Großbritannien: 11 Menschen wegen Twitter- und Facebook-Kommentaren zum Mord von Woolwich verhaftet

Lee Rigby

Gefallener Held: Vater Lee Rigby, 25, aus Manchester wurde am Mittwoch in Woolwich getötet.

Aus der “Daily Mail Online” vom 25. Mai 2013:

Elf Menschen im gesamten Vereinigten Königreich verhaftet, weil sie auf Facebook und Twitter “rassistische oder religionsfeindliche” Kommentare zum Tod des britischen Soldaten schrieben.

  • Benjamin Flatters, 22, erschien heute vor Gericht, angeklagt wegen “böswilliger Kommentare” auf der sozialen Netzwerkseite
  • Ein weiterer Mann wurde wegen seines Verhaltens in den sozialen Medien verwarnt
  • Polizei sagt, die Leute sollten aufpassen mit dem, was sie in sozialen Medien schreiben
  • Faith Matters, das an der Reduzierung von Extremismus arbeitet, hat erlebt, dass angezeigte Vorfälle bei ihrem Informationsdienst nach dem Tod des Soldaten in die Höhe schossen

Der Mord am Soldaten Lee Rigby hat im gesamten Vereinigten Königreich eine Gegenreaktion des Zornes provoziert, einschließlich Angriffen gegen Moscheen, rassische Beschimpfungen und Kommentare in sozialen Medien.

Elf Menschen sind in ganz Großbritannien verhaftet worden, weil sie nach dem brutalen Mord am Mittwoch in Woolwich “rassistische oder religionsfeindliche” Kommentare auf Twitter geschrieben haben. Der Vorfall hat auch laut der Organisation Faith Matters, die an der Reduzierung des Extremismus arbeitet, eine riesige Zunahme antimoslemischer Vorfälle ausgelöst. Vor dem Anschlag wurden vier bis acht Fälle pro Tag auf ihrer Hotline gemeldet. Aber die Gruppe sagte, dass in den letzten paar Tagen etwa 150 Vorfälle gemeldet worden waren, einschließlich Angriffen gegen Moscheen.

Fiyaz Mughal, Direktor von Faith. Sagte zu BBC Radio Five Live: „Was wirklich Sorgen macht, ist die Ausbreitung dieser Vorfälle. Sie kommen aus dem ganzen Land herein. Zweitens sind manche davon recht aggressive, sehr fokussierte, sehr aggressive Angriffe. Und drittens scheint es auch bedeutende Online-Aktivität zu geben… was auf Koordination der Vorfälle und Angriffe gegen Institutionen oder Orte, wo Moslems zusammenkommen, hindeutet.“

Das kommt, während ein 22jähriger Mann heute vor dem Magistrat in Lincoln erschien, unter der Anschuldigung, nach dem Mord in Woolwich eine „grob beleidigende“ antimoslemische Botschaft auf Facebook gepostet zu haben.

Benjamin Flatters aus Swineshead, Lincolnshire, wird nach einer Botschaft, die er am 22. Mai auf Facebook postete und die angeblich beleidigend für Moslems ist, gemäß dem Malicious Cummunications Act [Gesetz gegen böswillige Kommunikation] von 1988 angeklagt.

Bei der Anhörung wurden keine Details der Botschaft angegeben, aber ein weiterer Mann wurde wegen seines Verhaltens in den sozialen Medien verwarnt.

Flatters, der nur sprach, um seinen Namen, sein Alter und seine Adresse zu bestätigen, wurde vom Lincoln Magistrate nach einer 20minütigen Anhörung eine Freilassung gegen Kaution verweigert. Dem Gericht wurde mitgeteilt, dass ihm weitere Angelegenheiten bevorstehen, einschließlich vier Anklagen wegen Anstiftung minderjähriger Mädchen zu sexuellen Aktivitäten durch Aussendung sexueller Botschaften über Facebook sowie zweier Anklagen wegen Drogenvergehen.

Flatters wurde bis Mittwoch in Gewahrsam genommen, wo er per Videolink vor der Magistratur von Skegness erscheinen wird.

Lee Rigby Urlaub 1

Großartiger Charakter: Vater eines Kindes und Soldat Lee Rigby aus Greater Manchester…

Lee Rigby Urlaub 2

…hier abgebildet bei der Entspannung im Urlaub von der Armee.

Sein Erscheinen vor Gericht erfolgte innerhalb von 24 Stunden nachdem die Polizei von Lincolnshire die User von sozialen Netzwerkseiten wie Facebook warnten, dass sie verhaftet würden, falls bei Kommentaren die Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie zu Rassenhass oder Gewalt anstiften. Ein Polizeisprecher sagte: „Wir haben aus der Öffentlichkeit eine Anzahl von Anzeigen wegen Tweets und Facebook-Kommentaren erhalten, die potentiell zu Rassenhass und Gewalt anstiften könnten. Hierzu wird gegenwärtig ermittelt. Falls uns solche Kommunikationen gemeldet werden und sie tatsächlich das Gesetz verletzen, können diese Botschaften überwacht und erfasst werden, und robuste polizeiliche Aktionen werden erwogen. Wir legen  Menschen eindrücklich nahe, die sehr realen Auswirkungen ihrer Online-Kommentare im Zusammenhang mit dieser Sache zu bedenken.”

Flatters’ Erscheinen vor Gericht erfolgte, nachdem zwei Männer verhaftet und gegen Kaution freigelassen wurden, weil sie angeblich beleidigende Kommentare auf Twitter wegen der Ermordung von Lee Rigby gemacht hatten.

Woolwich-Mörder Michael Adebolajo

Anschlag: Der Trommler Rigby wurde auf der Straße in Woolwich im südlichen London getötet, als Michael Adebolajo seinen Angriff startete.

Es wurden bei der Polizei von Avon und Somerset Beschwerden wegen Bemerkungen erhoben, die auf der sozialen Netzwerkseite erschienen und angeblich von rassistischer oder religionsfeindlicher Natur waren. Ein 23jähriger und ein 22jähriger, beide aus Bristol, wurden gemäß dem Public Order Act der Anstiftung zu rassischem oder religiösem Hass verdächtigt.

Woolwich-Mörder Michael Adebowale

Verdächtiger: Michael Adebowale, 22, aus Greenwich im südöstlichen London, mit dem Messer in der Hand am Tatort, wo Lee Rigby erstochen wurde.

Tatort Woolwich

Schockierend: Die Twitter-Kommentare kommen nach dem Angriff in London. Die Polizei sagt, dass sie noch mehr dazu beitragen, die Gemeinschaft zu schädigen.

Detective Inspector Ed Yaxley von der Polizei von Avon und Somerset sagte: „Diese Kommentare waren gegen ein Segment unserer Gemeinschaft gerichtet. Kommentare wie diese sind völlig inakzeptabel und richten nur noch mehr Schaden in unserer Gemeinschaft in Bristol an. Die Menschen sollten innehalten und darüber nachdenken, was sie in sozialen Medien sagen, bevor sie Aussagen tätigen, da die Konsequenzen schwerwiegend sein könnten.“

Zwei Männer werden heute ebenfalls vor dem Thames Magistrates Court erscheinen, angeklagt wegen religiös verschärften Drohverhaltens wegen eines Vorfalls am Donnerstag in einem Londoner Fastfood-Restaurant.

Der Arbeiter Toni Latcal, 32, und der Stukkateur Eugen Aurelian Beredei, 34, beide aus London, wurden nach dem Vorfall am Donnerstag um 9:15 Uhr abends verhaftet. Latcal wurde wegen religiös verschärften Drohverhaltens und krimineller Sachbeschädigung angeklagt, während Eugen Beredei wegen religiös verschärften Drohverhaltens angeklagt wurde.

Die Polizei von Surrey sagte, dass ein 19jähriger Mann in Verbindung mit Kommentaren auf einer Webseite der sozialen Medien nach dem Mord an dem Soldaten angeklagt wurde. Mohammed Mazar aus Balmoral Drive, Woking, ist gemäß Sektion 127 des Communications Act con 2003 wegen unangemessenen Gebrauchs öffentlicher elektronischer Kommunikationsnetzwerke angeklagt worden.

Tatort Woolwich 2

Horror: Eine große Menschenmenge sammelt sich nahe dem Tatort, wo der Soldat am Mittwoch getötet wurde, während Polizei und Rettung eintreffen.

Ein Polizeisprecher sagte, das Mazar gegen Kaution freigelassen worden ist, um am 11. Juni vor dem Magistratsgericht von South West Surrey zu erscheinen. Superintendent Matt Goodridge sagte: „Die Polizei von Surrey wird keine Äußerungen in der Öffentlichkeit tolerieren, einschließlich auf Webseiten der sozialen Medien, welche Belästigungen, Beunruhigung oder Notlagen verursachen.“

Ein weiterer arbeitsloser 28jähriger ist von der Polizei angeklagt worden, nachdem er angeblich eine beleidigende Botschaft auf Facebook gepostet hatte. Die Polizei von Sussex sagte, dass Adam Rogers aus der Kingman Street in Woolwich gestern in Hastings, East Sussex, verhaftet wurde. Er wird heute später am Tag vor dem Magistratsgericht von Brighton erscheinen und der Online-Aussendung einer „beleidigenden, volksverhetzenden oder drohenden Botschaft“ beschuldigt werden. Ein Polizeisprecher sagte: „Der Eintrag stand angeblich in Zusammenhang mit einem Vorfall am Mittwoch in Woolwich.”

Währenddessen ist eine 23jährige Frau angeklagt worden, angeblich eine „gröblich beleidigende“ Botschaft auf Facebook gesendet zu haben, sagte die Hamphire Constabulary. Michaela Turner aus der Lumsden Road in Southsea wurde gestern abend zu Hause verhaftet, nachdem am Mittwoch um 10:42 Uhr ein Eintrag hochgeladen wurde. Das Posting ist seither entfernt worden. Turner wurde über Nacht wegen eines Verstoßes gegen Sektion 127 des Communications Act 2003 angeklagt. Sie ist gegen Kaution freigelassen worden und muss am 7. Juni vor dem Magistraturgericht von Portsmouth erscheinen.

Ein Polizeisprecher sagte: „Nach dem terroristischen Vorfall in Woolwich diese Woche arbeitet die Hampshire Constabulary eng mit örtlichen Partnerschaftsgruppen zusammen, um alle Mitglieder der Gemeinde zu schützen. Dazu gehört die Überwachung sozialer Netzwerkseiten, und wir werden danach streben, jeden zu verhaften und vor Gericht zu bringen, der online zu Hass oder Gewalt anstiftet.“

Die Polizei hat auch vor einer Protestaktion der EDL drei Leute verhaftet, weil sie rassistische Tweets gemacht haben sollen. Die Polizei von Northumbria sagte, dass zwei Leute aus Gateshead und ein dritter aus Stockton, Teesside, zuvor festgehalten wurden. Die EDL hat ihre Demonstration seit Monaten geplant, aber der entsetzliche Mord am Trommler Lee Rigby am Mittwoch in Woolwich hat die Spannungen in der örtlichen Gemeinde erhöht. Eine Gegendemonstration von Gegnern der EDL ist geplant worden.

Die Polizei von Northumbria sagte, sie werde „den Menschen das Recht auf friedlichen Protest gestatten, die Sicherheit von jedem in der Stadt schützen und ernsthafte Störungen und Schäden verhindern.“

Der Chief Superintendent des Gebiets Newcastle, Gary Calvert, sagte: „Wir schätzen, dass die Ereignisse vom Donnerstag in London die Besorgnisse in der Gemeinde wegen der für dieses Wochenende geplanten Proteste in Newcastle erhöht haben könnten. Wir überwachen die Situation ständig und werden uns weiterhin entsprechend anpassen.“

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Siehe auch Woolwich und die Dynamik des „Bewußtseins“ von F. C. Stoughton.

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Ein Kommentar

  1. Ich glaube nicht, dass es für irgend jemand aus dem Twitter-Hassmob gegen Emma West auch nur entfernt ähnliche Konsequenzen gegeben hat.
    Es würde mich sehr überraschen, wenn auch nur ein einziger davon ausgeforscht, geschweige denn verhaftet und vor Gericht gestellt worden wäre.

    Und was man von der feigen, volksverräterischen Polizei halten kann (von wegen “die Sicherheit von jedem in der Stadt schützen” – wo waren die denn früher immer?!), verdeutlicht ein Vergleich des oben geschilderten harten Vorgehens mit dem, was in Paul Westons Artikel Der Multikulturalismus hat die britische Polizei zerstört steht.

    In den westlichen Ländern ist die Polizei kein Freund und Helfer mehr, sondern zum Feind und Systemschergen geworden.

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