Die Isländer trauen der EU nicht

island 009

hjortur-logo  von Hjörtur J. Guðmundsson; Original: Icelanders Do Not Trust the EU, erschienen am 3. November 2009 im Brussels Journal.

Die Mehrheit der Isländer hat laut einer neuen Meinungsumfrage, die am Samstag von Carpacent veröffentlicht wurde, sehr wenig Vertrauen zur EU. Nur etwa 26 % vertrauen der EU, bei 44 %, die ihr nicht trauen. Der Rest, oder 30 %, ist unentschlossen. Die isländische Regierung macht jedoch mit dem EU-Beitrittsprozeß weiter.

Letzten Freitag sagte ein ehemaliger Außenminister Islands, Jón Baldvin Hannibalsson, bei einer an der Universität von Reykjavik abgehaltenen Versammlung, daß er denke, daß das isländische Volk die Mitgliedschaft in der Europäischen Union in einem Referendum wahrscheinlich ablehnen würde. Dies schrieb er unter anderem einer schlechten politischen Führung zu, womit er offensichtlich die gegenwärtige Regierung in Island meinte. Hannibalssons Bemerkungen werden als recht interessant betrachtet, nachdem er seit Jahren einer der entschiedensten Unterstützer von Islands Beitritt zur EU gewesen ist. Der ehemalige Außenminister ist jedoch weit davon entfernt, der einzige führende Unterstützer der EU-Mitgliedschaft in Island zu sein, der in letzter Zeit Pessimismus zur Schau getragen hat, daß Island am Ende des laufenden Beitrittsprozesses tatsächlich der EU beitreten wird.

Steingrímur J. Sigfússon, Islands Finanzminister und Vorsitzender des kleineren Koalitionspartners, der Linksgrünen Bewegung, sagte letzten Dienstag bei der 61. Sitzung des Nordischen Rates in Stockholm, daß das isländische Volk, obwohl seine Regierung sich um den Beitritt zur Europäischen Union beworben hat, nicht Mitglied werden will. Sigfússon antwortete auf eine Frage, die an ihn bezüglich der Situation von Islands Bewerbung an ihn gerichtet wurde.

Trotzdem lieferte die isländische Regierung letzte Woche der Europäischen Union ihre Antworten auf insgesamt 2.500 Fragen über Island, seine Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Allgemeinen. Die Antworten sind ein Teil von Islands Beitrittsprozeß. Die Regierung verweigerte eine Forderung des Volkes in Island, daß die Fragen und die Antworten darauf ins Isländische übersetzt werden, so daß alle Isländer sie untersuchen können. Die Fragen und Antworten waren in einer Art Brüsseler Bürokratenversion des Englischen gehalten.

Die Regierung hatte zuvor versprochen, daß der gesamte Beitrittsprozeß transparent sein und das isländische Volk über jeden Schritt davon informiert gehalten würde. Dies wird von Kritikern nicht als guter Anfang betrachtet. Man könnte erwähnen, daß unter jenen, die nach einer isländischen Übersetzung der Fragen und Antworten verlangten, Organisationen sowohl jener waren, die für die EU-Mitgliedschaft sind, als auch jener, die sie ablehnen.

*   *   *   *   *   *   *

Quelle der Übersetzung: hier. Weitere Island-Briefe von Hjörtur J. Guðmundsson (in chronologischer Reihenfolge des originalen Erscheinens im „Brussels Journal“):

1)  Der nördliche Rand: Besser draußen, als in der EU
2)  Wann habe ich aufgehört, europäisch zu sein?
3)  Besser draußen als drinnen
5)  Wie ernst meint Island es mit dem Beitritt zur EU?
6)  Island wird geopfert, um die EU zu retten: Schande über Britannien und Holland
7)  EU-Mitgliedschaft? Nein danke!
8)  Der Makrelenstreit als Maß für Souveränität
9)  Warum hat Island „nein“ gesagt?
10) Islands sinnlose EU-Bewerbung

Hinterlasse einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: