Wie die Moslems nicht die Algebra erfanden

Zitadellhügel, Amman, Jordanien

Von Enza Ferreri; Original: How Muslims Did Not Invent Algebra, erschienen am 6. August 2013 auf Gates of Vienna.

Übersetzung: Lucifex

Vorwort von Baron Bodissey: Enza Ferreri hakt zu ihrem vorherigen Artikel über die überzogenen Behauptungen bezüglich islamischer Beiträge zur Wissenschaft nach und behandelt diesmal das Thema Islam und Mathematik, spezifisch Algebra.

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Wie die Moslems nicht die Algebra erfanden; von Enza Ferreri

Um das Thema fortzusetzen, was Moslems für die Welt taten — oder wahrscheinlicher nicht taten: es gibt eine weitverbreitete Fehlannahme, dass sie „die Algebra erfanden“. Vielleicht kommt dieser Irrtum davon, dass „Algebra“ ein Wort arabischen Ursprungs ist, aber historische Fragen werden nicht durch etymologische Antworten geklärt.

Ja, das Wort „Algebra” leitet sich vom Arabischen ab. Genauso „Zucker“ (vom arabischen „sukkar“), aber das bedeutet nicht, dass Moslems den Zucker erfanden.

Das Wort „Algebra“ stammt vom arabischen Wort „al-jabr”, vom Namen der Abhandlung „Buch über die Addition und Subtraktion nach der Methode der Inder“, das vom persischen Mathematiker Muhammad ibn Musa al.Khwarizmi im 9. Jahrhundert geschrieben wurde, der alte indische und griechische Werke übersetzte, formalisierte und kommentierte.

Es ist sogar zweifelhaft, ob al-Khwarizmi wirklich ein Moslem war. Der Wikipedia-Eintrag über ihn besagt:

Bezüglich al-Khwārizmīs Religion schreibt Toomer:

„Ein weiterer Beiname, den al-abarī ihm gibt, „al-Majūsī“, scheint darauf hinzudeuten, dass er ein Anhänger der alten zoroastrischen Religion war. Dies wäre zu dieser Zeit für einen Mann iranischer Herkunft immer noch möglich gewesen, aber das fromme Vorwort von al-Khwārizmīs Algebra zeigt, dass er ein orthodoxer Moslem war, daher könnte al-abarīs Beiname nichts weiter bedeuten, als dass seine Vorfahren, und vielleicht er in seiner Jugend, Zoroastrier gewesen waren.

Aller Wahrscheinlichkeit nach war er ein Zoroastrier, der von den moslemischen Herrschern gezwungen wurde zu konvertieren (oder zu sterben), weil Persien von den islamischen Armeen erobert worden war und es das war, was Moslems taten (und immer noch tun, wo immer sie können). Das könnte leicht das „fromme Vorwort von al-Khwārizmīs Algebra“ erklären.

Wikipedia sagt auch:

Im Europa der Renaissance wurde er [al-Khwārizmī] als der ursprüngliche Erfinder der Algebra betrachtet, obwohl man jetzt weiß, dass seine Arbeit auf älteren indischen oder griechischen Quellen beruht.

Es gibt archäologische Beweise, dass die Wurzeln der Algebra auf die alten Babylonier zurückgehen und dann in Ägypten und Griechenland entwickelt wurden. Die Chinesen und insbesondere die Inder brachten die Algebra ebenfalls voran und schrieben bedeutende Werke zu dem Thema.

Der alexandrinisch-griechische Mathematiker Diophantos (3. Jahrhundert n. Chr.), der manchmal „Vater der Algebra“ genannt wird, schrieb eine Reihe von Büchern, genannt Arithmetica, die sich mit der Lösung algebraischer Gleichungen befassten. Ein weiterer hellenistischer Mathematiker, der zum Fortschritt der Algebra beitrug, war Heron von Alexandria, wie auch der Inder Brahmagupta in seinem Buch „Brahmasphutasiddhanta“.

Mit dem Italiener Leonardo Pisano (genannt Leonardo Fibonacci, da er der Sohn von Bonacci war) im 13. Jahrhundert, einem weiteren italienischen Mathematiker, Girolamo Cardano, der 1545 das aus 40 Kapiteln bestehende Meisterwerk „Ars magna“ („Die große Kunst“) schrieb, und dem französischen Mathematiker François Viète des späten 16. Jahrhunderts bewegen wir uns von der Prähistorie der Algebra zum Beginn der klassischen Disziplin der Algebra.

Sogar Bertrand Russell, der in keiner Weise ein Kritiker der islamischen Welt ist, schreibt im zweiten Band von The History of Western Philosophy [pdf]:

Die arabische Philosophie ist als originelles Denken nicht bedeutend. Männer wie Avicenna und Averroes sind im wesentlichen Kommentatoren. Allgemein gesprochen stammen die Ansichten der spezifischeren Philosophen von Aristoteles und den Neuplatonikern in Logik und Metaphysik, von Galen in der Medizin, aus griechischen und indischen Quellen in der Mathematik und Astronomie, und unter den Mystikern hat die Religionsphilosophie ebenfalls eine Beimengung altpersischer Glaubensinhalte. Arabisch schreibende Autoren zeigten etwas Originalität in Mathematik und Chemie – im letzteren Fall als Nebenergebnis alchemistischer Forschungen.

Die mohammedanische Zivilisation in ihrer großen Zeit war in den Künsten und auf viele technische Arten bewundernswert, aber sie zeigte keine Fähigkeit zu unabhängiger Spekulation in theoretischen Angelegenheiten. Ihre Bedeutung, die nicht unterbewertet werden darf, ist die eines Übermittlers. Zwischen die antike und die moderne europäische Zivilisation geriet das Dunkle Zeitalter. Die Mohammedaner und die Byzantiner bewahrten, während ihnen die für Innovation erforderliche intellektuelle Energie fehlte, den Apparat der Zivilisation – Biklund, Bücher und gelehrte Muße. Beide stimulierten den Westen, als er aus der Barbarei hervorging – die Mohammedaner hauptsächlich im dreizehnten Jahrhundert, die Byzantiner hauptsächlich im fünfzehnten. In jedem Fall brachte die Stimulation neues Denken hervor, das besser war als alles, was von den Übermittlern hervorgebracht worden war – im einen Fall die Scholastik, im anderen Fall die Renaissance (die jedoch auch andere Ursachen hatte).

Sie können erkennen, dass es eine krasse Fehldarstellung ist zu sagen, dass die Moslems die Algebra erfunden hätten oder deren Pioniere gewesen seien.

Zum Abschluss sei gesagt, dass es bezüglich der islamischen Beiträge zur Welt verschiedene Versuche des Geschichtsrevisionismus gegeben hat. Diese Versuche sind mehr politische Propaganda als akademische Wissenschaft. Immerhin ist Taqiyya, das Belügen der Ungläubigen zur Förderung von Allahs Sache, für Moslems erlaubt und sogar geboten. Der Dschihad besteht nicht nur aus gewalttätiger Aggression oder Terroranschlägen: er kann allmählich, heimlich, durch Indoktrination und falsche Beteuerungen erfolgen.

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Enza Ferreri ist eine gebürtige Italienerin und Autorin mit einem Abschluss in Philosophie, die in London lebt. Sie bloggt auf www.enzaferreri.blogspot.co.uk.

Andere Artikel von ihr siehe unter Enza Ferreri Archives.

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