Wann habe ich aufgehört, europäisch zu sein?

Thingvellir Landschaft

hjortur-logo  von Hjörtur J. Guðmundsson; Original: When Did I Cease to Be European?, erschienen am 17. Januar 2006 im Brussels Journal.

Wann genau hat Island aufgehört, ein geographischer Teil Europas zu sein? Ich habe manchmal darüber nachgedacht, wenn ich isländische Europhile predigen hörte, daß Island Europa so bald wie möglich beitreten muß. Natürlich waren diese Spekulationen mehr scherzhaft als ernst gemeint. Man muß wahrscheinlich ziemlich unwissend sein, um den Unterschied zwischen der Europäischen Union als solcher und Europa nicht zu sehen, abgesehen davon, daß die EU nichts damit zu tun hat, ob Island oder irgendein anderes Land als Teil Europas betrachtet wird oder nicht.

Aber trotz dieser offensichtlichen Tatsachen bleibt dies einer der wesentlichen Punkte in der Propaganda der Europäischen Union und ihrer Unterstützer. Ungefähr in dieser Art erhalten viele Assoziationen von Europhilen Namen wie „Britannien in Europa“, „Schweden in Europa“, „Estland in Europa“ etc. Daher fällt einem die unvermeidliche Frage ein, warum diese Assoziationen nicht „Britannien in der EU“, „Schweden in der EU“ etc. genannt werden? Das wäre doch viel anschaulicher.

Der Grund für all das ist wirklich nicht kompliziert. Die Europhilen erkennen einfach, wie die meisten Menschen, daß die Europäische Union für eine große Zahl ihrer Bürger und auch für die Mehrheit der Öffentlichkeit in einer Anzahl ihrer Mitgliedsstaaten keine besonders positive Wirkung hat. Dies war in nationalen Referenden und Meinungsumfragen in den vergangenen Jahren klar zu erkennen. Daher fühlen sich die Europhilen dazu verpflichtet, etwas anderes als Köder zu verwenden, etwas, das sie für attraktiver halten – und hier kommt „Europa“ ins Bild.

Infolgedessen reiten die Europhilen auf dem Unsinn herum, daß die fraglichen Länder, indem sie außerhalb der EU bleiben, auch außerhalb Europas bleiben würden. Falls sie jedoch andererseits der Union beiträten, würden sie auch „Europa beitreten“, wie lächerlich das auch klingen mag.

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Quelle der Übersetzung: hier. Weitere Artikel von Hjörtur J. Guðmundsson (in chronologischer Reihenfolge des originalen Erscheinens im „Brussels Journal“):

1)  Der nördliche Rand: Besser draußen, als in der EU
3)  Besser draußen als drinnen
4)  Die Isländer trauen der EU nicht
5)  Wie ernst meint Island es mit dem Beitritt zur EU?
6)  Island wird geopfert, um die EU zu retten: Schande über Britannien und Holland
7)  EU-Mitgliedschaft? Nein danke!
8)  Der Makrelenstreit als Maß für Souveränität
9)  Warum hat Island „nein“ gesagt?
10) Islands sinnlose EU-Bewerbung

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