Europa und der Islam

Diözesanbischof Egon Kapellari

Gastkommentar von Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari in der „Kronen Zeitung“ vom 5. Oktober 2010. (Egon Kapellari feiert heuer ein dreifaches Jubiläum: Seit 50 Jahren Priester, seit 30 Jahren Bischof und seit 10 Jahren Diözesanbischof von Graz-Seckau)

 

Der vielgestaltige Islam erweckt als eine in vielen Ländern Europas wieder oder ganz neu angekommene und zahlenmäßig rasch anwachsende Religion inmitten einer schrumpfenden und überalterten angestammten Bevölkerung rational begründete Sorgen, aber auch irrationale Ängste. Diese Sorgen oder Ängste wurden durch lange Zeit von manchen europäischen Eliten in Politik und Medien ignoriert und als political non correct eingestuft. Eine solche Verdrängung löst aber keine Probleme, sondern vermehrt sie und liefert Wasser auf die Mühlen von Populisten, die sich schrecklicher Vereinfachungen bedienen. Abseits eines solchen Populismus einerseits und eines naiven Optimismus andererseits ist ein Weg zu suchen, um Muslime so zu integrieren, dass muslimische Parallelgesellschaften nicht weiter anwachsen können. Diesbezüglich ist in Jahrzehnten viel versäumt worden und ungelöste Probleme kehren auch in diesem Bereich der Gesellschaft verstärkt zurück.

Ohne falsche Tabus müsste man z. B. mit islamischen Verbänden in Europa auch darüber reden dürfen, ob sie nicht gegen grobe Menschenrechtsverletzungen und –beschränkungen z. B. der Religionsfreiheit in ihren Herkunftsländern öfter und deutlich ihre Stimme erheben sollten, um Misstrauen bei der hiesigen angestammten Bevölkerung abzubauen. Die Frage einer solchen Reziprozität wurde bisher von den genannten Eliten immer wieder tabuisiert. Ein solches Tabu ist aber meines Erachtens rational nicht überzeugend begründbar.

Die christlichen Kirchen und zumal auch die katholische Kirche tun in Europa auf vielen Ebenen viel, um ein friedliches Zusammenleben mit anderen Religionen und besonders auch mit dem Islam zu fördern. Sie können daher auch glaubwürdig Reziprozität einmahnen. Ich selbst darf in diesem Zusammenhang erwähnen, dass ich während der 17 Jahre meines Wirkens als Grazer Hochschulseelsorger auch Leiter des dortigen Afro-Asiatischen Instituts gewesen bin und dass ich an jedem Tag durchschnittlich eine Stunde lang mit Studierenden aus dem Iran, aus arabischen Ländern und aus der Türkei gesprochen habe, viele Anregungen empfangen habe und auch manche Hilfe geben konnte. Daraus haben sich Freundschaften mit Muslimen ergeben, die bis heute andauern. Mein kritischer Blick auf den Islam ist daher differenziert und sollte einer oberflächlichen Kritik standhalten können.

Die Herausforderung durch den Islam stellt den Christen hier aber besonders die Frage, wie stark ihr eigener Glaube ist und warum so viele Getaufte dieses Glaubens offenbar müde geworden sind. Die Provokation durch diese Frage könnte sehr fruchtbar werden.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass es für uns in Europa keine Alternative zu einem Zusammenleben mit Muslimen gibt und dass wir das Unsere tun sollten, um daraus nicht bloß ein Nebeneinander oder gar ein Gegeneinander, sondern ein Miteinander werden zu lassen. Wieviel davon bald schon gelingt, bleibt offen.

°   °   °   °   °

(Gefunden: hier; siehe auch Der Votivkirchenschwindel: Kirche, Caritas und Diakonie packeln mit der Asylmafia)

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Ein Kommentar

  1. Deep Roots

     /  Oktober 2, 2015

    In der „Kronen-Zeitung“ vom 30. September 2015, erschien dieser kurze Artikel im Zusammenhang mit dem Buch „ora@labora: Über Gott und die Welt und das Paradies auf Erden“ von Abt Gregor Henckel Donnersmarck:

    Altabt warnt: „Altes Europa stirbt aus!“

    Unaufhaltsame Entwicklung: Aufgrund des nicht enden wollenden Zustroms und der demographischen Entwicklung wird der heutige Europäer in 200 Jahren nicht mehr existieren, so Altabt Donnersmarck.

    „Die Kirche hat keine Krise und wird nicht untergehen. Aber vom jetzt in Europa lebenden Menschen gibt es in sieben bis elf Generationen nur noch minimale genetische Restmengen“, betont Altabt Gregor Henckel Donnersmarck vom Stift Heiligenkreuz (Niederösterreich) im Buch ora@labora. Vor allem durch Verhütung und „Tötung ungeborenen Lebens“ werde es den alten Kontinent in 200 Jahren nicht mehr geben. Wichtiger als die „Weitergabe unserer Gene“ sei die „Weitergabe unseres Glaubens“. „Die große Aufgabe in der Krise Europas ist die Mission und diese beginnt mit der Gastfreundschaft“, so der ehemalige Prälat.

    Zum Titelbild von „ora@labora“ in der „Krone“ gab es diesen Text:

    „Die Multikulturalität ist eine Chance für die Kirche“, so der Altabt.

    Bei der Lockerheit, mit der dieser Pfaffe das von ihm postulierte Aussterben der Europäer sieht, wird die Formulierung „Altabt warnt“ wohl eine Hinzuinterpretation des Artikelschreibers sein. Abt Gregor Donnersmarck ist nur ein weiterer Vertreter derjenigen, die kein Problem mit unserem Aussterben haben, solange nur „unser Glauben“ weitergegeben wird. Zu dieser Haltung gibt es zwar auch eine säkulare Entsprechung, bei der es um „die Weitergabe unserer Kultur“ geht, aber die christlichen Kirchen sind auf jeden Fall ein Teil des Problems.

    Kirchenaustritt sofort! Wann, wenn nicht jetzt!

    Siehe auch Abt Henckel Donnersmarck: “Europa stirbt aus” auf kath.net (schon vom 17. November 2010!); hier ein Teil daraus:

    Das neue Interviewbuch ‚ora@labora’ mit dem Abt von Stift Heiligenkreuz: Nicht die Kirche ist in der Krise, sondern Europa

    St. Pölten (kath.net/Diözese St. Pölten) „Die Kirche hat keine Krise“, betonte Abt Gregor Henckel Donnersmarck vom Stift Heiligenkreuz bei einer Präsentation seines neuen Buches „ora@labora“ an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Diözese St. Pölten. „Die Kirche wächst weltweit – es ist eine Krise Europas.”

    Vor allem durch Verhütung und „Töten ungeborenen Lebens“ werde es Europa, wie wir es kennen, in einigen Jahrzehnten nicht mehr geben, so Henckel Donnersmarck: „Europa stirbt aus!”

    Wichtiger als die „Weitergabe unserer Gene“ sei jedoch die „Weitergabe unseres Glaubens“, sagte der Prälat. Deswegen sei die Ausbildung von Laienkatechisten, die verschiedene Sprachen beherrschen bzw. lernen, besonders wichtig: „Das ist die Zukunft des christlichen Europas.“

    „ora@labora“ ist ein Interviewbuch, in dem der Zisterzienserabt mit Judith Grohmann „über Gott und die Welt und das Paradies auf Erden“ plaudert. „Die gezielten und pointierten Fragen sollen es den Lesern erleichtern, meinen Gedankengängen zu folgen“, erklärte Henckel Donnersmarck schmunzelnd.

    Eine thematisch verwandte Leseempfehlung:

    Is the Pope Catholic? von Jim Goad auf Taki’s Magazine.
    Hier der von mir übersetzte erste Satz:

    Karl Marx war kein Katholik, aber Papst Franziskus sieht jeden Tag mehr wie ein Marxist aus.

    Und das hat mich verblüfft:

    Andere haben die unheimlichen Ähnlichkeiten zwischen Papst Franziskus und dem bescheiden lebenden lateinamerikanischen Papst bemerkt, der in Jean Raspails prophetischem und dystopischem Einwanderungs-Horrorroman „Das Heerlager der Heiligen“ dargestellt wird.

    Daß Raspails Buch auch in dieser Hinsicht so prophetisch ist, hätte ich nicht gedacht. Man könnte meinen, jemand unter den Machern der NWO hätte sich den Spaß gegönnt, zusätzlich zum Flüchtlingsgraus auch dieses Element daraus in unserer heutigen Zeit Wirklichkeit werden zu lassen.

    Das ist übrigens auch verblüffend, erklärt aber so manches:

    Haben Sie auch nur im Entferntesten gewußt, daß weniger als ein Drittel der 1,2 Milliarden Katholiken der Welt in Europa oder in den USA leben? Daß das subsaharische Afrika die Heimat von etwa doppelt so vielen Katholiken ist wie die Vereinigten Staaten? Daß Lateinamerika und die Karibik von mehr Katholiken wimmeln als Europa und die USA zusammengenommen?

    Von einem rein demographischen Standpunkt aus würde es für einen modernen Papst Sinn ergeben, seiner Anhängerschaft in die Hände zu spielen, die einen schweren Anteil von Drittweltlern von südlich des Äquators hat, die Gerechtigkeit, Mitleid, Toleranz und Gratiszeug von ihren früheren Unterdrückern im Norden suchen.

    Das ist die Schönheit des Sozialismus – man erhebt die Armen, die Kranken und die Hungernden, indem man das Geld anderer Leute verwendet.

    Noch eine Leseempfehlung: Der Papst und die Wölfe von Osimandia.

    Und noch eine: Warum ist der Sozialismus nicht tot? von Lee Harris, übersetzt und mit einem ausführlichen Vorwort von Eisvogel (und mit 73 ausgewählten Kommentaren aus dem Originalstrang auf „Acht der Schwerter“ [nicht „As“!] aus dem Jahr 2008).

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