Leopold I. – der Kaiser wider Willen

Kaiser Leopold I Gemälde

Von Heinz-Georg Hailwax aus dessen Reihe „Waffen und Leute“ im leider eingestellten Schweizer „Internationalen Waffenmagazin“ (dieser Beitrag: Ausgabe Dezember 1995)

Er komponierte, spielte Flöte, dichtete und frönte seiner Jagdleidenschaft – daß er, dem eine geistliche Laufbahn vorbestimmt worden war, dereinst als „Kaiser Leopold, der Große“ in die Geschichte eingehen würde, hätte er nie gedacht.

Wien, am 13. September 1683. Das Schießen hatte aufgehört; das Entsatzheer hatte über die Überzahl der türkischen Truppen den Sieg errungen und die Reichshauptstadt, knapp vor ihrem Fall, von der Türkengefahr befreien können.

Nicht zuletzt war dies die Leistung des Königs von Polen, Jan Sobieski, aber auch die anderen Mitglieder des Entsatzheeres hatten sich gut geschlagen. Als die Schlacht zu Ende ging, war das christliche Heer weit verstreut und befand sich in einer eher mißlichen Lage, da innerhalb der nächsten 36 Stunden die Stadt, in der sich die Leichen türmten, besetzt werden mußte.

Von einem osmanischen Heer unter dem Befehl des Großwesirs Kara Mustafa war die Stadt seit vielen Monaten belagert worden. Verteidigt von einigen Tausend Berufssoldaten, bewacht von der Bürgermiliz, abgeschnitten vom Nachschub und fast ohne Verpflegung, hatten die Wiener ausgehalten, bis das Entsatzheer von den Hängen des Saubergs herab und aus den umliegenden Wäldern herbeizog, sich durch Schanzen hindurchkämpfte, auf den Feind stürzte und in die Reihen der Türken einbrach. Mit dem Mute der Verzweiflung hatten auch die Wiener einen letzten Ausfall gewagt. Aus der Richtung des „Dreimarksteines“, von Westen her, waren dann noch die Panzerreiter („Flügelhusaren“) des polnischen Königs vorgestürmt, in ihren Rüstungen und mit befiederten Feldzeichen auf dem Rücken, und hatten mit ihrer einzigen Attacke den Ausschlag gegeben.

Leopoldsberg - Kahlenberg

Der Leopoldsberg ist ein beliebter Aussichtsberg im Wienerwald. Seit 1935 verbindet die Wiener Höhenstraße den Leopoldsberg und den benachbarten Kahlenberg. Nach dem Sieg gegen die Türken ließ Kaiser Leopold I. die von ihm gestiftete, von den Türken 1683 zerstörte Kapelle 1693 wiedererrichten und dem Heiligen Leopold weihen, woraufhin der Berg den Namen Leopoldsberg erhielt. Der Namen des benachbarten Berges – Sauberg – wurde bei dieser Gelegenheit in den passenderen Kahlenberg umgeändert.

Die Front der Moslems löste sich auf; die Türken und ihre Hilfstruppen stürzten sich blindlings in den Wienfluß und rissen in ihrer Panik auch die zur Verstärkung Herannahenden mit. Kara Mustafa selbst war geflohen, unermeßliche Kostbarkeiten und Nachschubgüter, viele Geschütze, und Munition, auch so manchen christlichen Gefangenen zurücklassend. Die Flucht kam erst in Westungarn zum Stillstand.

Reichtümer im Türkenlager

Die ungeheuren Reichtümer, die im Türkenlager aufgehäuft und offen dalagen, reizten die Gier der erschöpften Verteidiger Wiens. Innerhalb kurzer Zeit brach die Ordnung zusammen. Im Schein rasch entzündeter Fackeln, denn die Nacht war nun hereingebrochen, begannen die Soldaten, Beute zu sammeln. Dabei wurde aber auch das Pulverlager in die Luft gesprengt. Trotz der ungeheuren Explosion – die allerdings nicht viel Schaden angerichtet hatte – forschten insbesondere die Polen weiter nach Geld und Gut, töteten zurückgebliebene Türken, aßen sich – halbverhungert, wie sie waren – durch die türkischen Vorräte und stürzten sich auf die – übrigens oft christlichen  – Frauen, die noch im Lager zurückgeblieben waren. Jan III. Sobieski versuchte, sich den Löwenanteil an der Beute zu sichern. Kostbare Waffen, Pferde, Feldzeichen, Kleider, Edelsteine und Perlen, Gold, Gold und nochmals Gold fielen dem Polenkönig in die Hände, hatte doch der geflüchtete Großwesir seinen gesamten Troß und die Kriegskasse für 250.000 Mann zurückgelassen. Im Lager gab es mehr als 300 Geschütze, Belagerungsgerät und Unmengen von Vieh [Anm. D.R.: aus 208 dieser bronzenen Kanonen wurde die Pummerin gegossen; siehe Zum Jahreswechsel: Was die Pummerin uns sagt].

Wegen der Plünderung des Türkenlagers wurde die einzigartige Gelegenheit versäumt, den Flüchtenden nachzusetzen und die Türkengefahr für lange Zeit zu beseitigen. Doch es spielten noch andere Gründe mit. Das Entsatzheer hatte stundenlang gekämpft; sowohl im Dickicht der Uferwälder als auch an den Donauufern, vor den Mauern der Stadt und in den Niederungen. Die Männer waren einfach erschöpft. Das Lagergebiet war von den vielen Toten – man schätzt heute, es wären allein auf türkischer Seite an die 30.000 Mann gewesen – überhäuft.

Inzwischen war auch das städtische „Bergungskommando“ zur Stelle. Viele Tausend Schilde, Musketen- und Pistolenkugeln, Geschütze, 1000 Zentner Schießpulver sowie tausende Bagagewagen, die man zum Abtransport der Beute wie zur Wegschaffung der Leichen benutzte, waren der Ertrag.

Jetzt begannen auch die Spannungen und Streitereien zwischen den Verbündeten zu wachsen. Karl V. von Lothringen, aber auch die Wiener beneideten die plündernden Polen, denn während es den Kaiserlichen verboten war, die Türkenbeute zu berühren, taten sich die Polen keinerlei Zwang an. Und König Jan III. Sobieski wollte auch nicht warten, bis der Kaiser, Leopold I., an Bord seines Leibschiffes in Wien eintraf. Er sah sich als den eigentlichen Sieger über die Türken an. Deshalb zog er zuerst in Wien ein, besuchte verschiedene Kirchen der Stadt und hörte die Messe bei den Augustinern. Als er dort mit voller Stimme das Tedeum intonierte, beging er einen in den Augen der damaligen Welt ungeheuren Fauxpas: Die Intonierung des Tedeums  stand allein dem Kaiser zu. Dennoch waren die Bürger Wiens dem Polenkönig dankbar, küßten ihm die Hände und empfingen ihn im Rathaus. Am nächsten Tage traf Kaiser Leopold I. in Wien ein, ritt über einen schnell zusammengezimmerten Holzsteg in die Stadt, hörte die Messe und sang „sein“ Tedeum. Da der „Leopoldinische Trakt“ der Hofburg schwer zerstört war, nahm er in der „Stadtburg“ Quartier.

Jan III Sobieski und Leopold I in Schwechat

Jan III. Sobieski und Leopold I. in Schwechat

Beleidigung statt Dankbarkeit

Dort vernahm der Herrscher erzürnt die „Forderungen“ der Polen, deren Attacke die Schlacht zwar entschieden hatte, die dabei jedoch von den verbissenen Kämpfen der Kaiserlichen in den Gräben um die Stadt profitierten, welche die Türken wesentlich geschwächt hatten. Die Kaiserlichen hatten dafür einen hohen Blutzoll zahlen müssen.

Sobieski wollte für seinen 14jährigen Sohn Jakob die Hand der Kaisertochter Maria Antonia, sowie – sozusagen als Mitgift – gleich die ungarische Krone dazu. Als der Kronprinz Jakob dem Kaiser am nächsten Tag vorgestellt werden sollte, ignorierte ihn Leopold I. völlig. Sobieski zog daraufhin beleidigt und verbittert – aber unter Mitnahme der wohl größten Beute, die in den Türkenkriegen gemacht worden war – ab.

Als Leopold I. aus dem nahezu unbewohnbaren Wien abreiste, um bis auf weiteres in Linz seine Residenz aufzuschlagen, belohnte er den Stadtverteidiger, Ernst Rüdiger Graf Starhemberg, mit 100.000 Reichstalern (nach heutiger Umrechnung etwa 40.000 Franken), schenkte ihm einen kostbaren Ring und den tapferen Regimentern von Wien eine hohe Sondergratifikation.

Polen sowie Bayern und Österreicher verfolgten die Türken bis nach Ungarn hinein und eroberten Gran. Der türkische Großwesir, der vorerst einmal alle Kampfgefährten (und Mitwisser über sein taktisches Versagen) hatte enthaupten lassen, entging dennoch seinem eigenen Schicksal nicht: Auf Befehl Sultan Mehmed IV. wurde er in Belgrad mit einer Bogensehne erdrosselt.

Kaiser Leopold I. sah sein Gottvertrauen und seine Berufung als „Herrscher von Gottes Gnaden“ durch das abrupte Ende des Türkenkrieges wieder einmal bestätigt. Er allein von allen hatte es vorausgesehen und erwartet.

Wer war nun dieser unscheinbare, stets in Schwarz gekleidete Mann, der rote Strümpfe und Schnallenschuhe trug und dessen Kopf von einer riesigen schwarzen Allongeperücke bedeckt war? Er sah aus wie ein Narr, berichtete ein Zeitgenosse, „das hässliche Gesicht hatte einen riesigen Unterkiefer, sodaß sein Mund stets offenstand. Das Bärtchen und Kinnbärtchen, das er trug, konnte die unhübschen Züge nicht mildern“. Doch das Aussehen täuschte. Leopold I. war keineswegs ein Narr, sondern ein sehr gebildeter, musisch talentierter Mann. Er war am 9. Juni 1640 als Sohn des Kaisers Ferdinand III. und dessen Gattin Maria Anna von Spanien, einer Schwester des Königs Philipp IV., zur Welt gekommen. Da sein älterer Bruder der Thronfolger war, sollte der junge Erzherzog Leopold Ignatius Geistlicher werden, was durchaus seinen Intentionen entsprach. Er fühlte sich zum Herrscher weder geeignet noch auserkoren. Seine Erziehung wurde vom Jesuiten Philipp Miller, einem anerkannten Naturphilosophen, ganz in diese Richtung gelenkt. Doch bereits im Jahre 1646 verstarb Leopolds Mutter, was Ferdinand III. in tiefste Depressionen und in Lethargie versetzte, bis er, noch im besten Mannesalter von 49 Jahren, 1657 plötzlich selbst verstarb. Leopolds Bruder, der Thronfolger, war bereits drei Jahre früher – an den Pocken – verstorben, und viele meinten, dem Kaiser sei einfach das Herz gebrochen.

Der Thron stand nun verwaist, und die Nachfolgediskussion führte zu einem heftigen Familiendisput, den jedoch wider Erwarten der unscheinbare Erzherzog Leopold für sich entschied. Er hatte immer noch kein Verlangen nach dem Thron, aber erfühlte sich „der Pflicht verbunden“ und „von Gott berufen“. Nach gespannten internen Auseinandersetzungen und monatelangen Verhandlungen des Kurfürstenkollegiums in Frankfurt war es soweit: Erzherzog Leopold Ignatius wurde im Juli 1658, in seinem 18. Lebensjahr, zum Kaiser gewählt und am 1.8.1658 in Frankfurt gekrönt.

Der 18jährige Kaiser

Leopold I. übernahm ein nach dem Ende des 30jährigen Krieges darniederliegendes, ausgeblutetes, wirtschaftlich fast vernichtetes Reich. Schon um 1660, kaum zwei Jahre nach seinem Amtsantritt, kam es zu einer Notstandssituation im Osten. Die Ungarn standen gegen die blutige Türkenherrschaft auf, und es dauerte nur wenige Jahre, bis die Osmanen unter Achmed Köprülü mit einem riesigen Heer gegen Westen zogen. Doch verfügte das Reich mit dem Grafen Raimondo Montecuccoli über einen fähigen Kriegsherrn, so daß in der denkwürdigen „Regenschlacht“ von St. Gotthard an der Raab [D.R.: bei Mogersdorf] die Türken vernichtend geschlagen wurden.

An der Ostgrenze sicherte nun ein teuer erkaufter Waffenstillstand (der „Friede“ von Vásvar/Eisenburg) dem Reich 20 Jahre lang mehr oder weniger die Ruhe.

Doch an der Westgrenze standen nach den „Raubkriegen“ Ludwig XIV. immer noch Franzosen gegen den österreichischen Kaiser; Ludwig wollte sich die habsburgischen Niederlande einverleiben und unterstützte die Türken gegen Leopold I. Er hetzte auch die Ungarn auf und unternahm alles, was den Habsburgern schaden konnte, fürchtete er doch eine „Umzingelung“ durch das Habsburgerreich. Als Leopold I. im Jahre 1666 die 16jährige spanische Prinzessin Margaretha heiratete, sah Ludwig XIV. seine Befürchtungen untermauert. Noch dazu hatte Leopold I. das reiche Tyrol geerbt und einen Geldbetrag von einer Million Gulden dazu erhalten. Leopold I., ständiger Messebesucher, strenggläubig und von seiner Berufung überzeugt, sah auch dies als göttliche Fügung an, konnte er doch damit seine Kriegsschulden zahlen. Sein Privatleben war jedoch eine einzige Katastrophe: zwischen 1667 und 1673 starben seine drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, und nachdem Leopold I. selbst eine schwere Krankheit überwunden hatte, verstarb auch seine erst 23jährige Frau Margaretha. Politisch konnte Leopold I. in dieser Zeit zwar durch Verträge seinen Krieg am Rhein finanziell absichern, auch den Ungarnaufstand mit Sporcks Hilfe zerschlagen, doch hatte er, der Erzkatholik, Skrupel, da er sich mit England und Holland gegen Frankreich verbünden mußte, um den „allerchristlichsten“ Landräuberkönig in Schach zu halten.

1673 ging Leopold I. eine zweite Ehe ein, doch auch diese stand unter einem schlechten Stern: Seine Frau, die 20jährige Claudia Felicitas von Tyrol, verstarb bereits drei Jahre nach der Heirat, nachdem sie zwei Töchter zur Welt gebracht hatte, die ebenfalls früh starben.

Leopold I. hatte weitere schwere Jahre vor sich. In den Kriegen an der „Westfront“ hatte zwar 1674 der Reichstag Frankreich den Krieg erklärt, doch der geniale Feldherr Turenne konnte die kaiserlichen Truppen vom Rhein vertreiben. Montecuccoli konnte Turenne zwar ausmanövrieren, doch war der Feldzug erst zu Ende, als Turenne bei Saßbach durch eine Falkonettkugel getötet wurde. Leopold I. sah darin einen Fingerzeig Gottes.

Doch nun brach in Ungarn die Pest aus und erreichte 1679 auch Wien. Viele Wiener flohen, und auch Leopold I. verließ die Stadt. Er verlegte seine Residenz nach Prag, doch in Böhmen tobte ein Bauernaufstand, dem Leopold I. erst Einhalt gebieten mußte. 1682 wurde die Türkengefahr jedoch so groß, daß Leopold I. mit dem Polenkönig Jan III. Sobieski und dem Papst Innozenz XI., einem Kämpfer und Reformer, die „Heilige Allianz“ abschloß, welche der Selbstverteidigung diente.

Als Wien eingeschlossen wurde, konnte die Allianz tatsächlich 60.000 Mann an Reichstruppen und 40.000 Mann aus Polen stellen, die allesamt vom Papst mit 500.000 Gulden an Rüstungskosten („Kreuzzugsgelder“) abgesichert wurden. Nach der Rettung Wiens wurde von 1683 bis 1688 Ungarn befriedet, die dabei verübten Grausamkeiten sollten der einzige „schwarze Fleck“ auf Leopold I. ansonsten weißer Weste sein. Der Tököly-Aufstand wurde blutig niedergeschlagen, die Ungarn durch die Sondergerichtshöfe des „Bluthundes“ Caraffa verfolgt, bis Leopold I. diese Gerichtshöfe verbot. Infolge einer Janitscharenmeuterei war das Osmanenreich in Aufruhr, so daß sich die Türken bis Belgrad, das 1688 erobert wurde, zurückzogen.

Verwirrende militärische Konstellationen

Leopold I. heiratete 1676 zum dritten Mal. Eleonore von der Pfalz gebar ihm zwei Söhne und vier Töchter, so daß die Dynastie gesichert schien. 1688 setzte er durch, daß sein ältester Sohn, Erzherzog Joseph, zum König von Ungarn gekürt wurde. Doch besetzte darauf Ludwig XIV. mit seinen Truppen die Pfalz und alle rheinischen Kurfürstentümer. Doch diesmal hatte Leopold I. Glück im Unglück: 1690 war zwar Karl von Lothringen verstorben, und auch der begabte Kanzler Stratmann war 1693 in die Ewigkeit eingegangen, doch trat nun in der Gestalt des Prinzen Eugenio de Savoy jene Führergestalt des „Ersten österreichischen Heldenzeitalters“ ins Licht der Geschichte, die Leopold I. bitter nötig hatte.

1697 war es Ludwig XIV. zwar gelungen, die Koalition gegen sich zu spalten, und es mußte der Friede in Schloß Niewburg bei Rijswijk geschlossen werden. Doch im Osten folgte Sieg auf Sieg; der junge Prinz Eugen siegte bei Zenta gegen die Türken, übernahm das Oberkommando un Ungarn, und der 1698 geschlossene Friede von Karlowitz sicherte (bis 1918!) die Grenzen.

Bald darauf brach jedoch der Spanische Erbfolgekrieg aus, in welchem die schließlich zu Reichsfürsten ernannten Feldherren Prinz Eugen und der Herzog von Marlborough triumphale Leistungen erbringen sollten.

Leopold I. hatte sich inzwischen immer mehr zurückgezogen; de facto hatte er den Hof bereits an den Thronfolger, Erzherzog Joseph, übergeben. Der hochgebildete Kaiser, der neben Deutsch fließend Latein, Italienisch und Spanisch sprach, sich für Statistik interessierte und heute wohl als „Technikfreak“ bezeichnet würde, war neben seiner Stubengelehrsamkeit auch ein exzellenter Reiter und Jäger. Er war auch ein guter Schütze und handwerklich begabt. Seine große Liebe galt der Musik, und noch heute werden seine Kompositionen aufgeführt. Er schrieb unzählige Arien, Oratorien, Requiemmessen, aber auch Komödien und Intermezzi.

Dem Barocktheater und der Barockoper hingegeben, liebte der sonst so nüchterne Mann gewaltige und technisch ausgeklügelte Bühnenbauten und –bilder und war auch ein eifriger Stückeschreiber. Er war natürlich fromm und ein ständiger Messebesucher, doch er überließ oft Gott die Entscheidungen. Er vertraute auf das Gebet, anstatt Krisenlösungen anzustreben.

Er führte sein Leben lang Tagebücher, doch die Entschlüsselung seiner Aufzeichnungen ist bis heute nicht oder nur zu kleinen Teilen geglückt, aus Geheimhaltungsgründen schrieb er seine Eintragungen in einer undefinierbaren Mischung verschiedener Sprachen, ohne Syntax und mit Geheimzeichen durchsetzt.

Im Mai 1705 spürte Leopold I., daß sich sein Leben dem Ende zuneigte. Er vollzog nun auch de iure die Hofübergabe an seinen Sohn, richtete selbst sein Begräbnis aus und schickte schließlich, in Atemnot, nach seinem Beichtvater. Am frühen Nachmittag des 5. Mai 1705, bei vollem Bewußtsein, nahm er Abschied von seiner Familie, legte sich hin und starb. Der Kaiser, der sein Amt stets als Pflichterfüllung und nie als Möglichkeit zur Selbstverwirklichung aufgefaßt hatte, sollte in die österreichische Geschichte als Leopold I., „der Große“, der „Türkenkaiser“ eingehen.

(Gefunden: hier)

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