Massaker, Studien über Schusswaffenkontrolle und gesellschaftliche Veränderung

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Von Enza Ferreri; Original: Massacres, Gun Control Studies and Social Change, erschienen am 16. Februar 2013 auf Gates of Vienna.

Übersetzung: Lucifex

Ich habe die Debatte in den Vereinigten Staaten über Schusswaffenkontrolle von außerhalb genau verfolgt, und als Europäerin versuche ich, daraus schlau zu werden, weil ich weiß, dass das, was auf dem Spiel steht, nicht nur das Waffengesetz ist, sondern auch die amerikanische Verfassung mit dem, was sie als die historisch wichtigste Erklärung der Menschenrechte und Freiheiten repräsentiert, die gegen die Macht des Staates abgesichert werden sollen; die dornigen Themen der kaputten Familien und wie man die Geisteskranken behandeln soll; und sogar die immer kontroverse Frage von Rasse und Bandengewalt.

Ich habe nie im Leben eine Schusswaffe gesehen, außer im Fernsehen und in Filmen. Ich wuchs in einem sehr waffenfeindlichen Umfeld in Norditalien auf. Fast jeder, einschließlich der Leute, die politisch Mitte-rechts standen, wie meine Familie, glaubte, dass gewöhnliche Bürger keine Schusswaffen haben sollten und dass Amerika strengere Waffengesetze bräuchte.

Dies ist mehr oder weniger das, was auch ich glaubte, bis ich zu erkennen begann, wie freiheitsfeindlich und despotisch unsere westlichen Regierungen in Wirklichkeit sind, etwas, das ich zuvor nicht begriffen hatte. Das ließ mich erst einmal einen besseren Blick auf die Bedeutung des Zweiten Verfassungszusatzes werfen.

Hier gibt es einen klassischen Konflikt von Emotion gegen Vernunft. Viele von uns haben eine instinktive Abscheu vor Waffen, daher glauben wir, je weniger, desto besser, aber bei genauerer Untersuchung könnten die Dinge anders liegen.

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Wenn etwas Traumatisches wie das Massaker von Newtown geschieht, dann ist die normale menschliche Reaktion, Mittel zur Kontrolle zu finden, damit wir uns beruhigt fühlen, dass es nicht wieder passieren wird. In mancher Weise ist dieses Bedürfnis nach Kontrolle nicht unähnlich den Ritualen und Zwängen, die von einem Zwangsneurotiker vollführt werden, die nicht auf Realität und Vernunft beruhen müssen, solange sie die Macht haben, die Angst zu lindern.

Ich denke, dass so etwas jetzt in kollektivem Maßstab in Amerika geschieht.

Die Vorstellung, dass weniger Schusswaffenkontrolle zu mehr Schusswaffen führt, und dass mehr Schusswaffen zu mehr Morden führen, ob mehrfach oder nicht, ist nicht so sehr einfach als simplistisch. Einfach ist das, was sich mit dem Problem befasst; simplistisch ist, was ihm ausweicht.

Der Grund, warum ich das sage, ist, dass es trotz der unmittelbaren intuitiven Natur (zusammen mit Wunschdenken) der These, dass mehr Schusswaffenkontrolle die Gewaltkriminalität reduziert, absolut keine Beweise gibt, die sie stützen.

Und nicht, weil man nicht versucht hätte, welche zu finden.

Eine der von Präsident Obama initiierten 23 „executive actions” ist ein Präsidentenmemorandum, welches das Department of Health [Gesundheitsministerium] über die Seuchenkontroll- und –verhütungszentren und andere wissenschaftliche Stellen anweist, „Forschungsarbeiten über die Ursachen von Schusswaffengewalt und Wege zu deren Verhinderung durchzuführen oder zu fördern“.

Etwas Ähnliches ist bereits von einem von Obamas Vorgängern im Weißen Haus, Jimmy Carter, getan worden. Weil sie Beweismaterial für ein neues umfassendes Waffenkontrollgesetz zusammentragen wollte, gab die Carter-Administration 1978 eine große wissenschaftliche Studie in Auftrag, die, wie sie annahm, zum Schluss kommen würde, dass Gesetze zur Schusswaffenkontrolle die Kriminalität verringern.

Carter vergab bedeutende Forschungsmittel an den Soziologieprofessor James D. Wright von der University of Massachusetts und seine Kollegen Peter Rossi und Kathleen Daly, alle hochangesehene Soziologen. Dies war die umfassendste Studie über Schusswaffenkontrolle, die je unternommen wurde, und resultierte in einer dreibändigen Arbeit, „Under the Gun“.

David Kopel, Forschungsdirektor des Independence Institute und Mitautor des rechtswissenschaftlichen Lehrbuches „Firearms and the Second Amendment“, erläutert:

Wright und seine Kollegen wurden gebeten, den Stand der Forschung bezüglich der Wirksamkeit von Schusswaffenkontrolle zu untersuchen, vermutlich um zu zeigen, dass Schusswaffenkontrolle funktionierte und dass Amerika mehr davon bräuchte. Aber als die Forscher 1982 ihren Bericht für das National Institute of Justice produzierten, lieferten sie ein Dokument ab, das sich sehr von dem unterschied, das sie zu schreiben erwartet hatten. Bei sorgfältiger Überprüfung aller existierenden Forschungsarbeiten fanden die drei Wissenschaftler keinen überzeugenden wissenschaftlichen Beweis, dass Amerikas 20.000 Waffengesetze die Gewaltkriminalität verringert hatten. Zum Beispiel hatte das Bundeswaffengesetz von 1968, das die meisten Schusswaffenverkäufe über Bundesstaatsgrenzen hinweg verbot, keine erkennbare Auswirkung auf den kriminellen Erwerb von Schusswaffen aus anderen Bundesstaaten. Washington, D.C.s Verbot des Besitzes von Faustfeuerwaffen, die nicht bereits im Distrikt registriert worden waren, war mit keiner Verringerung der Schusswaffenkriminalität verbunden. Sogar bei Detroits Gesetz, das verpflichtende Urteile für Straftaten vorsah, die mit einer Schusswaffe begangen werden, wurde herausgefunden, dass es keine Wirkung auf Schusswaffen-Verbrechensmuster hatte, teilweise weil die Richter oft die Urteile für die zugrunde liegenden Straftaten reduzierten, um die verbindliche zweijährige Zusatzstrafe für die Verwendung einer Schusswaffe auszugleichen.

Professor Wright fasste die Schlussfolgerungen der Forschungsarbeit so zusammen: „Waffengesetze reduzieren die Kriminalität nicht.“ Kopel sagte: „Wie die Wissenschaftler freimütig zugaben, hatten sie ihre Forschungen als Befürworter von Schusswaffenkontrolle begonnen und waren durch eine sorgfältige Überprüfung der Beweislage zur Änderung ihrer Meinung gezwungen worden.”

Ein weiterer Meilenstein der Forschung zu dem Thema war eine Studie von 2003, die die Wirkung des Bundesverbots von Sturmgewehren beurteilte, eines 1994 in Kraft gesetzten und 2004 ausgelaufenen Bundesgesetzes für ein 10jähriges Verbot sogenannter „Sturmgewehre“ – derselben, für die jetzt von Waffenkontrollverfechtern ein Verbot gefordert wird -, die von den Zentren für Seuchenkontrolle und –verhütung durchgeführt wurde. Sie fand „ungenügende Beweise zur Bestimmung der Wirksamkeit irgendwelcher Gesetze über Feuerwaffen, die zur Verhinderung von Gewalt untersucht wurden.“

Firearms and Violence: A Critical Review des National Research Council überprüfte über 200 Artikel in Journalen, 99 Bücher und 43 Publikationen der Regierung, die die Auswirkung von 80 Maßnahmen zur Schusswaffenkontrolle bewerteten. Es war nicht in der Lage, empirische Beweise zu finden, dass restriktive Gesetze und Vorschriften über Feuerwaffen Gewaltverbrechen, Selbstmorde oder Unfälle verringerten. Es bemerkte, dass akademische Studien des Sturmgewehrverbots „keine deutlichen Auswirkungen auf die Schusswaffengewalt enthüllten“ und merkte an: „wegen der Tatsache, dass die relative Seltenhait, mit der die verbotenen Waffen vor dem Verbot bei Verbrechen verwendet wurden… der maximale potentielle Effekt des Verbots auf die Schusswaffengewalt sehr klein sein würde…“.

Eine weitere Studie, die die Wirkung des Verbots von 1994 – 2004 auf Schusswaffenmärkte und Schusswaffengewalt bewertete, durchgeführt von den Wissenschaftlern des Jerry Lee Center of Criminology an der University of Pennsylvania und finanziert vom US-Justizministerium, fand heraus:

Sollte es erneuert werden, werden die Auswirkungen des Verbots auf die Schusswaffengewalt wahrscheinlich bestenfalls klein und vielleicht zu klein für eine zuverlässige Messung sein. Sturmgewehre wurden selbst vor dem Verbot selten bei Schusswaffenverbrechen benutzt. Magazine mit großer Kapazität sind an einem größeren Anteil der Verbrechen mit Schusswaffen beteiligt, aber es ist nicht klar, wie oft das Ergebnis von Angriffen mit Schusswaffen von der Fähigkeit der Täter abhängt, mehr als zehn Schüsse abzufeuern (das [zur Zeit des Verbots] gegenwärtige Limit für die Magazinkapazität), ohne nachzuladen.

Nicht zufällig wurde das bundesweite Sturmgewehrverbot nach seinem Auslaufen im September 2004 nicht erneuert.

In den späten 1980ern wurden in Orlando, Florida, 33 Frauen in nur 9 Monaten vergewaltigt. Die Zeitung „Orlando Sun Sentinel“ und die Polizei boten einen sehr gut publik gemachten Sicherheitskurs für Feuerwaffen an.

Jeder wusste, dass es in Orlando 6.000 Frauen gab, die Faustfeuerwaffen besaßen und sie zu gebrauchen wussten. Das Ergebnis war, dass es im folgenden Zeitraum von neun Monaten nur drei Vergewaltigungen gab. Zusätzlich ging die Kriminalität allgemein zurück. Tatsache ist, dass Orlando die einzige U.S.-Stadt mit einer Bevölkerung von über 100.000 war, in der es in diesem Jahr eine Verringerung der Kriminalität gab.

In Wirklichkeit ist es nicht nur Orlando, das eine dramatische Abnahme der Verbrechen erlebte. Nach Floridas Gesetz von 1987 über das Recht, Waffen zu führen, gingen die Raten für Mord, Mord mit Feuerwaffen und Mord mit Faustfeuerwaffen alle zurück. Acht von Floridas 10 größten Städten erlebten von 1987 bis 1995 drastische Rückgänge der Mordraten… Miami Beach kam um unglaubliche 93 Prozent herunter.

Gegner von Floridas Gesetz, das das Führen von Waffen erlaubt, behaupteten, ihr Staat würde als der „Gunshine State” bekannt werden. Aber die tatsächliche Erfahrung des letzten Vierteljahrhunderts (mit Stand Mitte 2011 hat Florida insgesamt 2.031.106 Genehmigungen zum verdeckten Waffentragen ausgegeben) beweist, dass Floridas bahnbrechendes Programm zur Verbrechensbekämpfung ein enormer Erfolg war. Wie es der U.S.-Senator Orin Hatch (Rep., Utah) ausdrückte: „Der Effekt dieses Gesetz auf die Verbrechensraten im Bundesstaat ist erstaunlich gewesen. Die Vorhersagen der Waffenkontrollbefürworter waren falsch, schlichtweg falsch.“

Eine Forschungsarbeit von Dr John Lott, des Autors des Buches „More Guns, Less Crime“, das in drei Auflagen von der University of Chicago Press veröffentlicht wurde, war die erste Forschungsarbeit über die Auswirkungen nicht nur des bundesgesetzlichen Verbots, sondern auch von Gesetzen der Bundesstaaten. Allgemein fand seine Forschungsarbeit keine Auswirkung von Schusswaffenverboten auf Gewaltverbrechensraten, aber die dritte Auflage des Buches im Jahr 2010 lieferte Beweise, dass Sturmgewehrverbote die Mordraten sogar ein wenig erhöht hatten.

Linke uninformierte Medien sagen vielleicht manchmal, dass John Lotts Forschungsarbeit „widerlegt“ worden sei, aber das ist einfach nicht wahr. Tatsächlich überprüfte die oben erwähnte Arbeit Firearms and Violence: A Critical Review des National Research Council von 2004 im Kapitel 6 „Right-to-Carry Laws“ sowohl Lotts Forschungsarbeit als auch deren Kritiker Ayres & Donohue, die deren These zu widerlegen versuchten, und kam zum Schluss, dass keine der Seiten einen definitiven Beweis lieferte, was die Sache unentschieden lasse.

Aber der Kriminologe des Gremiums, James Q. Wilson, schrieb einen Widerspruch zu dieser Schlussfolgerung, in dem er sagte, dass alle Schätzungen des Gremiums bezüglich Mordraten Lotts Schlussfolgerung über die Auswirkung der Right-to-Carry-Gesetze auf Morde unterstützten. Er schrieb:

In Summe finde ich, dass die von Lott und seinen Unterstützern präsentierten Beweise darauf hindeuten, dass RTC-Gesetze tatsächlich dabei helfen, die Mordrate zu drücken, obwohl ihre Auswirkung auf andere Verbrechen uneindeutig ist.

Mehrere Versuche sind unternommen worden, um Dr. Lotts Forschungen zu diskreditieren, aber sie scheiterten alle und gingen für den Ruf der Möchtegern-Diskreditierer nach hinten los.

Wir müssen auch daran denken, dass die Beweislast bei jenen liegt, die das Gesetz ändern wollen, nicht bei jenen, die es beibehalten wollen, besonders im Hinblick auf das Potential von Waffengesetzen zur Verletzung der Rechte aus dem Zweiten Verfassungszusatz.

In einem Interview sagt Lott: „Bundesstaaten mit den größten Zuwächsen beim Schusswaffenbesitz haben auch die größten Rückgänge bei Gewaltverbrechen. Einunddreißig Bundesstaaten haben jetzt solche Gesetze – genannt „shall issue“-Gesetze. Diese Gesetze gestatten Erwachsenen das Recht, verdeckte Faustfeuerwaffen zu tragen, wenn sie nicht vorbestraft sind oder schon bedeutende Geisteskrankheiten hatten.“

Seit dem Interview haben immer mehr Bundesstaaten jene Gesetze angenommen. Das obige Video zeigt, dass die Bundesstaaten, die Gesetze erlassen, welche das verdeckte Waffentragen erlauben, über die Jahre stetig mehr geworden sind (zu diesem Zeitpunkt sind es alle Staaten mit der Ausnahme von Illinois, das bis Mai 2013 ein Waffentragegesetz entwerfen wird müssen), und gleichzeitig ging die Kriminalität in jenen Staaten nach dem Erlass des Gesetzes zurück.

John Lott erklärt, dass Schusswaffen natürlich Gewalt bewirken können, aber sie können auch davon abschrecken, bevor sie beginnt, und sie stoppen, nachdem sie beginnt:

Verbrecher werden von höheren Strafen abgeschreckt. Genauso wie höhere Verhaftungs- und Verurteilungsraten von Verbrechen abschrecken, so tut das auch das Risiko, dass jemand, der ein Verbrechen begeht, jemandem gegenübersteht, der sich verteidigen kann. Es gibt eine starke negative Beziehung zwischen der Zahl gesetzestreuer Bürger mit Trageerlaubnis und der Verbrechensrate – so wie mehr Leute Erlaubnisse erhalten, gibt es einen größeren Rückgang der Gewaltkriminalitätsraten. Jedes zusätzliche Jahr, in dem ein Gesetz zum verdeckten Tragen von Faustfeuerwaffen in Kraft ist, sinkt die Mordrate um 3 Prozent, Vergewaltigungen um 2 Prozent und Raubüberfälle um über 2 Prozent.

Gesetze für das verdeckte Führen von Faustfeuerwaffen verringern Gewaltverbrechen aus zwei Gründen. Erstens reduzieren sie die Zahl der versuchten Verbrechen, weil die Verbrecher unsicher sind, welche potentiellen Opfer sich wehren können. Zweitens sind Opfer, die Schusswaffen haben, in einer viel besseren Position, um sich zu verteidigen.

Buchstäblich nichts ist ohne Nachteile. Die Frage ist immer die nach der Bilanz, dem Nettoeffekt. Und hier müssen wir uns die Beweislage ansehen.

Lott hat das Thema nicht nur in den USA ausgiebig erforscht, sondern auch auf der ganzen Welt, und im obigen Video sagt er: „Ich kann keinen Ort auf der Welt finden, wo es ein Schusswaffenverbot gab und man danach keine Zunahme der Morde erlebt hat.“

Er kommt zu dem Schluss:

Ein Großteil Osteuropas, der Großteil von Südostasien, der Karibik und Afrikas, alle südamerikanischen Nationen außer einer, und ganz Mittelamerika und Mexiko leiden unter noch höheren Mordraten als wir. Zum Beispiel waren Russlands und Brasiliens Raten bei Tötungsdelikten trotz sehr strenger Schusswaffenkontrolle während des letzten Jahrzehnts im Durchschnitt vier- bis fünfmal höher als unsere.

Tatsächlich wird man herausfinden, wenn man sich alle Nationen ansieht und nicht nur ein paar ausgewählte, dass die Nationen mit den strengsten Schusswaffenkontrollen tendenziell höhere Mordraten zu haben.

Eine vom Magazin „Foreign Policy” durchgeführte Untersuchung von Waffengesetzen und Schusswaffenkriminalität in 9 Ländern in verschiedenen Teilen der Welt, „Armed, but Not Necessary Dangerous“ [„Bewaffnet, aber nicht notwendigerweise gefährlich“], fand trotz deutlicher Voreingenommenheit zugunsten von Schusswaffenbeschränkungen keine Korrelation zwischen Schusswaffenkontrolle und Schusswaffenbesitz einerseits und Gewaltverbrechen andererseits.

Viele der untersuchten Länder, wie Jemen, Irak, Zypern oder Serbien, haben eine frühere oder gegenwärtige Geschichte des Konflikts und der Instabilität, daher ist es schwierig, Parallelen zu den Vereinigten Staaten zu ziehen, aber der Fall der Schweiz ist besonders interessant, weil das Gesetz dort aus Motiven, die mit den Gründen und der Geschichte der Vereinigten Staaten eng verwandt sind, permissiver ist.

Die Schweiz hat ein einzigartiges System der nationalen Verteidigung, das sich über die Jahrhunderte entwickelte. „Anstelle einer stehenden Vollzeitarmee verlangt das Land von jedem Mann, sich während des Großteils seines Lebens für ein paar Tage oder Wochen im Jahr irgendeiner Form von militärischem Training zu unterziehen.“

Die Schweiz verlangt auch von allen Männern im Alter zwischen 20 – 42, automatische Gewehre zu besitzen (d. h. Militärgewehre, die Art, deren Besitz für Zivilisten in den USA ohne eine strenge Erlaubnis illegal ist, nicht die halbautomatischen Waffen, die in den Staaten buchstäblich alle Schusswaffen darstellen, die für Zivilisten produziert werden), hat aber eine der niedrigsten Gewaltverbrechensraten der Welt.

Schusswaffen sind tief in der Schweizer Kultur verwurzelt – aber die Schusswaffenkriminalitätsrate ist so niedrig, dass nicht einmal Statistiken geführt werden.

Im Jahr 2001 wurde bei einer Bevölkerung von 6 Millionen geschätzt, dass mindestens 2 Millionen Feuerwaffen, einschließlich etwa 600.000 automatischer Gewehre und 500.000 Pistolen, in Schweizer Haushalten aufbewahrt wurden.

Die geschätzte Gesamtzahl der Schusswaffen im Besitz von Zivilisten in der Schweiz liegt heute bei 3.400.000. Die Rate des privaten Schusswaffenbesitzes beträgt 45,7 Feuerwaffen pro 100 Personen. „In einem Vergleich der Zahl von Schusswaffen im Privatbesitz in 178 Ländern lag die Schweiz auf Nummer 22.“

Wenn sie [vom Militär] entlassen werden, dienen die Männer im Schweizer Äquivalent der US-Nationalgarde, müssen aber immer noch gelegentlich trainieren und erhalten Repetiergewehre. Frauen brauchen keine Feuerwaffen zu besitzen, werden aber dazu ermutigt.

Wenige Einschränkungen

Zusätzlich zu den von der Regierung zur Verfügung gestellten Waffen gibt es wenige Einschränkungen beim Kauf von Waffen… 

Aber trotz des weitverbreiteten Besitzes und der Verfügbarkeit von Schusswaffen sind Gewaltverbrechen extrem selten. Es gibt nur minimale Kontrollen bei öffentlichen Gebäuden, und Politiker haben selten Polizeischutz.

Die Schweiz ist in der Tat ein einzigartiges Land, und ihre Geschichte ist sehr von ihrer Geographie geformt worden. Ihre alpine Natur hat Isolation bedeutet, was in ihrer Bevölkerung ein tiefes Gefühl für die Notwendigkeit der Selbständigkeit und Selbstverteidigung erzeugt hat, was sie stolzer, weniger vom Staat abhängig und ihren Freiheiten verbundener gemacht hat. Vielmehr stützt sich der Staat bei der Verteidigung auf seine Bürger, eine Tatsache, die ihre Freiheit vergrößert.

Im 19. und 20. Jahrhundert zum Beispiel war die Schweiz eine Zuflucht für Anarchisten, die aus dem benachbarten Italien flohen. Die Schweiz hat eine starke Tradition der direkten Demokratie in der Form ihrer vielen Volksabstimmungen, und der Dezentralisierung: es ist ungewöhnlich, dass solch ein kleines Land eine Föderation von Staaten, genannt „Kantone“, ist.

Aus all diesen Gründen haben die Grundprinzipien hinter den außergewöhnlichen Waffengesetzen der Schweiz etwas mit den Motivationen gemeinsam, die dem Second Amendment der amerikanischen Verfassung zugrunde liegen.

Mehr Schusswaffen scheinen also nicht mehr Kriminalität hervorzubringen, und es gibt keine empirischen Beweise zur Stützung dieser These. Wenn man sich andererseits die erfolgreichen Ergebnisse im Krieg gegen das Verbrechen ansieht, wie die von Bürgermeister Giuliani erreichte dramatische Reduktion der Kriminalität in New York City, dann sieht man, dass es nicht an neuen Schusswaffenkontrollgesetzen lag, sondern an einer Durchsetzung bestehender Gesetze und eifrige Verfolgung von Verbrechern.

Aber, wie Beobachter angemerkt haben, ist es unendlich leichter, sich mit Schusswaffen zu befassen als mit Menschen und den von ihnen erzeugten Problemen, insbesondere wenn es eine Furcht gibt, „rassistisch“ genannt zu werden.

Die Forderungen nach einem Verbot haben sich auf Gewehre konzentriert und nicht auf Faustfeuerwaffen. Nicht nur verursachen Gewehre jeglichen Typs eine sehr niedrige Zahl von Morden pro Jahr (323 im Jahr 2011) verglichen mit Hämmern und Knüppeln (496), Händen, Fäusten und Füßen (728) und Messern (1694). Sondern laut derselben offiziellen Statistik des FBI sind die Waffen, die am meisten zur Begehung von Morden verwendet werden, Faustfeuerwaffen (6220).

Die tragischen Massenerschießungen, die in die Schlagzeilen kommen, sind zum Glück Ausnahmefälle; was häufig ist, ist Bandenkriminalität in Innenstädten, begangen mit illegalen Feuerwaffen, meistens Faustfeuerwaffen, die leicht erhältlich sind. Wie der vom U.S.-Justizministerium herausgegebene Bericht Homicide Trends in the United States, 1980-2008 („Trends bei Tötungsdelikten in den Vereinigten Staaten, 1980 – 2008“) klarmacht, ist, obwohl die Schusswaffenkriminalität im Land allgemein stetig sinkt, “das Profil des typischen Mörders mit einer Schusswaffe ein männlicher, unter 25jähriger Schwarzer in einer Stadt”.

In unseren Stadtgebieten – und Schusswaffenkriminalität findet viel mehr in städtischen Gebieten statt als irgendwo sonst – schließen sich junge schwarze Männer, oft aus kaputten Familien, Banden an und begehen Gewalttaten gegeneinander. Es sind in Chicago seit der Tragödie von Newtown 24 Menschen mit Schusswaffen ermordet worden… Sehen Sie sich nur das gewalttätigste Viertel in Chicago mit 202 Morden seit 2007 an.

Daniel Greenfield erzählt eine Geschichte von zwei Ländern, Amerika und Obamerica:

67 % der Morde mit Feuerwaffen fanden in den 50 größten Ballungsräumen statt. Die 62 Städte in jenen Ballungsräumen haben eine Mordrate mit Feuerwaffen von 9,7, mehr als das doppelte des nationalen Durchschnitts. Unter Teenagern beträgt die Mordrate  mit Feuerwaffen 14,6 oder fast das Dreifache des nationalen Durchschnitts.

Dies sind die überfüllten Städte von Obamerica. Dies sind die Orte mit den restriktivsten Waffengesetzen und den höchsten Kriminalitätsraten. Und viele davon sind fast so lang von Demokraten und ihrer politischen Maschinerie geführt worden, wie sie kaputt gewesen sind.

Obama gewann in der Wahl jede große Stadt außer Jacksonville und Salt Lake City. Und je höher die Todesrate, desto größer sein Sieg…

Chicago, die Hauptstadt von Obamerica, ist eine Stadt, die von Banden und Politikern geführt wird. Es gibt dort 68.000 Bandenmitglieder, viermal so viele wie Polizisten. Chicagoer Politiker werben in ihren Kampagnen um die Unterstützung von Bandenmitgliedern, nehmen „gewaschene“ Spenden von ihnen an, stellen ihre Mitglieder ein und warnen sie vor bevorstehenden Polizeirazzien. Und ihr größter Gefallen, den sie den Bandenbossen erweisen, ist, nichts gegen die Epidemie der Bandengewalt zu tun.

Amerika hat kein Problem mit Schusswaffengewalt. Obamerica schon. Und Obamerica hat aus demselben Grund ein Problem mit Schusswaffengewalt, aus dem es ein Drogenproblem und ein Problem mit kaputten Familien hat.

Aber Obama wollte wie jeder Chicagoer Politiker vor ihm die Gewalt nicht beenden. Der Blutzoll ist profitabel, nicht nur für Rapper, die schlechte Texte über das Drogendealen und das Erschießen von Rivalen schreiben, sondern auch für die Politiker oben auf dem Haufen, die Geld einheimsen und Macht gewinnen, indem sie die Probleme Obamericas als eine Art Gewissensappell an den Rest des Landes benutzen.

Einen Streit mit gesetzestreuen ländlichen Amerikanern anzufangen – republikanischen Wählern, die, um Romney in umgekehrtem Sinne zu zitieren, nie für sie stimmen würden – kostet die Demokraten nichts.

Aber in ähnlicher Weise sind Vorwürfe an die Geisteskranken und das gegenwärtige Psychiatriesystem, das sie nicht in Verwahrung nimmt, wie manche sie erhoben haben, unfreiwillig analog zum Verlangen nach Schusswaffenkontrolle: beide Positionen versuchen zu kontrollieren, was mit solch einfachen Maßnahmen nicht zu kontrollieren ist.

Gewaltverbrechen, die von Psychotikern begangen werden, sind auch, wie Massentötungen, ein sehr seltenes Ereignis. Der Anteil von psychotischen Menschen, die Gewaltverbrechen begehen, ist extrem niedrig. Und seltene Ereignisse sind statistisch schwer zu handhaben.

Es ist nicht so einfach, psychotisches Verhalten vorherzusagen. Es ist viel viel wahrscheinlicher, einen Fehler zu machen, als keinen zu machen, und wir sollten Menschen nicht ohne einen rechtfertigbaren Grund ihre Rechte nehmen, seien es Rechte auf Schusswaffen, die vom Zweiten Verfassungszusatz geschützt werden, oder das Recht auf Freiheit, das für Geisteskranke genauso gilt wie für alle anderen.

In mancher Weise ist dieses Verlangen eine Reflexreaktion ohne Grundlage, wie jene der Schusswaffengegner.

Man kann nicht allgemeine Prinzipien oder Gesetze, die sich auf große Populationen auswirken – wie Waffengesetze -, oder Gruppen – wie die unfreiwillige Einlieferung von Geisteskranken – aus dem Auftreten seltener Ereignisse ableiten, wie tragisch sie auch sein mögen.

Das komplexe, vielfacettige Problem aller Kriminalität anzugehen, einschließlich Gewalt und Mord, erfordert dieselbe Art von Veränderung, die sich auch mit vielen anderen gesellschaftlichen Problemen befassen würde, einschließlich des Missbrauchs von Substanzen, der ebenfalls eine Auswirkung auf die gegenwärtige Rate der Geisteskrankheit hat. Eine offensichtliche und zentrale Notwendigkeit ist die Wiederherstellung der Bedeutung der Familie.

Wenn Hollywoodstars, die so scharf darauf sind, die Gewalt durch gesetzliche Einschränkungen bei Schusswaffen zu verringern, beschließen würden, Rollen in Filmen abzulehnen, die voller gedankenloser Gewalt sind, dann würden sie sicherlich etwas Gutes tun. Ich weiß nicht, ob die Verringerung von Gewalt, die keinem Zweck dient und ein Selbstzweck zu sein scheint (in perfekter Analogie zu Massakern wie dem in Newtown begangenen), in Filmen, Videospielen und im Fernsehen ein wenig zur Verhinderung jener Massaker beitragen würden – es gibt auch dafür keinen Beweis -, aber allerwenigstens würde es die vorherrschende Verdummung umkehren, den künstlerischen Wert von Filmen erhöhen und ihnen mehr Inhalt injizieren, indem es Filmemacher dazu zwingen würde, sich etwas auszudenken, das nicht Gewalt, Sex oder vulgäre Sprache ist.

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Enza Ferreri ist eine gebürtige Italienerin und Autorin mit einem Abschluss in Philosophie, die in London lebt. Sie bloggt auf www.enzaferreri.blogspot.co.uk.

Andere Artikel von ihr siehe unter Enza Ferreri Archives.

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Weitere Artikel:

Einige Tatsachen über Schusswaffenmassaker von John Fund
Selbstverteidigung ist Menschenrecht von Gerhard Kehr
Schußwaffen, Profiling und weiße Männer: Erklärung für die Besessenheit der Linken von Waffenkontrolle von Cooper Sterling

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3 Kommentare

  1. Richard

     /  August 14, 2013

    Manche Artikel sind so gut, dass man sie einfach speichern muss.
    Dieser gehört dazu!

    Zum Thema auch lesenswert ist:
    A gun in the hand is better than a cop on the phone
    http://www.wissenbloggt.de/?p=6411

    Antworten
  2. Danke, Richard!

    Ebenfalls gut ist dieser Spruch:

    „Ich trage ständig eine Waffe, weil ich nicht ständig einen Polizisten tragen kann.“

    Antworten
  3. Meldung im „Kurier“ (fette Hervorhebungen – außer den Überschriften – von mir):

    Hunderttausende Waffen bald illegal
    Die Mehrheit der Waffenbesitzer hat das neue Gesetz bisher ignoriert. Die Frist läuft 2014 ab.

    Mehr als die Hälfte der Frist für die neue Meldepflicht von Langwaffen (Gewehre) ist verstrichen. Doch bisher sind erst rund 62.000 Meldungen eingelangt. Die Zahl, die das Innenministerium dem KURIER bekannt gab, ist für Insider ein Schock. Stimmen die Schätzungen nur annähernd, dass die Österreicher rund eine Million Gewehre daheim liegen haben, dann sind bisher nur wenige Prozent der Besitzer ihrer Meldepflicht nachgekommen. Zehntausende nähern sich einer Deadline, hinter der die Illegalität wartet.

    In letzter Sekunde
    „Ich warte vorerst einmal ab, wahrscheinlich bis knapp vor Ende der Frist, und entscheide mich dann“, vertraut ein Betroffener, der anonym bleiben will, dem KURIER an. Ein Jäger gibt offen zu: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich alle Gewehre melde oder nur jene, mit denen ich regelmäßig zur Jagd gehe.“ Der Mann ist kein Einzelfall. Viele Waffenbesitzer befürchten eine Waffensteuer, sobald alle Langwaffen erfasst sind.
    „Viele warten zumindest die Nationalratswahl im Herbst ab. Wenn die FPÖ zukünftig mitreden kann, wird sie die Vorschrift lockern und eine Amnestieregelung einführen, wie ich sie schon seit Langem fordere“, sagt Georg Zakrajsek, Sprecher der Interessensgemeinschaft liberales Waffenrecht, der von mindestens einer Million Langwaffen in Privatbesitz ausgeht.
    Robert Siegert hofft, dass nicht alle im letzten Moment kommen – Die Waffenhändler sorgen sich bereits: Sollten sich zu viele Waffenbesitzer erst knapp vor Ablauf der Frist im Juni 2014 für die Registrierung entscheiden, werde es ein Anmeldechaos geben. „Ich fürchte, dass sich ein großer Teil der Besitzer erst sehr spät zur Registrierung entschließt, die die meisten Leute beim Waffenhändler vornehmen. Dann kann es sein, dass wir nicht alle Registrierungen innerhalb der gewünschten Zeit durchführen können“, sagt Robert Siegert, Bundesgremialvorsteher des Waffenhandels.
    Das wäre noch die harmlose Variante. Dramatischer wäre es, wenn eine große Zahl an Besitzern das Gesetz gänzlich ignoriert und sich in die Illegalität begibt. Sollten sie später eine Waffe verkaufen, haben sie nur noch zwei Möglichkeiten. Entweder riskiert man im Zuge der nachträglichen Anmeldung eine Strafe, oder die Waffe landet auf dem Schwarzmarkt. Der hätte dann plötzlich ungeahnte Quellen. Und Österreich bekäme mit einem Schlag weitere Besitzer von illegalen Waffen. „Eigentlich ist das Projekt schon in die Hose gegangen“, sagt Waffen-Lobbyist Zakrajsek.

    Optimismus
    Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums, gibt sich trotzdem optimistisch: „Es ist noch Zeit bis Juni 2014. Ich gehe davon aus, dass die Betroffenen ihre Waffen melden werden.“
    Karl-Heinz Grundböck setzt auf die Gesetzestreue der Bürger – Personen, die die Frist versäumen, machen sich in jedem Fall strafbar, betont er. „Es ist eine Verwaltungsübertretung, wenn man die rechtzeitige Registrierung unterlässt“, erklärt Grundböck. Die werde vermutlich mit einer Geldstrafe bedroht. Genau ist das noch nicht geregelt.
    „Wenn jemand Zweifel haben sollte, wie damit umzugehen ist, kann er sich an den Waffenhandel wenden“, rät Grundböck. Der Tipp ist außerordentlich wertvoll. Denn auf der Homepage des Innenministeriums sind Information zur Meldepflicht schwer zu finden.
    Auf Information setzt auch Rudolf Slamanig. Der Landespolizei-Vizedirektor und ehemalige Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung in NÖ, sagt: „Die Schützen und Jäger sind bestens informiert. Es gibt aber auch Leute, die beispielsweise Waffen geerbt haben und auf dem Gebiet nicht so viel Sachkenntnis haben. Die muss man versuchen zu erreichen.“
    Natürlich habe eine zentrale Waffenregistrierung Vorteile, weil die Polizei vor einem Einsatz in Erfahrung bringen kann, ob es in einem Haushalt Waffen gibt.

    Soso, Karl-Heinz Grundböck vom Innenministerium setzt also auf die Gesetzestreue der Bürger – und was ist mit der Gesetzestreue des NWO-hörigen Geßlerregimes, dem er dient?
    Das fängt schon mit dem ESM und den davor durchgezogenen Euro-„Rettungspaketen“ an:
    – die ursprünglichen Maastricht-Verträge verbieten, daß ein Mitgliedsstaat des Euroraumes für die Schulden eines anderen haftet;
    – die Statuten der Europäischen Zentralbank verbieten es ebenfalls,
    – und der Lissabon-Vertrag – die „EU-Verfassung“ – verbietet es genauso.

    All diese Schuldenübernahmepakete und der verbrecherische ESM-Vertrag sind klar rechtswidrig, und trotzdem machen unsere Politverbrecher mit und kommen damit durch, obwohl sie jedes Recht gehabt hätten, „nein“ zu sagen!

    Und vor der Waffensteuer fürchten sich zu Schützen wahrscheinlich sehr zu Recht. Sobald das Regime nicht mehr zu befürchten braucht, irgendwelche Waffenbesitzer zu verschrecken, die es sich dann mit dem Melden ihrer Kanonen anders überlegen könnten, werden sie damit anfangen. Zunächst wird man feststellen, daß dieses Registrierungsprojekt viel mehr kostet, als angenommen (in Kanada kostete ein ähnliches, inzwischen wieder aufgegebenes Waffenregistrierungsprogramm letztendlich das Tausendfache der projektierten Summe), worauf man argumentieren wird, daß doch gefälligst die Waffenbesitzer für die Kosten aufkommen sollten.
    Und bis dahin werden die allgemeinen Finanznöte des Staates nicht eben geringer geworden sein, sodaß den Zuständigen alles recht sein wird, womit man weitere Geldeintreibungen rechtfertigen kann. Um eine Vorstellung von den Summen zu geben, die letztendlich gefordert werden könnten: in Deutschland wurden von Befürwortern einer Waffensteuer bereits Beträge von bis zu 300 Euro pro Waffe und Jahr angedacht!
    Und Waffenbesitzer, die es sich noch bist Juni 2014 überlegen wollen, brauchen nicht zu glauben, daß das Innenministerium oder das Finanzministerium davor mit unangenehmen Wahrheiten herausrücken wird.
    Bei dem Satz „Denn auf der Homepage des Innenministeriums sind Information zur Meldepflicht schwer zu finden“ mußte ich übrigens höhnisch grinsen: wie Dr. Zakrajsek einmal auf seiner Webseite „Querschüsse“ (siehe Blogroll) schrieb, war vom Ministerium ursprünglich vorgesehen, eine Informationsbroschüre über die neue Waffenregistrierung drucken zu lassen. Davon hat man dann abgesehen, weil das Ministerium das Geld dafür nicht hatte…

    Hier noch ein älterer Kurier-Artikel vom 31. Mai 2012 (fette Hervorhebungen wieder von mir):

    500.000 Österreicher müssen Waffen registrieren
    Die EU zwingt Österreich zu einem zentralen Waffenregister. Die Folge: Millionen Waffen müssen jetzt registriert werden.

    Eigentlich weiß niemand, wie viele Waffen sich in Österreich in privater Hand befinden. Selbst das zuständige Innenministerium kann dazu keine Angaben machen. Der Waffenhandel schätzt jedoch, dass es sich um mehrere Millionen Gewehre und Pistolen handelt. Ein Problem ist, dass es neben Waffen, die völlig legal im Umlauf sind, eine Vielzahl von „illegalen“ Schusswaffen gibt, für die der jeweilige Inhaber keine Berechtigung zum Besitz vorweisen kann.
    Bald wird man konkretere Zahlen kennen. Denn die legal im Besitz befindlichen Maschinenpistolen, Sturmgewehre, Pumpguns, Pistolen, Revolver und Jagdgewehre muss das Innenministerium jetzt registrieren lassen. Das verlangt eine EU-Richtlinie. Die Erfassung der Waffen wird der Waffenhandel durchführen. Der will sich diese Tätigkeit jetzt auch bezahlen lassen.
    Kurios ist, dass die Besitzer von Waffen der Kategorie „A“ (Militärwaffen, Pumpguns, Sturmgewehre etc.) und Waffen der Kategorie „B“ (Pistolen, Revolver, halbautomatische Schusswaffen etc.) zwar bei mehr als 100 Behörden registriert sind, aber gerade deshalb im Innenministerium niemand weiß, wie viele davon genau im Umlauf sind.
    „Das ist mit ein Grund, warum wir die Waffen jetzt zentral erfassen wollen“, sagt Karl-Heinz Grundböck vom Innenministerium. Seine Chefin, Johanna Mikl-Leitner, gibt die Kosten dieser umfassenden Registrierung mit knapp 740.000 Euro an. Der heimische Waffenhandel rechnet mit einem wesentlich höheren Betrag. Waffenrechtsexperte Georg Zakrajsek – er ist Obmann der mehr als 30.000 Mitglieder zählenden „Interessengemeinschaft liberales Waffenrecht für Österreich“ (IWÖ) – schätzt, dass drei bis vier Millionen Gewehre registriert werden müssen.
    Die Waffenrechtsnovelle soll ab 1. Oktober 2012 in Kraft treten. Bis spätestens 30. Juni 2014 müssen dann sowohl alle Waffen der Kategorie „A“, „B“ aber auch „C“ (Waffen mit gezogenem Lauf) und „D“ (Schusswaffen mit glattem Lauf, Flinten) registriert sein. Wer sich den Weg zum Waffenhändler ersparen möchte, für den besteht die Möglichkeit, seine Waffen mittels Bürgerkarte online selbst zu registrieren.
    „Österreich wird durch diese Waffenerfassungsaktion nicht sicherer. Straftaten werden, wie wir aus der Statistik wissen, zu mehr als 90 Prozent mit illegal im Besitz befindliche Waffen begangen“, kritisieren Waffenhersteller Robert Glock und Waffenhändler Christian Johann Springer die anstehende Waffenregistrierung. Man nehme sich wieder die legalen Waffenbesitzer vor, anstatt den illegalen Besitz von Waffen härter unter Strafe zu stellen, argumentieren sie.
    Mehr als 100.000 Jäger ebenso viele Sportler und rund 300.000 Inhaber von Waffenpässen und -besitzkarten sind jetzt von dieser Waffengesetznovelle betroffen.

    Anlassgesetz: Verbot der Pumpguns wirkungslos
    Anlässlich der Waffenrechtsnovelle 1996 wurden die sogenannten Pumpguns verboten. Dabei handelt es sich um Schrotrepetiergewehre, die in den 90er-Jahren manchmal von Bankräubern verwendet wurden.
    Der Gesetzgeber reagierte damals anlassbezogen und verbot sie, beziehungsweise zwang deren Besitzer sie registrieren und genehmigen (Waffenpass, Waffenbesitzkarte) zu lassen. Hunderte Pumpguns wurden abgegeben, etwa 2000 Pumpguns wurden registriert. Der Waffenhandel erklärte aber, dass seinerzeit in Österreich etwa 40.000 Stück verkauft wurden. Der Rest verschwand.
    Nicht verboten hat der Gesetzgeber damals die wesentlich gefährlicheren Schrotautomaten.

    Noch ein Nachtrag zu der oben angesprochenen Meldepflicht für Kipplauf-Flinten (Waffenkategorie „D“): Bei diesen müssen nur Neuerwerbungen nach dem 1. Oktober 2012 gemeldet werden; davor erworbene Flinten brauchen nicht nachgemeldet zu werden, außer im Falle einer Weiterveräußerung.

    Das heißt: Vor dem 1. Oktober 2012 in Österreich erworbene Kipplauf-Flinten stellen eine Möglichkeit dar, ganz legal nicht registrierte, sehr wirksame Schußwaffen zu besitzen!

    (Siehe dazu auch meinen Artikel Teilchenbeschleuniger)

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