Der Makrelenstreit als Maß für Souveränität

Scylla - Odinn

„Symbolfoto“ aus dem „Dritten Kabeljaukrieg“: Das isländische Kanonenboot „Odinn“ (vorn) rammt am 23. Februar 1976 die britische Fregatte „HMS Scylla“.

hjortur-logo  von Hjörtur J. Guðmundsson; Original: The Mackerel Dispute As A Measurement For Sovereignty, erschienen am 26. September 2010 im Brussels Journal.

In den letzten Wochen hat Island einen Streit mit der Europäischen Union wegen der Makrelenfischerei innerhalb der isländischen exklusiven Wirtschaftszone gehabt. Isländische Vertreter sind von Norwegen und der EU nicht am Verhandlungstisch über Makrelen zugelassen worden, obwohl die Spezies hauptsächlich aufgrund der Erwärmung des Meeres zunehmend innerhalb der isländischen EWZ angetroffen worden ist. Infolgedessen ist Island durch keine Abkommen über Makrelen gebunden gewesen, und daher hat die isländische Regierung einseitig Quoten für Makrelen in isländischen Gewässern vergeben.

Dieses Jahr hat es in der isländischen EWZ Makrelen in solcher Zahl gegeben, daß es für die Fischer schwierig war, andere Spezies zu fischen, ohne in ihren Netzen auch Makrelen zu erwischen. Viele isländische Häfen waren in diesem Sommer ebenfalls voller Makrelen, und sie konnten leicht mit Angelruten von den Hafenanlagen aus gefangen werden. Die überwältigende Zahl von Makrelen in isländischen Gewässern hat drastische negative Auswirkungen auf das marine Ökosystem gehabt und zum Beispiel in schwerem Nahrungsmangel für andere Spezies resultiert, die für Islands Wirtschaft wie auch für verschiedene Seevögel wie Papageitauscher lebenswichtig sind.

Die meisten der biologischen Auswirkungen der Makrelen müssen erst noch ans Licht kommen und werden das in den kommenden Monaten und Jahren tun. Als Folge von all dem hatte die isländische Regierung keine Wahl, als Anfang dieses Jahres bedeutend erhöhte, im Einklang mit wissenschaftlichen Daten und der Nachhaltigkeit stehende Quoten für Makrelen an isländische Fischer zu vergeben. Die EU hatte dagegen protestiert, wie auch manche schottische Politiker, die behaupteten, daß die Makrelen Schottland und der EU gehörten, trotz der Tatsache, daß sie sich in der isländischen EWZ befinden und Island in dieser Angelegenheit durch keine Abkommen gebunden ist.

Die EU hat sogar gedroht, ihre Häfen für isländische Schiffe zu sperren (und auch für solche von den Färöer-Inseln, die ihre Makrelenquote ebenfalls einseitig erhöhten), wie manche schottische Politiker verlangt haben, was im Falle der Durchführung mehrere Abkommen zwischen Island, Großbritannien und der EU verletzen würde. Immerhin sind von der isländischen Regierung keine Gesetze gebrochen worden. Falls das der Fall wäre, würde die EU Island mit rechtlichen Schritten drohen anstatt mit illegalen Wirtschaftssanktionen. Was die EU in dieser Angelegenheit tut, ist einfach ein Bully zu sein.

Der interessanteste Teil dieses Makrelenstreits ist jedoch, wie er geführt wird. Wenn Island ein Mitglied der EU wäre, dann hätte es gar keinen Streit gegeben. Die EU hätte dann einfach mit sich selbst verhandelt und dann der isländischen Regierung gesagt, wie es laufen würde. Island säße nicht am Steuer seiner eigenen Interessen, wie es jetzt durch seinen Status als souveränes Land der Fall ist. Andererseits hat es die isländische Regierung in dieser Angelegenheit nicht mit ihrem britischen Gegenstück zu tun, sondern mit der Europäischen Kommission.

Infolgedessen reden die internationalen Medien, wenn sie den Makrelenstreit behandeln, immer von den vier beteiligten Küstenstaaten. Das sind Island, Norwegen, die Färöer-Inseln und … die EU.

Odin rammt HMS Scylla

Noch einmal „Odinn“ (links) und „HMS Scylla“.

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Quelle der Übersetzung: hier. Weitere Island-Briefe von Hjörtur J. Guðmundsson (in chronologischer Reihenfolge des originalen Erscheinens im „Brussels Journal“):

1)  Der nördliche Rand: Besser draußen, als in der EU
2)  Wann habe ich aufgehört, europäisch zu sein?
3)  Besser draußen als drinnen
4)  Die Isländer trauen der EU nicht
5)  Wie ernst meint Island es mit dem Beitritt zur EU?
6)  Island wird geopfert, um die EU zu retten: Schande über Britannien und Holland
7)  EU-Mitgliedschaft? Nein danke!
9)  Warum hat Island „nein“ gesagt?
10) Islands sinnlose EU-Bewerbung

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