Schweden: „Still Crazy After All These Years“

Von Fjordman. Original: Sweden: Still Crazy After All These Years, erschienen am 20. November 2006 im Brussels Journal.
Übersetzung: Lucifex

Nach der Wahl im September 2006 wurde Fredrik Reinfeldt Premierminister von Schweden und stand einer Mitte-Rechts-Koalitionsregierung vor. Dies ist meiner Ansicht nach positiv. Schweden ist von manchen als „Einparteienstaat” bezeichnet worden, nachdem die Sozialdemokraten 65 der letzten 74 Jahre an der Macht gewesen sind und sich mehr oder weniger mit den großen Gewerkschaften und manchen Regierungsbehörden fusioniert haben. Es ist gesund, dass eine Zeitlang andere Parteien an der Macht sind.

Jedoch sind die Unterschiede zwischen der Linken und der Rechten in Schweden nicht immer so groß. Das letzte Mal, als diese Parteien an der Macht waren, in den frühen 1990ern unter der Führung von Carl Bildt von der schwedischen „Konservativen“ Partei, hatten sie den Vorsitz während einer massiven Einwanderung, und sie haben seither nicht lautstark Opposition gegen die Einwanderungspolitik betrieben. Sie waren vielleicht ein wenig vernünftiger in der Wirtschaftspolitik und verringern dadurch etwas von dem Druck auf dem Wohlfahrtsstaat, aber ich bin nicht sicher, ob sie viel besser sein werden, wenn es um Multikulturalismus geht.

Dieser Verdacht wurde kürzlich bestätigt, als Premierminister Reinfeldt erklärte, dass die ursprüngliche schwedische Kultur bloße Barbarei sei. „Es kann manchmal gut sein, bescheiden darauf hinzuweisen, dass ein großer Teil dessen, was Schweden ausmacht, ein einem Evolutionsprozess geschaffen wurde, und zwar genau deshalb, weil wir dafür offen gewesen sind, andere Menschen und Erfahrungen zu akzeptieren.“

Reinfeldt sagte dies nach einem Besuch in einem Gebiet namens Ronna in Södertälje nahe Stockholm. Vor einem Jahr wurde ein Polizeirevier in Södertälje nach einer größeren Konfrontation zwischen eingewanderten Jugendlichen und der Polizei von Schüssen aus einer automatischen Waffe getroffen. Abgesehen vom Polizeipersonal befanden sich zwei Zivilistinnen in dem Polizeirevier. Sie wurden zu einer angezeigten Belästigung früher an diesem Tag befragt. Drei junge Männer, die von den Frauen identifiziert worden waren, wurden illegaler Drohungen verdächtigt. Die drei Männer wurden am Abend freigelassen, aber die Verhaftungen provozierten starke Reaktionen. Eine Gruppe von Einwanderern rückte gegen die Polizei vor und griff sie mit Steinen an.

Der Ärger in Ronna fing an, nachdem ein schwedisches Mädchen „Hure“ genannt worden war und darauf reagiert hatte. Die Ethnologin Maria Bäckmann ist für ihre Studie „Weißentum und Geschlecht” einer Gruppe schwedischer Mädchen im Vorort Rinkeby außerhalb von Stockholm gefolgt, wo eingeborene Schweden aufgrund der schnellen Einwanderung zu einer winzigen Minderheit der Bewohner gemacht worden sind. Die Subjekte „haben es vielleicht mit Vorurteilen zu tun, wie der Vorstellung, dass schwedische Mädchen sich in sexuell provokanter Weise verhalten und kleiden, oder dass blonde Mädchen leicht zu kriegen sind.“ Bäckmann erzählt, dass mehrere der schwedischen Mädchen, die sie befragte, erklärten, dass sie ihr Haar gefärbt hatten, um sexuelle Belästigung zu vermeiden. Sie erlebten, dass alte Männer einen anstarren, wenn man blond ist, dass Autos hupen und Jungen einen „Hure” nennen. Die Zahl der Anklagen wegen Vergewaltigung in Schweden hat sich innerhalb einer Generation vervierfacht, wobei Männer aus moslemischen Ländern in der Statistik deutlich überrepräsentiert sind.

Anderswo habe ich Schweden ein weich-totalitäres Land genannt, aber manchmal bin ich mir wegen dem „weich“ nicht so sicher. Meinungsumfragen haben enthüllt, dass zwei von drei Schweden daran zweifeln, dass der Islam mit der schwedischen Gesellschaft kombiniert werden kann, und ein sehr bedeutender Anteil der Bevölkerung hat seit Jahren mehr Einwanderungsbeschränkungen gewünscht. Aber nicht eine im Parlament vertretene Partei ist echt kritisch gegenüber der multikulturellen Gesellschaft.

Mitglieder der Schwedendemokraten, einer kleinen Partei, die eine strengere Einwanderungspolitik will, können selten Versammlungen abhalten, ohne schikaniert zu werden. Bei einer von vielen Attacken, über die extreme Linke später im Internet prahlten, besuchten um die 30 Mitglieder der Schwedendemokraten eine private Party außerhalb der Stadt Växjö. „Um deutlich zu demonstrieren, dass die Schwedendemokraten in unserem Gebiet nicht willkommen sind, entschieden sich etwa 20 Antifaschisten dafür, die Party zu attackieren.” Die tapferen „Antifaschisten“ schlugen Fenster ein und warfen Tränengas in das Gebäude, wodurch sie die Leute nach draußen zwangen, wo sie mit Eisenstangen und Äxten geschlagen wurden. Dies war eine friedliche private Party unbewaffneter Mitglieder einer legalen politischen Partei. Dennoch sagte der Pressesprecher der Schwedendemokraten, Jonas Åkerlund, dass solche Angriffe weniger häufig geworden sind, vielleicht weil die Partei etablierter wird.

Anscheinend ermutigt durch das Schweigen des politischen Establishments zu diesen Angriffen haben extreme Linke ihre Attacken auch auf Mainstreamparteien ausgedehnt. Zwei Fenster wurden bei den Büros der Zentrumspartei ein Stockholm eingeschlagen. Mehrere Büros der Partei im Land sind vandalisiert worden. Ein Parteivertreter sagte, dass sie den Verdacht hätten, dass die Angriffe aus Protest gegen die von der Partei vorgeschlagenen speziellen Arbeitsvereinbarungen für frisch angestellte junge Leute erfolgten. Eine Gruppe extremer Linksanarchisten behauptete, für die Angriffe verantwortlich zu sein.

Früher in diesem Jahr warnte die schwedische Zeitung Expressen vor dem „Terrorismus niedriger Intensität“, der von extremen Linken und Neonazis betrieben werde. Aber sie waren ehrlich genug zuzugeben, dass die extremen Linken dazu tendiert haben, mit ihrer Gewalt durchzukommen, weil sie gegen die verabscheuten Rechten gerichtet war. Nun, ihre Gewalt richtet sich zunehmend auch gegen etablierte politische Parteien und staatliche Institutionen. Der Politikwissenschaftler Peter Esaiasson hat Recherchen über jede Wahlbewegung in Schweden seit 1866 durchgeführt. Ihm zufolge hatten die organisierten Versuche zur Störung von Versammlungen während der Wahlen von 2006 keine Parallelen in der modernen Geschichte.

Im Juni 2004 enthüllte eine Meinungsumfrage, dass 50 % aller Schweden eine restriktivere Einwanderungspolitik wünschten. Im Jahr 2006 ist Schwedens Bevölkerung beträchtlich gewachsen, wobei Einwanderung, besonders aus dem Irak, die Hauptquelle des Wachstums war. Schweden ist großzügig zu seinen Einwanderern. Sie genießen das Wahlrecht bei Lokalwahlen wie auch schnelle Einbürgerungsprozeduren und vom Staat finanzierte Kurse in Schwedisch und ihrer Muttersprache.

Lebwohl, Schweden

Währenddessen kommentierte der Journalist Kurt Lundgren in seinem Blog, dass Schweden während der vergangenen fünf Jahre die größte Massenauswanderung in der Geschichte des Landes seit dem Gipfel der Einwanderung in die USA vor einem Jahrhundert erlebte. Die Leute, die gehen, sind hauptsächlich hochgebildete Schweden der Mittelklasse. Häufige Gründe, die für den Wegzug genannt werden, sind grassierende Kriminalität und schlechte politische Führung. Zur selben Zeit erhält Schweden jedes Jahr eine große Menge Einwanderer aus Drittweltnationen. Ist dieser Bevölkerungsaustausch profitabel für Schweden?

Lundgren stellt fest, dass es sich anfühlt, „als wäre man Zuschauer bei einem riesigen Gesellschaftsexperiment. Der Abbau einer ganzen Nation, einer der ältesten in Europa, mit all ihren Traditionen, ihrer gesamten Geschichte zum Guten oder Schlechten, das Nationalbewusstsein und die Seele der Nation, all dies soll in einem geplanten Prozess erodiert werden. Niemand weiß, was stattdessen kommen wird, aber es könnte etwas Monströses daraus hervorgehen, etwas wirklich Entsetzliches…“

Laut dem Autor Mats Wahl haben Brandanschläge gegen schwedische Schulen jedes Jahr mehr als 300 Millionen Kronen gekostet. Eine inoffizielle Erhebung unter 52 schwedischen Gemeinden zeigte, dass 2006 bisher mindestens 114 Brandstiftungen in Schulen registriert wurden, aber genaue Zahlen waren schwer zu bekommen, weil das Problem von den Behörden totgeschwiegen worden ist. Mindestens 139 Schulen erlitten allein im Jahr 2002 Brandanschläge. Björn Vinberg von der Feuerwehr im Gebiet Malmö sagt, dass es erniedrigend ist, wieder und wieder in denselben Einwanderergebieten Feuer zu löschen, während Schulkinder sie auslachen und gleich danach ein neues entzünden.

Unter der vorherigen sozialdemokratischen Regierung wurde Schweden von den israelischen Behörden  beschuldigt, eines der anti-israelischsten Länder in Europa zu sein. Der neue schwedische Außenminister Bildt sagt, dass die Europäische Union mit einer palästinensischen nationalen Einheitsregierung reden sollte, obwohl ihr Vertreter der Terrorgruppe Hamas angehören. Als UNO-Kommissar auf dem Balkan verlangte Bildt die Anerkennung des Islam als Teil der europäischen Kultur.

Warum ist Schweden solch ein extremer Fall von Political Correctness? Nun, ein paar Dinge fallen einem da ein, nicht zuletzt der extrem zudringliche Staatsapparat, sein marxistisches Vermächtnis und sein aggressiver Zug des radikalen Feminismus. Das eine westliche Land, in dem die Menschen wahrscheinlich die höchsten Steuersätze zahlen, Schweden, ist wohl auch die politisch unterdrückteste Nation mit der geringsten echten Redefreiheit. Das sollte uns zum Nachdenken bringen. Vielleicht sind Beschränkungen der Bürokratie und des Regierungseinflusses entscheidend für eine funktionierende Demokratie.

Vielleicht werden sich Schweden und Norwegen als nicht nur zu klein, sondern auch als zu reguliert und zu feminisiert erweisen, um ihr Wirtschaftssystem in einer globalisierten Welt zu behalten, vielleicht sogar als zu links, um zu überleben, was zeigt, dass, selbst wenn es gelingt, eine erfolgreiche Gesellschaft zu schaffen, sie nicht von Dauer sein wird, weil sich die Umstände ändern oder weil die Menschen aus den Augen verlieren, was sie überhaupt erst erfolgreich gemacht hat.

Norwegen und Schweden leiden auch an der Todsünde der Eitelkeit, und, wie manche hinzufügen mögen, an einem Anflug von Selbstgerechtigkeit. Wir präsentieren uns gern als moralische Supermächte. Schweden ist die Schwiegermutter der ganzen Welt, wie es ein französischer Beobachter ausdrückte. Der norwegische Premierminister Jens Stoltenberg hat erklärt, dass Norwegen 2das inklusivste Land der Welt” werden sollte. Wenn selbstmörderischer Multikulturalismus das ist, was im Westen trendig ist, dann wollen wir beweisen, dass wir selbstmörderischer sein können als alle anderen. Und wir haben in dieser Hinsicht beträchtlichen Erfolg gehabt.

Die Probleme, die ganz Westeuropa plagen, werden häufig der Erschöpfung durch die Kriege des 20. Jahrhunderts wie auch einem postkolonialen Schuldkomplex zugeschrieben. Und doch ist die Political Correctness in Norwegen stark, das keine Kolonialgeschichte hat, und in Schweden, das keine Kolonialgeschichte hat und dem es auch gelungen ist, sich aus allen großen europäischen Kriegen seit napoleonischer Zeit herauszuhalten, eine Leistung, die es auf dem europäischen Kontinent nur mit der Schweiz gemeinsam hat. Aber die Schweiz hat eine der am stärksten bewaffneten Bevölkerungen der Welt, im Gegensatz zu den entwaffneten Schweden, die kaum noch ein glaubwürdiges Militär haben. Die Schweizer haben auch eine gesunde Tradition häufiger Volksabstimmungen und der direkten Demokratie, was teilweise die elitistische Herrschaft und die erstickende Political Correctness von Schweden verhindert.

Vielleicht ist ironischerweise ein Element dabei die Abwesenheit von Krieg. Kriege sind brutal und schmerzlich, aber sie können auch ein „reality check“ sein. Westeuropa hat so lang unter amerikanischem militärischem Schutz gelebt, dass wir vergessen haben, wie es ist, uns selbst zu schützen, und haben uns sogar Fantasien hingegeben, dass Kriege durch internationales Recht verboten werden können. Ist es nur ein Zufall, dass das eine Land, das den Krieg am längsten vermieden hat, Schweden, wohl auch die eine westliche Nation ist, wo die Political Correctness ihre schlimmsten Höhen erreicht hat? Die ausgedehnte Friedenszeit hat ein Umfeld geschaffen, wo Schichten ideologischen Unsinns sich generationenlang ohne Einhalt anhäufen durften.

Ich weiß nicht, wie Schweden in einer Generation aussehen wird, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht als Modellgesellschaft betrachtet werden wird. Und das Fehlen von Krieg ist eine der Ursachen seiner gegenwärtigen Schwäche. Ich fürchte, das ist ein Problem, das bald kuriert werden wird.

°   °   °   °   °

Weitere Fjordman-Essays über Schweden:

Der Tod Schwedens  (Juli 2007)

Expo und die Islamophoben  (Januar 2008)

Schweden: Der Triumph des Kulturmarxismus  (Oktober 2008)

Rasse, Immigration und Vergewaltigung in Schweden  (September 2009)

Und hier gibt’s viele weitere übersetzte Fjordman-Essays aus der Zeit von 2005 bis 2011.

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2 Kommentare

  1. Rolf

     /  April 11, 2013

    Ein ganz dickes Kompliment für die Übersetzungen!

    Antworten
  2. Danke, Rolf! Jetzt kommt gleich eine Nicht-Übersetzung, die es aber in sich hat…

    Antworten

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