Kartenhauses letztes Jahr benutzte die Regierung Fannie Mae und Freddie Mac – zwei quasi-regierungseigene Kreditinstitute, die nicht an normale Marktbeschränkungen gebunden waren – um unzählige Milliarden Dollar in den Wohnbaumarkt zu pumpen. Hypothekenkredite wurden an Leute vergeben, die arm waren oder Vaginas besaßen oder schlecht Englisch sprachen oder genügend Melanin in ihrer Haut hatten – weil sie sie verdienten. Egal, ob sie sie sich leisten konnten: es war unfair, wenn sie keine Häuser besitzen würden, und so wurden die Hypothekenkredite vergeben, gedeckt vom vollen Treu und Glauben der Regierung der Vereinigten Staaten.

Die Vorschriften wurden weiter gelockert, das System wurde noch korrupter, immer mehr Geld floß durch immer mehr Hände und schuf einen ständig wachsenden Nachschub perverser Anreize für Bürokraten und Unternehmen, um zu lügen, die Regeln zu manipulieren und ihre eigenen Taschen auszupolstern.

Im Zuge dessen wuchs die Nachfrage nach Immobilien, was die Hauspreise weit jenseits dessen trieb, wie sie ansonsten gewesen wären, und schuf somit den Immobilien„boom“ – der in Wirklichkeit eine Blase war und die jetzt offiziell geplatzt ist.

In diesem Zeitraum entstanden barocke neue Vorschriften, um zusätzliche Schulden zu ermöglichen. Exotische neue Finanzderivate wurden entworfen. Buchhaltungsvorschriften für die Bewertung von Vermögenswerten wurden gelockert. Anleihenbewertungsagenturen wurden durch ihre Abhängigkeit von den Institutionen korrumpiert, deren Schulden sie bewerteten. Die Besicherung von Schulden entfernte die gehandelten Derivate immer weiter von irgend etwas, das greifbaren Wert hatte. Schuldeninstrumente wurden als Kollateral für neuen Schulden verwendet, die ihrerseits als Kollateral für noch mehr Schulden verwendet wurden, bis die Geldmenge so geschwächt und verdünnt wurde, daß sie fast keine Verbindung mit irgend etwas Realem hatte. Die gesamte komplizierte Finanzstruktur des Banksystems des Landes war aus reinsten, spekulativen Altweiberfäden gesponnen.

Und auf jeder Ebene des Prozesses machte irgend jemand einen Schnitt, daher arbeitete jeder sehr fleißig daran, den Kuchen größer zu machen.

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Um all jene wertlosen Hypothekenkredite vergeben zu können, mußte der letztendliche Garant – Uncle Sam – das Geld erschaffen, indem er es sich selber ausborgte. T-bills wurden ausgegeben, und die Käufer schnappten danach.

Viele der Kunden für Papiere der US Treasury waren ausländische Regierungen, insbesondere in Asien. Die Chinesen häuften einen großen Überschuß an Dollars an und führten sie der Wiederverwertung zu, indem sie weitere auf Dollar lautende Schuldtitel aufkauften. Solange China weiter billige Produkte herstellte und sie an uns exportierte, konnte der Prozeß weiterlaufen. Unsere Produktionskapazität wurde vermindert, und unser Geld floß aus dem Land, um chinesische Waren zu kaufen. Aber sie liehen es uns wieder zurück, sodaß wir den Bundes-Behemoth und seine verschwenderischen Gewohnheiten weiter finanzieren konnten.

Das gesamte System hängt vom Vertrauen in den Dollar ab – solange fremde Länder weiterhin glauben, daß echter Wert hinter dem Dollar steckt und daß die amerikanische Wirtschaft stark genug ist, um diesem Ausmaß an Verschuldung zu widerstehen, werden sie uns weiterhin Geld borgen und Liquidität in das System pumpen.

Aber das Vertrauen in den Dollar wird nicht anhalten. Das kann es nicht, weil all jene im Umlauf befindlichen Dollars, die in Zentralbanken überall auf der Welt als Reserven gehalten werden, nicht von genug Kollateral gedeckt sind. Die letzte Schätzung, die ich gelesen habe – was über einen Monat her ist, und die Immobilienpreise sind seither vermutlich noch weiter gefallen – nahm die Zahl der Dollars, die im Umlauf sind und überall auf der Welt als Reserve gehalten werden, mit dem dreizehnfachen Betrag der greifbaren Vermögenswerte in US-Finanzinstituten an, die sie stützen. Das heißt, wenn alle Inhaber von Dollars überall auf dem Globus beschließen würden, sie zur selben Zeit einzutauschen, müßte die Währung eine Inflation von mindestens 1300 % durchmachen, um sie einzulösen.

Das kürzliche Stimulus-Paket hinzugerechnet, übersteigt die amerikanische Verschuldung jetzt den gesamten kollektiven Reichtum jedes Mannes, jeder Frau und jedes Kindes in den Vereinigten Staaten.

Und diese Schulden sind fast gänzlich durch das Vertrauen in den Dollar besichert. Es gibt sonst nichts, das unsere Währung deckt.

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Die nationale Verschuldung ist noch alarmierender, wenn unsere nicht fundierten Verbindlichkeiten in Rechnung gezogen werden. Einer der Wege, wie aufeinanderfolgende Präsidentschaften die Defizite auf einem theoretisch beherrschbaren Niveau hielten, war, den Social Security Trust Fund „außerhalb des Budgets“ zu stellen, d. h. außerhalb dessen fiskalischer Kalkulationen. Der „Trust Fund“ ist natürlich ein Witz – es ist nichts drin außer IOUs [d. Ü.: IOUs = „I owe you“ = „ich schulde dir“, also Schuldscheine]. Das FICA-Geld, das von Ihrem Gehaltscheck einbehalten und von Ihrem Arbeitgeber eingezahlt wird, verschwindet sofort im unersättlichen Rachen der Bundesausgaben und läßt nur ein Versprechen zurück, daß Ihr Pensionsfonds für Sie verfügbar sein wird, wenn Sie soweit sind, ihn zu kassieren. Ihre zukünftige soziale Sicherheit hängt wie alles, was mit dem Bund zu tun hat, allein vom „vollen Treu und Glauben der Regierung der Vereinigten Staaten“ ab, ein Gut, dessen Wert steil abstürzt.

Eine kürzliche Schätzung nimmt die ungedeckten Verbindlichkeiten aus Social Security und Medicare – das Geld, welches das System den heutigen Bürgern laut gesetzlicher Verpflichtung irgendwann in der Zukunft zur Verfügung stellen muß – mit mehr als 100 Billionen Dollar an. Und das nur für die beiden größten Anwartschaften an die Bundesregierung – man füge die Bundespensionen hinzu, die Leistungen für Veteranen und staatliche, lokale und private Pensionen, und der Betrag der ungedeckten Verbindlichkeiten ist unvorstellbar riesig.

All jene Hunderte Billionen Dollar sind gesetzlich gefordert und müssen eines Tages ausbezahlt werden. Aber das Geld ist jetzt nicht vorhanden – woher wird es kommen?

Und das „eines Tages“ rückt schnell näher. Vieles von den ungedeckten Verbindlichkeiten wird in den nächsten paar Jahren ins Spiel kommen, wenn meine Generation, die Boomer, in Pension zu gehen und all ihre Leistungen zu beanspruchen beginnt. Deshalb sind die politischen Führer beider Parteien so scharf darauf, Pedro und Achmed ins Land zu bringen – sie suchen nach jemandem – irgend jemandem – der zur Arbeit gehen und die nötige FICA [Federal Insurance Contribution Act tax – Steuer gemäß Bundesversicherungsbeitragsgesetz] und Einkommenssteuer zahlen wird, um die Beautiful People zu erhalten, wenn sie ins betreute Wohnen ausziehen.

Aber es wird nicht funktionieren. Selbst wenn all die Einwanderer qualifiziert und arbeitswillig wären, selbst wenn die Masseneinwanderung nicht dazu verurteilt wäre, die Kultur und Bürgergesellschaft zu zerstören, die dieses gesamte Potemkinsche Dorf zusammenhält, selbst wenn der multikulturelle Traum voll verwirklicht werden könnte – selbst wenn alles andere ideal wäre, wäre das System nicht in der Lage, die Last zu bewältigen. Die Schlußfolgerung ist unausweichlich: Der Fortbestand unserer gegenwärtigen politischen Arrangements ist fiskalisch und versicherungsstatistisch unmöglich.

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Dies ist der breite Zusammenhang, in dem die gegenwärtige Finanzkrise entstanden ist.

Das System wird scheitern. Das Scheitern ist unvermeidlich. Die großen Fragen lauten:

1. Wie bald wird es scheitern?
2. Welche Form wird dieses Scheitern annehmen?
3. Wieviel innere Unruhen, Gewalt, Entbehrung und Zerstörung werden den Wechsel zu welchem auch immer neu entstehenden System begleiten?

Die groben Umrisse dessen, was kommen wird, sind bereits sichtbar. Die Bankensysteme des Westens steuern bereits auf die Insolvenz zu, und keine Menge von Rettungsgeldern wird all die großen Banken retten. Ihnen zu helfen wird nur bewirken, daß die Katastrophe aufgeschoben und schlimmer wird, wenn sie schließlich da ist. Echte Werte, die den neu geschaffenen Hilfsgeldern entsprechen, gibt es nicht, und irgendwann wird der Markt alles auf seinen wahren Wert herabsetzen und dabei ungefähr 90 % des Reichtums im System vernichten.

Eines der ersten Symptome des Zusammenbruchs wird ein Run auf den Dollar sein. Wenn das Vertrauen schließlich über einen bestimmten Punkt hinaus erodiert, werden die Spekulanten anfangen, ihre Dollars massenhaft abzustoßen, und die US-Regierung wird sich zwischen der Inflationierung der Währung und der Unfähigkeit, ihre Verbindlichkeiten zu bezahlen, entscheiden müssen.

Die Vereinigten Staaten befinden sich im Epizentrum der Bankenkrise, aber die europäischen Währungen leiden als erste darunter. Nachdem die österreichischen Banken sich der Uneinbringlichkeit der osteuropäischen Schulden gegenübersehen, könnte der Euro in Schwierigkeiten sein, und vom [Pfund] Sterling gibt es ebenfalls verbreitet Gerüchte, daß er dem Zusammenbruch nahe sei. Der Dollar hält seinen Wert relativ zu diesen Währungen (und zum Yen), aber sie alle sitzen im selben Boot. Es wird nicht lang dauern, bis die Investoren anfangen, ihre Währungsreserven abzustoßen und Zuflucht in Gold, Silber, Platin und anderen unverderblichen Gütern suchen, von deren Wert erwartet wird, daß er alles überdauert, was an Unerfreulichkeiten vor uns liegt.

Danach werden die größeren westlichen Nationen eine beispiellose fiskalische und monetäre Krise erleben. Masseninsolvenz, Bankenpleiten, eine Unfähigkeit, Zahlungsansprüche zu erfüllen, und die Aussetzung der normalen kommerziellen Aktivitäten werden die Folge sein.

Die moderne globale Wirtschaft hängt vom Massenkonsum von in der Dritten Welt produzierten Waren durch reiche westliche Nationen ab, gekauft mit Ersparnissen, die man sich von der Dritten Welt geliehen hat. Dieser Teil des Systems befindet sich bereits auf dem Rückzug – der Konsum im Westen ist dramatisch gesunken, die chinesischen Exporte sind eingebrochen, und die Chinesen signalisieren ihre Unwilligkeit, uns mehr Geld zu borgen, sofern wir nicht garantieren können, daß wir unsere Währung nicht inflationieren werden, um unsere Schulden abzuzahlen. Welche geistig gesunde Person würde solch einer Garantie glauben, selbst wenn das Schatzamt so töricht wäre, sie abzugeben? Die Inflation kommt, und das gegenwärtige System wird knirschend zum Stehen kommen.

Mit einem Wort: wir sind erledigt.

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All dies wird nicht einfach passieren. Keine der mißlichen Konsequenzen wird in einem Vakuum stattfinden, und es wird Reaktionen und Gegenreaktionen seitens der Regierungen und der Öffentlichkeit geben, die das System chaotisch und unberechenbar machen werden.

Regierungen werden weiterhin intervenieren, um den Markt zu „reparieren“, und damit werden sie die Probleme im Allgemeinen verschlimmern. Unruhen, Bürgerkriege, Aufstand und Revolution werden wahrscheinlich sein, wenn die Dauermedikation der Regierungsgelder den Empfängern in den größeren Wohlfahrtsstaaten vorenthalten wird. Viele andere negative Konsequenzen sind wahrscheinlich, aber niemand weiß, wann, wo und wieviel.

Selbst der weisesten und fähigsten politischen Führung wird es schwer fallen, in einer Weise einzugreifen, die die schlimmsten Auswirkungen mildert. Irgendwann wird der Markt die Vermögenswerte des Systems realistisch neu bewerten müssen, und die Ergebnisse werden schmerzlich sein. Die Konsequenzen können nur aufgeschoben und somit verschlimmert werden; sie können nicht vermieden werden.

Leider ist weise und fähige politische Führung überall im Westen Mangelware. Unsere Sozialdemokratien – mit ihren Wohlfahrtssystemen und ideologisch einheitlichen Medien – belohnen keine Risikoübernehmer und Visionäre. Zynische Opportunisten, Technokraten, gehorsame Funktionäre und korrupte Mittelsmänner tendieren dazu, nach oben aufzusteigen. Dies ist die Gruppe, die während des kommenden Debakels mit Besenstiel und Mülleimerdeckel die Führung übernehmen wird.

Bisher scheinen der Kongreß und die Obama-Administration entschlossen zu sein, das wirtschaftlich gesprochen Schlimmstmögliche zu tun. Mehr Schulden ins System zu pumpen, ineffiziente und unprofitable Privatkonzerne zu retten, Wahlgeschenkemacherei und Günstlingswirtschaft zu verstärken, Finanzinstitute zu verstaatlichen, korrupte und unfähige Verwalter zu belohnen, Steuern zu erhöhen, mehr Regulierung… Wieviel perverser können sie es noch treiben?

Konkursrichtern das Recht zu geben, Zinssätze für individuelle Hypotheken „anzupassen“, wird nur dazu führen, die Kreditmärkte weiter zu verzerren und den Crash viel schlimmer zu machen, wenn er schließlich kommt. Riesige Mengen öffentlicher Mittel für die Erzwingung einer Umstrukturierung privater Hypotheken zu bewilligen, ist sinnlos, wenn der Marktwert der hypothekenbelasteten Immobilien nur die Hälfte des Nennwerts jener Kredite ausmacht und schnell fällt.

Barack Obama hat in der gegenwärtigen Farce die Rolle König Knuts übernommen, der mit erhobener Hand am Ufer sitzt und der Flut befiehlt, anzuhalten. Eine armselige und vergebliche Geste, aber eine, die er und all die anderen Führer unvermeidlicherweise machen müssen. Sie haben keine anderen Lösungen.

 

King Canute

„Flut, ich befehle dir: kehr um!“

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Es gibt ein paar positive Aspekte des gegenwärtigen Schlamassels. Während die Krise reift, werden supranationale Institutionen scheitern und irrelevant werden, bevor es die Nationalstaaten tun. Einzelne Nationen werden ihre Autorität und Souveränität zurückerobern im Versuch, für die Ihren zu sorgen.

Hier in den Vereinigten Staaten haben die verschiedenen Bundesstaaten sich angesichts neuer unfinanzierter Aufträge, von Billionen Dollars an großzügigen Gaben der Bundesregierung, an die Bedingungen geknüpft sind, und Bänden voll neuer Bundesvorschriften plötzlich an den Zehnten Verfassungszusatz erinnert und berufen sich auf ihre eigene Souveränität. Dies ist alles gut, denn während der letzten sechzig Jahre oder so hat die Bundesregierung ihren effektiven Einflußbereich erweitert, indem sie den Staaten Geld vor die Nase hielten und sie dafür tanzen ließen. So wie das Geld verschwindet, wird der Tanz sein Ende finden. Ohne eine bodenlose Kassenlade ist die Bundesregierung ein armseliger Schwächling, und der Großteil der Macht wird auf die Bundesstaaten übergehen.

Ein weiteres mögliches Nebenprodukt des kommenden Finanzzusammenbruchs ist, daß sich das Problem des Islam von selbst lösen wird. Eine der Konsequenzen der Depression ist, daß die Nachfrage nach Öl dramatisch gefallen ist und der Preis jahrelang niedrig sein wird. Nicht nur werden die Scheichs viel von ihrem Einkommen verlieren, sondern viele von ihnen sind stark fremdfinanziert und kommen gerade über die Runden, während ihr Vermögen in den westlichen Finanzmärkten gebunden ist. Wie alle anderen werden sie erleben, daß der Großteil ihres Reichtums verschwindet.

Und anders als viele andere Länder haben die ölabhängigen Staaten des Nahen Ostens sonst nichts, worauf sie ausweichen können. Wenn das Ölgeld verschwindet, dann war’s das. Die gesamte Bevölkerung – Millionen Menschen auf der arabischen Halbinsel und im Iran – leben direkt oder indirekt von staatlichen Öleinnahmen.

Die Auswirkungen dessen werden bereits offensichtlich. Hunderttausende Gastarbeiter in Saudi-Arabien und in den Emiraten werden nach Malaysia, Indonesien, Nepal, Bangladesch und auf die Philippinen heimgeschickt. Diese letzteren Länder werden somit die bedauerlichen Nebeneffekte des Ölpreiskollaps erleben. Angesichts dessen, daß der Großteil ihrer restlichen Volkswirtschaft von der Produktion billiger Konsumgüter für den Westen abhängt, werden sie in ernstlichen Schwierigkeiten sein.

Falls dieser Prozeß schwerwiegend ist und lange genug andauert, könnte es leicht sein, daß Unruhen, innerer Aufstand und Revolution überall entlang des langen Halbmonds dere blutigen Grenzen des Islam Epidemien und tatsächlichem Massenhunger Platz machen, von Marrakesch bis Mindanao.

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All das Obige ist reine Spekulation.

Ich bin ein absoluter Amateur, wenn es um Ökonomie und Finanzwesen geht. Während der vergangenen drei Monate habe ich ein riesiges Volumen an Informationen gelesen und verdaut, im Versuch, die Katastrophe zu verstehen, die sich in Zeitlupe um uns herum abspielt.

Ich weiß nicht, ob meine Vorhersagen korrekt sind. Leider kann auch sonst niemand vorhersagen, was passieren wird. Die gegenwärtige Situation ist beispiellos. Sie ist inhärent instabil, chaotisch und unberechenbar. Glauben Sie niemandem, der sagt, er wisse, was nächstes Jahr passieren wird. Niemand weiß das.

Die vorläufigen Anzeichen deuten darauf hin, daß die globale Wirtschaft in Wirklichkeit mindestens seit dem Beginn der industriellen Revolution ein planetenweites Pyramidenspiel gewesen ist. Wie jedes andere Pyramidenspiel hing es von einem stetigen Zufluß neuer Trottel ab. Solange die Weltbevölkerung wuchs und die Effizienz der Industrieproduktion zunahm, konnte sich die Finanzblase weiter aufblähen.

Aber der Traum ist vorbei, und die Rechnung wird fällig. Die Blase ist geplatzt. Das Pyramidenspiel bricht zusammen. Das gesamte Finanzsystem wird bald wie ein Albanien von 1997 im Großformat werden.

Wenn das Fieber seinen Lauf genommen hat, wird ein neues System entstehen. Der Markt wird sich schließlich wieder behaupten, und Produktion und Konsum werden wieder aufgenommen werden.

Aber wieviel Schwierigkeiten und Leiden uns bevorstehen, ist schwer vorherzusagen.

Angesichts dessen, daß die Wirtschaft der Vereinigten Staaten den schwersten Schlag abbekommen wird – und den tiefsten Fall vor sich hat – wird die Ära der amerikanischen Hegemonie fast sicher innerhalb des nächsten Jahrzehnts zu einem Ende kommen. Unterm Strich wird dies für den Rest der Welt eine heilsame Sache sein. Europa wird lernen, alleine mit Rußland und dem Iran fertig zu werden. Drittweltdiktaturen werden von einem anderen Klienten Schutzgeld erpressen müssen. Die Japaner werden schnell den Wert einer Raketenabwehr und eines starken Militärs entdecken. All die Brände, die von der amerikanischen Militärmacht verhindert oder eingedämmt worden sind, werden unkontrolliert wüten, bis ihr menschlicher Brennstoff völlig verzehrt ist.

Und Amerika wird in irgendeiner Form weiterbestehen, vielleicht in mehreren Teilen, oder als lockere Konföderation, die das Herz von Jefferson Davis’ Geist erwärmen wird.

Oder vielleicht werden wir als eine einzige Nation weiterleben, viel ärmer und unfähig, Macht im Ausland zu projizieren, aber beherrscht von einer despotischen Zentralregierung, die eine Bürgerarmee aus multikulturellen Blockwarten benutzt, um die Bürgerschaft auf Linie zu halten – ein kontinentweites Kuba von einem glänzenden Meer zum anderen.

Oder vielleicht wird irgend eine andere gegenwärtig unvorstellbare Form einer Regierung und Bürgergesellschaft entstehen.

Das einzig Sichere ist, daß das System in seiner gegenwärtigen Form nicht viel länger fortbestehen kann. Die Gesetze der Ökonomie – die nichts weiter als ein mathematisches Modell sind, welches beschreibt, was geschehen muß – sagen uns, daß ein Zusammenbruch irgendeiner Art unvermeidlich ist.

Ihr werdet über die Veränderungen bald Bescheid wissen.

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Kommentare aus dem Originalstrang bei „Gates of Vienna“:

Whiskey:

Amerika hat ein As im Ärmel.

Die Goldreserven in Fort Knox.

Angenommen, der Dollar bricht wirklich zusammen, und findet nirgendwo mehr Treu und Glauben, bei niemandem, im Ausland wie im Inland?

Anders als Argentinien oder Hongkong oder andere kleine Länder, die ihre Währung an den Dollar „koppelten“, können die Vereinigten Staaten ihre Währung nicht an, sagen wir, den Euro oder Yen „koppeln“.

Aber sie können Golddollarmünzen prägen. Und eigentlich auch silberne. Die als Edelmetalle alle wirklich echten Wert haben und somit einen Boden eingebaut haben, unter den die Währung nicht reduziert werden kann.

Es kann sein, daß der Weg für China, Japan, Europa und andere Nationen, insbesondere die Vereinigten Staaten, zur Vermeidung der sicheren Inflation und einer wertlosen Währung (wegen eingebautem Bedarf der Regierung nach Defizitfinanzierung) in Edelmetallmünzen besteht.

Dies schadet auch Fälschern wie Nordkorea und Iran, die die staatlichen Druckerpressen benutzen um (wie die US Treasury behauptet) routinemäßig die US- und andere Währungen zu fälschen.

Dies hat jedoch seinen Preis. Münzen sind unhandlich, sind nicht gut zu versenden, aber es könnte leicht sein, daß eine Kombination aus Münzwährung und elektronischen Krediten, die auf der Währung beruhen, die Papierwährung erledigt, die jetzt in den meisten Nationen der Inflation unterliegt.

american redneck:

Klingt für mich ungefähr richtig, aber ich bin ebenfalls ein Amateur, was die Wirtschaft betrifft. Dies ist der interessanteste Essay, den ich seit sehr langer Zeit gelesen habe.

Ich denke, das wird sehr hässlich werden. Letztes Jahr, als es Wochen gab, in denen Benzin in meinem County schwer zu finden war, erlebte ich, wie Leute einander verfluchten und bedrohten, weil die Schlange sich nicht schnell genug weiterbewegte. Oder sie dachten, daß sich jemand vor ihnen hineingedrängelt hatte. Mein Schwager im angrenzenden County sagte, daß es sogar einen Faustkampf wegen Benzin gegeben hat. Könnt ihr euch vorstellen, wie die Leute reagieren werden, wenn alles Mangelware ist? Wieviele Leute werden in der Lage sein, auf sich gestellt zu überleben? Zum Beispiel für ihre eigene Nahrung Unterkunft und Sicherheit zu sorgen, vielleicht ohne Strom oder Geld, um irgendwas zu kaufen. Können wir uns das Chaos vorstellen?

Kauft mehr Munition.

Baron Bodissey:

Ah, Whiskey, aber da liegt der Haken – es gibt zu gegenwärtigen Preisen nicht genug Gold und Silber, um all den Dollars zu entsprechen, nicht einmal nur in den USA, ganz zu schweigen vom Besitz im Ausland.

Das bedeutet, daß, sagen wir, 80 % des Reichtums von jedermann verschwinden wird müssen. Und das ist nur ein Durchschnitt; manche werden mehr verlieren, andere weniger.

Und manche Leute, die gut positioniert sind, um die Währungsmärkte zu manipulieren – Soros fällt einem ein – werden aus dem Desaster wahrscheinlich reicher hervorgehen, so wie es 1923 in Deutschland passierte.

Aber der Preis für Gold und Silber wird weiter steil steigen, und das ist genau das Wesentliche der Inflation.

Terry Morris:

Baron, dies ist bei weitem der beste Artikel zu diesem Thema, den ich persönlich bis dato gelesen habe. Danke für die Veröffentlichung. Meisterlich gemacht, Sir!

Ich schätze, der Turm zu Babel muß irgendwann fallen.

Baron Bodissey:

Terry Morris, vielen Dank.

Ich hätte in dem Artikel erwähnen sollen, daß es wegen der Menge und Quellen meines Lesestoffs keine Links gibt – mindestens hundert Artikel, viele davon in Printmedien. Ich habe mir keine Notizen gemacht, nur gelesen und absorbiert, bis ich dachte, daß ich ein bißchen von dem Thema verstand.

Aber googelt nach ein paar der Schlüsselwörter, und ihr werden vieles von demselben Material finden wie ich.

blogagog:

Eine Frage: Der Baron sagte „Bis zum späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert verliehen die Banken ihre Barreserven an Geld der Einleger nicht.“

Wie sollte eine Bank dann Geld mit Spareinlagen machen? Zahlten die Einleger eine Gebühr für die Deponierung ihres Reichtums in der Bank oder so ähnlich?

Interessante Randbemerkung: Es gibt mehr als zehnmal so viele Goldbarren unter dem Gebäude der Federal Reserve in New York City als im ganzen Fort Knox. Leider gehören etwa 99 % davon ausländischen Regierungen.

Dan:

Ein paar Gedanken zu deinem Artikel:

Diese „notwendige“ Ausweitung der Geldmenge ist die Grundursache von Inflation, und das resultierende höhere Preisniveau führt zu mehr Steuereinnahmen. Das ist der Grund dafür, daß Produktivitätsgewinne nicht zu niedrigeren Preisen führen – die Regierung bläht die Geldmenge auf, treibt die Preise in die Höhe und zapft es dann durch progressive Steuern ab, um Schikanierungsdienste zu finanzieren.

Es ist nicht notwendig, die Geldmenge auszuweiten, da das Geld mehr wert werden kann – wir werden einfach beschissen. Es ist auch erwähnenswert, daß ohne Schuldenlast fallende Preise den Armen nutzen.

Wenn „die Entkopplung des Geldumlaufs von irgendeiner Edelmetallreserve das Land nicht automatisch zu Inflation, Verschuldung, Verschwendung und Ruin verurteilte“, dann zeig mir unbedingt die früheren Beispiele von deckungslosem Papiergeld [„fiat money“], die nicht zusammenbrachen? Was ist diesmal anders?

„Die Staatsschulden, so riesig sie auch waren, könnten theoretisch zurückgezahlt werden“ – das ist nicht möglich, denn während das Geld zur Finanzierung der Schulden mittels Mindestreservebankwesen geschaffen wird, ist das bei dem Geld zur Bezahlung der Zinsen für die Schulden nicht der Fall, und sowie die Schuld abbezahlt wird, kehrt das erschaffene Geld in den Äther zurück. Das System dehnt sich entweder durch neue Schulden aus, sodaß die Zinsen bezahlt werden können, oder es bricht zusammen. Was das Problem verschärft, ist, daß jede Zahlung für längerfristige Schulden hauptsächlich für die Zinsen draufgeht.

Es ist nicht das Subprime-Fiasko, das dies verursachte; es war bloß der Auslöser. Wenn das nicht gewesen wäre, dann hätte irgend etwas anderes es verursacht. Wir haben zwei Themen, wo den Führungskräften an der Spitze immer höhere Gehälter bezahlt werden müssen, um Spitzentalente zu halten, und die Löhne aller anderen gedrückt werden müssen, um die Kosten zu verringern. Sobald das zu unausgewogen wird, können weder deine Angestellten noch die von irgend jemand anderem sich deine Produkte leisten, und es gibt niemanden, dem man sie verkaufen könnte. Unterschätze auch nicht die Notwendigkeit, neue Leute zu finden, die neue Kredite aufnehmen, um die Geldmenge auszuweiten und den Kollaps abzuwenden.

„diese Schulden sind fast gänzlich durch das Vertrauen in den Dollar besichert. Es gibt sonst nichts, das unsere Währung deckt.“

Unter der gegenwärtigen Architektur besteht der Dollar aus Schulden und wird von der Fähigkeit der Regierung gedeckt, zukünftige Steuern einzuheben. Er wird auch durch seine relative Stärke gegen andere Währungen unterstützt. Gegenwärtig gehen alle Fiat-Währungen runter, und anders als bei den meisten anderen Ländern lauten unsere Schulden auf unsere eigene Währung.

Es sind nicht nur die Bundespensionen; die Pension Benefit Guaranty Corporation und die FDIC [Federal Deposit Insurance Corporation; seit 1933 bestehender Einlagensicherungsfonds] werden als erste in die Luft fliegen, und wahrscheinlich in dieser Reihenfolge, wobei die erste eine positive Rückkopplung für die zweite liefern wird. Es ist nicht länger das Problem zukünftiger Generationen.

„und die US-Regierung wird sich zwischen der Inflationierung der Währung und der Unfähigkeit, ihre Verbindlichkeiten zu bezahlen, entscheiden müssen.“

Sie versucht es bereits mit der Inflation. „Quantitative Lockerung“ ist Monetarisierung, und das einzige, was ihr Einhalt gebietet, ist daß das durch Mindestreserve-Kreditwesen geschaffene Geld schneller vernichtet wird, als die Fed Geld druckt, was uns eine Nettoschrumpfung der Geldmenge alias Deflation beschert. Ich glaube, wenn es ihnen wirklich gelingt, Traktion zu gewinnen, werden sie den Wert bis zum Währungs-Reset weginflationieren.

Ich bezweifle, daß die Vereinigten Staaten den schwersten Schlag abbekommen werden; wir haben vorher schon eine globalisierte Wirtschaft gehabt, und das letzte Mal kollabierte sie in den 1930ern auf nationale Währungen zurück. Während es weltweit eine massive industrielle Überkapazität gibt, gibt es keine massive Überkapazität in den Vereinigten Staaten, außer vielleicht bei der Autoproduktion und im Wohnbau. Wir werden uns wieder eine Industriebasis wachsen lassen müssen.

Entschuldigt, daß das ein wenig zusammenhanglos ist, aber es ist spät, und ich bin erschöpft.

Paul Green:

Bezüglich „Johnson slugs“: Johnson war eine Nacktschnecke [„slug“ in seiner zoologischen Grundbedeutung]. Der schlechteste Präsident aller Zeiten. Das Einwanderungsgesetz von 1965, das Waffenkontrollgesetz von 1968, der Vietnamkrieg, in den er auf verlogene Weise eintrat, etc., etc., ad nauseam.

Was Tauschmittel betrifft, vernachlässigt nicht, was der verstorbene große Jeff Cooper „ballistisches Wampum“ nannte. Eine Abhandlung dazu kann man in seinem Buch „Fireworks“ finden das bei

http://www.paladin-press.com/product/562/45

erhältlich ist.

Besser man hat es und braucht es nicht, als man braucht es und hat es nicht.

Baron Bodissey:

@ blogagog: Ja, die Banken berechneten eine Gebühr für die Aufbewahrung einer Einlage. Ziemlich wie bei einem Bankschließfach.

Baron Bodissey:

Dan, als ich sagte „die Entkopplung des Geldumlaufs von irgendeiner Edelmetallreserve verurteilte das Land nicht automatisch zu Inflation, Verschuldung, Verschwendung und Ruin“, meinte ich, daß, wenn die Leute, denen man die Verwaltung der Geldmenge anvertraute, denselben Regeln gefolgt wären, die von einem tatsächlichen Goldstandard auferlegt worden wären, Inflation und Ruin nicht das Ergebnis gewesen wären.

Mathematisch gesprochen hätte eine sorgfältige Einhaltung der Regeln die Inflation verhindert.

Dies lag jedoch jenseits der Fähigkeit bloßer menschlicher Wesen. Wir mußten den Goldstandard haben, um unsere natürliche Tendenz zu Unfug, Mißbrauch und Gier einzuschränken.

Wie so viele andere Ideologien beschloß das Ideal vom „fiat money“, die menschliche Natur zu ignorieren und aus der Existenz zu wünschen. Die Folge ist so, wie du sie beschreibst.

Hell is like Newark:

Die Vereinigten Staaten hatten früher bis zu sechs verschiedene Währungsarten. Eine, die direkt durch Gold gedeckt war, eine weitere durch Silber, eine weitere durch Gold im Besitz von Banken, und das, was wir heute verwenden (fiat money).

http://www.friesian.com/notes.htm

Afonso Henriques:

Paul Green, ich gebe dafür immer Kennedy die Schuld! :0

Snouck:

Baron Bodissey: „Ich bin ein absoluter Amateur, wenn es um Ökonomie und Finanzwesen geht.“

Snouck: Nun, wenn das dein Amateurniveau ist, dann mußt du in deinem Job wirklich beeindruckend sein, Baron!

Exzellenter Abriß.

Baron Bodissey: „Hier in den Vereinigten Staaten haben die verschiedenen Bundesstaaten sich … plötzlich an den Zehnten Verfassungszusatz erinnert und berufen sich auf ihre eigene Souveränität.“

Das ist ein besonders herrliches Schmuckstück für uns auf der anderen Seite des Teichs. Wärst du so nett, mich an weiteren Lesestoff zu verweisen?
Freundliche Grüße,

Snouck

Baron Bodissey:

Danke, Snouck.

Vor ein paar Wochen hat Dymphna hier eine Menge Recherche dafür betrieben. Folge ihren Links zwecks weiterer Information.

Dan:

Baron, wo ich es mit klarerem Kopf noch einmal lese, scheint es, als hätte ich letzte Nacht einen ziemlich schlimmen Fall von „happy to glad“-Syndrom erwischt.

Hier gibt es einen guten Hintergrundessay über den Ursprung der Fiat-Währungen und das Mindestreserve-Bankwesen.

Hier gibt es ein sehr gutes Gratis-Buch darüber.

* * * * * * *

Links:

Die Geschichte des Geldes – Teil 1 und Teil 2 von Xat.Org sowie Die Geschichte des Geldes – Teil 3 von Ellen Brown
Was ist Reichtum? von Kevin Alfred Strom,
Adam Fergussons „When Money Dies“ von Alex Kurtagic
Von der „Great Society“ zum Großen Verrat von Andrej Kievsky
Vier Szenarien für den kommenden Kollaps des amerikanischen Imperiums von Alfred W. McCoy

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Ein Kommentar

  1. Angesichts des gegenwärtigen „Government shutdown“ in Amerika gewinnt dieser schon etwas ältere Artikel ziemliche Aktualität.

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