Ein Kommunismus für das 21. Jahrhundert

Von Fjordman. Original: A Communism for the 21st Century, erschienen am 14. Mai 2007 im „Brussels Journal“.
Übersetzung: Lucifex

Ich habe einige Kritik dafür erhalten, dass ich die ideologischen und historischen Wurzeln des Multikulturalismus herauszufinden versuchte. Kritiker behaupten, dass es dabei nur um Hass geht, um einen Wunsch, die etablierte Ordnung um jeden Preis niederzureißen. Viele der Verfechter würden selber nicht an die Doktrin des Multikulturalismus glauben, daher sollten wir keine Zeit damit verschwenden, die Logik dahinter zu analysieren, weil es keine gebe. Ein Wunsch, die westliche Gesellschaft niederzureißen, ist gewiss vorhanden, aber ich glaube, dass auch einige Ideen hinter dem gewünschten Endergebnis artikuliert werden.

Einerseits sollen wir unsere Unterschiede „feiern“, während es gleichzeitig rassistisch und tabu ist anzuerkennen, dass es überhaupt irgendwelche Unterschiede zwischen Menschengruppen gibt. Dies ist logisch kaum konsistent, weshalb der Multikulturalismus nur mit totalitären Mitteln durchgesetzt werden kann. Vielleicht läuft es darauf hinaus, dass es keine größeren Unterschiede gibt, nur kleinere Schrullen, alle putzig, die gefeiert werden sollten, während wir sie gleichzeitig allmählich auslöschen.

Man sagt uns, dass wir kulturelle und historische Identitäten als Modeaccessoires behandeln sollten, als Hemden, die wir nach Belieben tragen und wechseln können. Die multikulturelle Gesellschaft ist „bunt“, ein Adjektiv, das normalerweise für Möbel oder Vorhänge verwendet wird. Kulturen sind Schaufensterdekorationen von geringer oder keiner Bedeutung, und man könnte die eine genauso gut haben wie die andere. Eigentlich ist es gut, sie hin und wieder zu wechseln. Werden Sie nicht manchmal dieses alten Sofas müde? Wie wäre es damit, es gegen das neue Scharia-Modell auszutauschen? Sicher, es ist etwas weniger bequem als das alte, aber es ist heutzutage sehr in Mode und hebt Sie von den Nachbarn ab, zumindest bis sie sich auch eines besorgen. Möchten Sie eine Probe des neuesten Calvin-Klein-Parfüms zu dieser Scharia?

Wir sollten uns daran erinnern, dass diese Sicht der Kultur als weitgehend unwichtig im Wesentlichen eine marxistische Weltsicht ist, die jetzt sogar von Segmenten der politischen Rechten übernommen worden ist, vereint mit den Linken im Glauben, dass der Mensch homo economicus ist, der wirtschaftliche Mensch, die Summe seiner Funktionen als Arbeiter und Konsument, nichts weiter. Der Marxismus sagt nicht, dass Kulturen oder Ideen absolut bedeutungslos sind, aber dass sie neben strukturellen und wirtschaftlichen Bedingungen von geringerer oder zweitrangiger Wichtigkeit sind.

Ich habe Einzelne offen sagen hören, dass es, selbst falls Moslems in der Zukunft zur Mehrheit in unseren Ländern werden, egal ist, weil alle Menschen gleich sind und alle Kulturen sowieso nur eine Mischung von allem anderen. Und nachdem Religionen nur Märchen sind, wird der Ersatz eines Märchens, des Christentums, durch ein anderes Märchen, den Islam, keinen großen Unterschied machen. Alle Religionen sagen im Grunde auf unterschiedliche Weise dasselbe. Jedoch würde es niemandem von ihnen jemals einfallen zu sagen, dass alle politischen Ideologien „im Grunde dasselbe bedeuten”. Sie betrachten religiöse und kulturelle Ideen einfach nicht als bedeutend und wollen daher keine Zeit darauf verwenden, die weitgehend unwichtigen Details jedes Glaubensbekenntnisses zu studieren. Dies ist marxistischer Materialismus.

Die unausgesprochene Prämisse dahinter ist, dass das Zeitalter verschiedener Kulturen vorbei ist. Alle Völker überall auf der Welt werden allmählich ineinander übergehen. Ethnische, religiöse und rassische Spannungen werden verschwinden, weil die Menschheit eins und gleich sein wird. Es ist kultureller und genetischer Kommunismus. Nationalstaaten, die ihre eigenen Gesetze schaffen und ihre eigenen Grenzen verteidigen, stellen „Diskriminierung“ und ein Hindernis für dieses neue Utopia dar und werden allmählich abgebaut werden müssen, natürlich angefangen mit westlichen Nationen, und durch eine Welt ersetzt werden, wo jeder das Recht hat zu übersiedeln, wohin immer er will, und wo internationale Gesetze und Menschenrechte das Gesetz definieren, durchgesetzt von einer Elite von – angeblich wohlmeinenden – transnationalen Bürokraten, die unser Leben verwalten.

Was die Verfechter dieser Ideologie nicht sagen, ist, dass dieses Projekt, selbst wenn es möglich wäre, alle menschlichen Wesen zu einem Volk zu verschmelzen, was meiner Ansicht nach weder möglich noch wünschenswert ist, Generationen oder Jahrhunderte dauern würde, und dass es in der Zwischenzeit zahlreiche Kriege und wirtschaftliche Not gäbe, verursacht dadurch, dass nicht jeder still zulassen würde, ausgelöscht zu werden.

Alle Aspekte Ihrer Person, von der Sprache über die Kultur bis zur Hautfarbe und Religion, werden als imaginäre Sozialkonstrukte behandelt. Man sagt uns, das „alle Kulturen Hybride sind und Anleihen bei einander machen“, dass wir „alle zu irgendeinem Zeitpunkt Einwanderer waren“ und daher niemand ein Recht hat, irgendein spezifisches Stück Land als „seines“ zu beanspruchen.

Nachdem „wir“ sozial konstruiert sind, können wir vermutlich auch sozial dekonstruiert werden. Die marxistische “Gegenkultur” der 1960er und 1970er ist bemerkenswert wirksam dabei gewesen, die Säulen der westlichen Zivilisation anzugreifen. Es ist offen gesagt erschreckend festzustellen, wie viel Schaden nur eine einzige Generation einer Gesellschaft zufügen kann. Vielleicht stimmt es, dass keine Kette stärker ist als ihr schwächstes Glied. Unser Schulsystem wird nun dazu benutzt, unsere Kultur zu demontieren, nicht um sie aufrechtzuerhalten, und ist vom Zeitalter der Vernunft zum Zeitalter der Dekonstruktion übergegangen. Der Sozialismus hat das ganze Gewebe der Gesellschaft zerstört. Unsere Länder sind so geschädigt worden, dass die Leute das Gefühl haben, es sei nichts mehr übrig, wofür man kämpfen könnte, was ohne Zweifel die Absicht war. Unsere Kinder verlassen die Schule als desorientierte Wracks und ideologische Krüppel ohne Identitätsgefühl und stoßen auf einen Aufschrei der Empörung, wenn sie die kleinste Andeutung eines Rückgrats zeigen.

Codie Stott, eine weiße englische Teenager-Schülerin, wurde wegen des Verdachts auf Störung der öffentlichen Ordnung gemäß Sektion Fünf inhaftiert, weil sie sich weigerte, mit einer Gruppe südasiatischer Schüler zusammenzusitzen, von denen manche nicht Englisch sprachen. Sie wurde aufs Polizeirevier von Swinton gebracht, wo man ihre Fingerabdrücke abnahm und sie in eine Zelle warf, bevor sie freigelassen wurde. Robert Whelan von der Denkfabrik Civitas sagte: „Eine Menge dieser Verhaftungen resultiert nicht in einer Strafverfolgung – das Ziel ist, uns durch Einschüchterung zur Selbstzensur zu veranlassen, bis wir auf alles aufpassen, was wir sagen.“

Bryan Cork aus Carlisle, Cumbria, im Lake District wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil er vor einer Moschee stand und rief „Proud to be British“ und „Geht dorthin zurück, wo ihr hergekommen seid“. Dies geschah, während Moslems Scharia-Gesetze in britischen Städten einführten und staatliche Förderung dafür erhielten, mehrere Ehefrauen zu haben.

Antifascistisk Aktion in Schweden, eine Gruppe, die angeblich gegen „Rassisten“ kämpft, prahlt offen mit zahlreichen physischen Angriffen gegen Personen, deren vollen Namen und Adresse sie auf ihrer Webseite veröffentlichen. Laut AFA geschieht dies, um gegen den globalen Kapitalismus und für eine klassenlose Gesellschaft zu kämpfen. Sie hängen einer Ideologie an, die im Laufe weniger Generationen einhundert Millionen Menschen tötete, und sie sind die Guten. Diejenigen, die sich dagegen aussprechen, in ihrem eigenen Land durch Masseneinwanderung zu einer Minderheit gemacht zu werden, sind die Bösen.

Der extremen Linken gelang es nicht, eine gewaltsame Revolution im Westen zu inszenieren, daher beschlossen sie, stattdessen eine permanente strukturelle Revolution anzustreben. Sie hoffen nun, dass Einwanderer das Rohmaterial für eine gewaltsame Rebellion liefern können, besonders nachdem viele von ihnen Moslems sind, die solch ein wunderbares Talent zu Gewalt und Zerstörung gezeigt haben. Die westliche Linke importiert ein neues Proletariat, nachdem das alte sie enttäuschte.

Eine für die Organisation für Information über den Kommunismus durchgeführte Umfrage fand heraus, dass 90 Prozent der Schweden im Alter von 15 bis 20 Jahren niemals vom Gulag gehört hatten, obwohl 95 Prozent von Auschwitz wussten. „Leider waren wir von den Ergebnissen überhaupt nicht überrascht”, sagte Ander Hjemdahl, der Gründer von UOK, der Webseite The Local. In der landesweiten Umfrage glaubten 43 Prozent, dass kommunistische Regimes weniger als eine Million Leben gekostet hatten. Die tatsächliche Zahl wird auf 100 Millionen geschätzt. 40 Prozent glaubten, dass der Kommunismus zu erhöhtem Wohlstand in der Welt beigetragen hätte. Herr Hjemdahl nennt mehrere Gründe für diese massive Unwissenheit, darunter den, dass „eine große Mehrheit der schwedischen Journalisten Linke sind, viele davon ziemlich weit links.“

Ich habe persönlich Aussagen führender Gestalten der Medien nicht nur in Schweden, sondern aus ganz Westeuropa gelesen, die offen damit prahlen, Nachrichten über Themen im Zusammenhang mit Masseneinwanderung und der multikulturellen Gesellschaft zu zensieren.

Der moslemische Autor Abdelwahab Meddeb glaubt, dass infolge des französischen Einflusses die gesamte Mittelmeerregion „dafür geeignet ist, zu einem Labor für europäisches Denken zu werden.“ Erstens glaube ich nicht, dass der Islam reformiert werden kann, und selbst wenn er reformiert werden könnte, fehlt Frankreich gegenwärtig das kulturelle Selbstvertrauen, um solch ein Unterfangen anzuführen. Hinter seinem falschen Stolz ist es eine Nation, die ihrer selbst zutiefst unsicher ist und immer noch psychologische Wunden von ihrer großen Revolution von 1789 trägt. Und zweitens: Eine Brücke kann in zwei Richtungen überquert werden. Wird Frankreich eine Brücke für europäisches Denken in der islamischen Welt sein, oder für islamisches Denken in Europa? Zur Zeit erscheint Letzteres wahrscheinlicher. Und schließlich: Ich verüble es sehr, wenn Zig Millionen menschlicher Wesen als „Labor“ bezeichnet werden. Leider ist Mr. Meddeb mit solchen Vorstellungen nicht allein.

Der belgische Premierminister Guy Verhofstadt hat gesagt: „Belgien ist das Labor der europäischen Einigung.“ Welches Vertrauen flößt es den Bürgern ein, dass ihr angeblicher Führer von ihrem Land als Labor spricht? Sind ihre Kinder Meerschweinchen? Anscheinend ja.

1960 waren 7,3 % der Bevölkerung der belgischen Hauptstadt Brüssel Ausländer. Heute beträgt die Zahl 56,5 %. Jan Hertogen, ein marxistischer Soziologe, kann seine Aufregung über dieses große Experiment in Gesellschaftsklempnerei kaum verbergen und glaubt, dass dieser Bevölkerungsaustausch „aus einer europäischen oder sogar Weltperspektive eine beeindruckende und einzigartige Entwicklung ist.” Ja, es ist wahrscheinlich das erste Mal in der menschlichen Geschichte, dass eine Nation ihre Hauptstadt demographisch an Außenseiter übergeben hat, ohne einen einzigen Schuss abzufeuern, aber nach den Trends im Rest Europas zu urteilen, wird es nicht das letzte sein. Die Europäische Union und die örtlichen multikulturellen Eliten werden dafür sorgen.

Die niederländische Autorin Margriet de Moor liefert ein weiteres Beispiel dafür, warum der Multikulturalismus ein massives Experiment in Gesellschaftsklempnerei ist, mindestens genauso radikal und gefährlich wie der Kommunismus. Miss de Moor lebt in einer Art alternativer Wirklichkeit, wo „Europas Reichtum und Redefreiheit“ eine islamische Reformation schaffen wird. Aber die moslemische Einwanderung stellt eine massive Belastung des Ersteren dar und zerstört das Letztere langsam, aber sicher.

„Wenn ich optimistischer Stimmung bin, dann sehe ich die Niederlande, ein kleines, lakonisches Land, das nicht zu großen Maßstäben oder zum Theatralischen neigt, manchmal als eine Art Labor am Rande Europas. Ab und zu führt die Mischung gefährlicher, leicht entflammbarer Substanzen zu einer kleinen Explosion, aber im Grunde geht der Prozess gewöhnlicher chemischer Reaktionen einfach weiter.“

Was für eine Person bezeichnet ihr eigenes Land als Labor? Miss de Moor klingt wie eine Wissenschaftlerin, die leidenschaftslos ein interessantes Exemplar unter ihrem Mikroskop studiert. Ich bin sicher, dass Theo van Gogh erfreut wäre zu hören, dass er im Grunde eine Laborratte war, als er mit einem Messer in seiner Brust endete, weil er den Islam „beleidigte“, was zusammen mit jenem am „rassistischen“ Pim Fortuyn der erste politische Mord in Holland seit Jahrhunderten war. Was einst eine der tolerantesten Nationen der Welt war, wird nun von der moslemischen Einwanderung ruiniert. Aber hey, man muss ein paar Eier zerschlagen, um ein Omelett zu machen, richtig? Diese Morde waren eine unglückliche Sache, kein Zweifel, aber man darf nicht das ganze multikulturelle Experiment wegen ein paar kleinerer Rückschläge abblasen.

Man sagt uns, dass Araber die Renaissance in Europa auslösten. Michelangelo wurde vom Papst damit beauftragt, die Decke der Sixtinischen Kapelle im Vatikan zu bemalen. Er malte Gott bei der Erschaffung Adams. Hat irgendeiner der Kalifen oder Sultane jemals einen Künstler damit beauftragt, das Bild Allahs in Mekka zu malen? Warum nicht, wenn alle Kulturen ein und dasselbe sind? Genauso wurden auch die politischen Werke der alten Griechen niemals ins Arabische übersetzt, da sie Systeme wie die Demokratie präsentierten, wo die Menschen sich selbst nach ihren eigenen Gesetzen regierten. Dies wurde von Moslems als gotteslästerlich betrachtet. Dieselben Texte wurden später im Westen mit großem Interesse studiert.

Weit davon entfernt, irrelevant zu sein, ist Kultur ein enorm wichtiger Faktor bei der Formung einer Gesellschaft. Die Feindlichkeit des Islam gegenüber der Redefreiheit ist zum Beispiel der Grund, warum Moslems niemals eine wissenschaftliche oder industrielle Revolution hatten. Wenn man an die Evolution glaubt, ist es dann nicht auch wahrscheinlich, dass manche Kulturen weiter entwickelt sind als andere? Das sprengt den Multikulturalismus in die Luft, nicht wahr?

Der britische Premierminister Tony Blair tritt zurück, nachdem er sein Land innerhalb eines Jahrzehnts mehr ruiniert hat, als wohl irgendein anderer Führer es vor ihm getan hat. Er kandidierte auf der Plattform von New Labour, aber wie sich herausstellte, war seine Partei immer noch mit denselben alten Ideen des internationalen Sozialismus verheiratet.

Laut der Autorin Melanie Phillips:

„Er ist von einer universalistischen Weltsicht getrieben, welche die tiefgreifende Natur der Konflikte bagatellisiert, die Menschen spalten. Er denkt, dass solche Spaltungen im Grunde einer primitiven Vergangenheit angehören. (…) Daher seine eng damit verbundene Obsession mit ‚universalen’ Menschenrechtsgesetzen. Daher auch sein Glaube, dass nationale Grenzen nicht mehr zählen, dass Masseneinwanderung etwas Gutes ist und dass Britanniens einzigartige Identität dem Multikulturalismus Platz machen muss. Dies ist der Weg, glaubt er, um Konflikt, Vorurteil und Krieg zu beseitigen und ein globales Utopia zu schaffen. Was für eine gründliche Fehleinschätzung. Es ist stattdessen der Weg zur Zerstörung der Demokratie und der unabhängigen Nationen, die sie schaffen und erhalten.“

Marie Simonsen, die Politikredakteurin der norwegischen linken Zeitung Dagbladet, schrieb im März 2007, dass es ein universales Menschenrecht für alle Menschen überall sein sollte, zu migrieren, wohin immer sie wollen. Diese Aussage kam gleich nachdem ein Bericht der UNO ein globales Bevölkerungswachstum von mehreren Milliarden Menschen bis 2050 vorausgesagt hatte.

Es erfordert nicht viel Können, um zu berechnen, dass unbegrenzte Migration für eine winzige skandinavische Nation den sicheren Tod bedeuten wird – nicht im Laufe von Generationen, sondern theoretisch sogar innerhalb von ein paar Wochen. Miss Simonsen befürwortet daher die Auslöschung ihres eigenen Volkes, und sie tut es beinahe als Nebengedanke. Ihre Kommentare trafen auf keine Gegnerschaft von irgendjemandem im Medienestablishment, was darauf hindeuten könnte, dass die meisten von ihnen ihre Ansichten teilen oder zumindest vor der Tatsache kapituliert haben, dass unser Tod als Volk bereits unvermeidlich ist.

Karl Marx hat die Essenz des Sozialismus als Abschaffung des Privateigentums definiert. Nehmen wir für einen Moment an, dass ein Land als das „Eigentum” seiner Bürger behandelt werden kann. Seine Bewohner sind verantwortlich für die Schaffung seiner Infrastruktur. Sie haben seine Straßen und Kommunikationseinrichtungen gebaut, seine Schulen, Universitäten und medizinischen Einrichtungen. Sie haben seine politischen Institutionen geschaffen und seinem Volk die geistigen Fähigkeiten eingeflößt, die zu ihrer Erhaltung nötig sind. Ist es dann falsch, wenn die Bürger dieses Landes die Vorteile dessen genießen wollen, was sie selbst schufen?

Laut marxistischer Logik: ja.

Stellen Sie sich vor, Sie haben zwei Häuser nebeneinander. In Haus A haben die Bewohner im Laufe von Generationen einen sauberen und funktionierenden Haushalt geschaffen. Sie haben die Zahl ihrer Kinder begrenzt, weil sie ihnen allen eine ordentliche Schulbildung geben wollen. In Haus B leben die Bewohner in einem dysfunktionalen Haushalt mit zu vielen Kindern, die wenig höhere Bildung erhalten haben. Eines Tages beschließen sie, zu ihren Nachbarn zu ziehen. Viele der Bewohner von Haus A protestieren, aber manche von ihnen denken, dass das eine gute Idee sein könnte. Es gibt in Haus A Platz für mehr Menschen, sagen sie. Zusätzlich dazu behaupten Amnesty International, die Vereinten Nationen und andere, dass es „rassistisch“ und „gegen internationales Recht“ ist, wenn die Bewohner von Haus A die Eindringlinge vertreiben. Ziemlich bald ist Haus A in einen überbevölkerten und dysfunktionalen Haushalt wie Haus B verwandelt worden.

Das ist es, was heute mit dem Westen geschieht. Europa selbst könnte zu einem gescheiterten Kontinent werden, indem es die Probleme Afrikas und der islamischen Welt importiert. Die Ansicht, dass jeder die Freiheit haben sollte, überallhin zu übersiedeln wohin er will, und dass es „Rassismus, Xenophobie und Bigotterie“ ist, sie daran zu hindern, in Ihr Land zu ziehen, ist der Kommunismus des 21. Jahrhunderts. Und er wird wahrscheinlich zu immensem menschlichem Leiden führen.

Einer der wirklich großen Fehler, den wir machten, nachdem Kalte Krieg endete, war zu erklären, dass der Sozialismus nun tot sei und daher nichts mehr, worum man sich noch sorgen müsste. Hier sind wir nun, nahezu eine Generation später, und entdecken, dass das marxistische Denken jede einzelne Schicht unserer Gesellschaft durchdrungen hat, von den Universitäten bis zu den Medien. Während der „harte“ Marxismus der Sowjetunion vielleicht zusammengebrochen ist, zumindest vorläufig, ist der „weiche” Marxismus der westlichen Linken in Wirklichkeit stärker geworden, teilweise weil wir ihn irrtümlich für weniger bedrohlich gehalten haben.

Vorstellungen von Multikulturalismus und de facto offenen Grenzen haben im öffentlichen Diskurs eine buchstäbliche Hegemonie erlangt. Indem sie sich hinter Etiketten wie „Antirassismus” und “Toleranz” versteckten, haben die Linken ein Ausmaß der Zensur erreicht, das sie nie hätten erreichen können, wenn sie offen gesagt hätten, dass es ihre Absicht war, die westliche Zivilisation radikal umzuwandeln und ihre Grundlagen zu zerstören.

Laut dem französischen Philosophen Alain Finkielkraut „verwandelt sich die hehre Idee des ‚Krieges gegen den Rassismus’ allmählich in eine hässlich falsche Ideologie. Und dieser Antirassismus wird für das 21. Jahrhundert sein, was der Kommunismus für das 20. Jahrhundert war: Eine Quelle der Gewalt.“

Alexander Boot, ein gebürtiger Russe, ging in den 1970ern in den Westen, nur um zu entdecken, dass es den Westen, den er suchte, nicht mehr gab. Dies brachte ihn dazu, das Buch How the West Was Lost zu schreiben. Boot glaubt, dass die Demokratie, oder in den Worten von Abraham Lincoln, die Regierung des Volkes durch das Volk und für das Volk, durch die Glossokratie ersetzt worden ist, die Regierung des Wortes durch das Wort und für das Wort.

In einer Kultur, in der Sprache Macht ist und Worte als Waffen verwendet werden, kontrollieren diejenigen die Gesellschaft, die die fürchterlichsten Waffen kontrollieren. Im Westen, wo Gleichheit aller sozialen Schichten die höchste Tugend und „Diskriminierung” eine Todsünde ist, ist der „Rassist” die schlimmste aller Kreaturen. Diejenigen, die die Definition von „Rassist” kontrollieren, der Atombombe der Glossokratie, haben eine mächtige Waffe, die sie benützen können, um Gegner einzuschüchtern. Das bloße Aussprechen des Wortes kann Karrieren zerstören und Leben ruinieren, ohne Gerichtsverfahren und ohne Berufungsmöglichkeit.

Gegenwärtig liegt die Macht der Definition weitgehend in den Händen eines Kartells antirassistischer Organisationen, das von der extremen Linken kontrolliert wird, oft in Kooperation mit Moslems. Indem sie jede Opposition gegen Masseneinwanderung als „Rassismus“ zum Schweigen bringen können, können sie eine Umwandlung der Gesellschaft inszenieren, die mindestens genauso massiv ist wie die des Kommunismus, aber die Debatte darüber buchstäblich abschalten.

Boot lehnt die Behauptung völlig ab, dass der Marxismus missverstanden worden sei:

„Jedes ernsthafte Studium wird zeigen, dass Marx seine Theorien auf industrielle Verhältnisse begründete, die zu der Zeit entweder bereits überholt waren oder gar nie existierten. Das ist kein Wunder, denn Marx sah nie eine Fabrik, einen Bauernhof oder eine Manufaktur von innen. […] Was immer er sonst war, Marx war kein Wissenschaftler. […] Marx’ Ideale sind genau deshalb unerreichbar, weil sie so monströs sind, dass es sogar den Bolschewiken nie ganz gelang, sie voll zu verwirklichen, und nicht, weil sie es nicht versucht hätten. Zum Beispiel schreibt das [Kommunistische] Manifest (zusammen mit anderen Schriften sowohl von Marx als auch von Engels) die Verstaatlichung allen Privateigentums ohne Ausnahme vor. In Wirklichkeit lag ein gutes Stück der sowjetischen Wirtschaft damals in privaten Händen. […] Tatsächlich beginnt Stalin verglichen mit Marx wie ein Humanitärer auszusehen. Marx beharrte auch darauf, dass die Familie beseitigt werden sollte, wobei die Frauen Gemeineigentum würden. Wiederum gelang es Lenin und Stalin bei all ihren Bemühungen auch bei diesem Ideal nicht, es ganz zu verwirklichen. Wo also die Bolschewiken und Nazis den Marxismus pervertierten, taten sie es im Allgemeinen in der Richtung, ihn aufzuweichen.“

Der ehemalige Sowjetdissident Wladimir Bukowksy, der davor gewarnt hat, dass die Europäische Union auf dem Weg dazu ist, eine neue Sojwetunion zu werden, denkt, dass wir, während der Westen den Kalten Krieg im militärischen Sinn gewann, ihn im Kontext der Ideen verloren:

„Der Kommunismus mag vielleicht tot gewesen sein, aber die Kommunisten blieben in den meisten Ländern des ehemaligen Warschauer Blocks an der Macht, während ihre westlichen Kollaborateure überall auf der Welt an die Macht kamen (insbesondere in Europa). Dies ist nichts weniger als ein Wunder: die Niederlage der Nazis 1945 brachte ganz logisch eine Linksverschiebung der Weltpolitik, während eine Niederlage des Kommunismus 1991 wiederum eine Verschiebung nach links brachte, diesmal ganz unlogischerweise.“

Bukowsky hat Recht: Wir hatten nach dem Kalten Krieg niemals einen gründlichen Entmarxifizierungsprozess ähnlich der Entnazifizierung nach dem Zweiten Weltkrieg, und wir zahlen jetzt den Preis dafür. Viele marxistische Ideen hat man überdauern und mutieren lassen, wie die Ansicht, dass Kultur unwichtig ist oder dass es in Ordnung ist, massive Gesellschaftsexperimente an hunderten Millionen Menschen zu inszenieren. Der marxistische Historiker Eric Hobsbawm hat erklärt, dass Zigmillionen Tote ein angemessener Preis gewesen wären, wenn es der Sowjetunion gelungen wäre, eine funktionierende sozialistische Gesellschaft zu schaffen. Aber marxistische Ideale erzwungener Gleichheit können nur durch eine Regierung mit totalitärer Macht durchgesetzt werden und werden daher unausweichlich zu einer totalitären Gesellschaft führen. Es gibt keinen „aufgeklärten Marxismus“, und die Idee, dass es einen gäbe, hat mehr Leben ruiniert als wahrscheinlich jede andere Ideologie in der neuzeitlichen Geschichte.

Der Marxismus ist ein organisiertes Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Der australische Autor Keith Windschuttle warnt davor, dass die Konsequenz des Kulturrelativismus die ist, dass es, wenn es keine absoluten Wahrheiten geben kann, auch keine absoluten Falschheiten geben kann, was die westliche Schwäche in der Konfrontation mit dem islamischen Dschihad erklärt. Unser Sinn für Richtig und Falsch ist vom marxistischen Denken zutiefst geschädigt worden. Windschuttle preist die Schriften des griechischen Historikers Thukydides über Die Geschichte des Peloponnesischen Krieges aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert:

„Statt von großen, unpersönlichen Kräften vorangetrieben zu werden, enthüllt die politische Geschichte, dass die Welt von Menschen gemacht wird und dass Menschen, statt ‚von der Schuld freigesprochen zu werden’, für die Folgen ihrer Handlungen verantwortlich sind. Dies war genau der Punkt, der Thukydides’ Studium des Peloponnesischen Krieges prägte: das Schicksal Athens war nicht durch Propheten, Orakel oder Götter bestimmt worden, sondern durch menschliche Handlungen und gesellschaftliche Organisation.“

Ideen zählen. Individuen zählen. Kulturen zählen. Wahrheit zählt, und Wahrheit existiert. Wir wussten das einmal. Es ist Zeit, dass wir es wieder wissen und die falschen Ideen über die Irrelevanz der Kultur ablehnen. Wir sind keine Rassisten, wenn wir unser Erbe an zukünftige Generationen weitergeben möchten, noch sind wir böse, wenn wir Widerstand dagegen leisten, in Gesellschaftsexperimenten von entsetzlicher Größenordnung als Laborratten behandelt zu werden. Wir müssen die Ideologie des transnationalen Multikulturalismus und der unbegrenzten Massenmigration im Keim ersticken, indem wir sie als das bloßstellen, was sie ist: Ein Kommunismus für das 21. Jahrhundert.

°   °   °   °   °

(Hier gibt’s viele weitere übersetzte Fjordman-Essays aus der Zeit von 2005 bis 2011.)

Hinterlasse einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: