Hört auf, „Nationen zu bauen“ – fangt an, Nationen zu retten!

Von Diana West, erschienen am 25. Oktober 2009 unter

http://www.dianawest.net/Home/tabid/36/EntryId/1092/Stop-Nation-Building-Start-Nation-Saving.aspx

Worin weichen Obama und McChrystal voneinander ab?

Nicht in vielem. Keiner der beiden will die Taliban vernichten – man kann’s auf den Zeitpunkt reduzieren, an dem ein bisher noch nicht existierender afghanischer Staat funktionieren kann. Weshalb – Zeit für Vorhersagen – McChrystal auch dann nicht von seinem Posten zurücktreten wird, wenn Obama ihm weniger Truppen gibt als er verlangt.

McChrystals Lagebewertung macht eindeutig klar, daß das, was der General seine „neue Strategie“ nennt – eine Intensivierung des „Schutzes der Bevölkerung“ auf Kosten des „Schutzes der Einsatzkräfte“ – seine oberste Priorität darstellt, nicht eine erhöhte Truppenstärke. Aber dies wird in der Debatte ignoriert, und sicherlich von den meisten Konservativen, die nur die Notwendigkeit betonen, „dem General die Truppen zu geben, die er braucht, um zu gewinnen.“ Was der General wirklich gewinnen will – nämlich die Unterstützung des afghanischen Volkes – wird selten erwähnt.

Und wie gewinnt man diese afghanische Unterstützung? Der Mann hat einen Plan. Wie Dexter Filkins von der New York Times es kürzlich ausgedrückt hat: „McChrystals Plan ist eine Blaupause für ein amerikanisches Vorhaben, einen modernen Staat in Afghanistan aufzubauen, wo nie einer existiert hat. … Selbst unter den besten Umständen würde diese Anstrengungen höchstwahrscheinlich viele weitere Jahre dauern, Hunderte Milliarden Dollar kosten und den Tod vieler weiterer amerikanischer Männer und Frauen zur Folge haben. Und das nur, wenn er Erfolg hat.“

In anderen Worten, das erwogene „Massenaufgebot“ für Afghanistan ist fürs „Nationenbauen“ gedacht, nicht fürs Kriegführen.

Aber wissen Sie was? Die Vereinigten Staaten haben das Nationenbauen in Afghanistan schon versucht, und es hat einfach nicht gehalten. Und das war keine dubiose Operation. Professor Nick Cullather von der University of Indiana beschreibt die über 30 Jahre anhaltender US-Entwicklungstätigkeit in Afghanistan als „einen ‚integrierten’ Entwicklungsplan, mit Bildung, Industrie, Landwirtschaft, Medizin und Marketing unter einer einzigen Kontrollbehörde“ – ein massives Staudammprojekt namens Helmand Valley Authority.

Es was „ein Stück Amerika, in die afghanische Landschaft versetzt“, merkte der Historiker Arnold Toynbee an, der 1960 zu Besuch dort war. Und vom Beginn des Projekts im Jahr 1946 – entworfen von Morrison Knudson, dem Erbauer des Hoover Dam, der Golden Gate Bridge und von Cape Canaveral – bis 1979, als es endete, gab es keinen „Aufstand“ von Taliban, der das gesellschaftliche Werk des Nationenbauens kompliziert hätte.

Aber genauso, wie diese lange US-Präsenz in der Provinz Helmand (ja, die Talibanbrutstätte und Opiumanbauregion, in die diesen Sommer 4.000 US-Marines „fluteten“) aus dem nationalen Bewußtsein gelöscht worden ist, so sind auch diese historischen Werke der Vereinigten Staaten aus Afghanistan ausradiert worden, was helfen könnte, die Amnesie zu erklären.

Dennoch, bei Nationenbau-Utopisten wie McChrystal, jene von links bis rechts, die verschiedene Völker und Kulturen als austauschbare Spielsteine auf einem Spielbrett sehen, mäßigt die Realität niemals den Fanatismus. Ein blinder Glaube befähigt die Gläubigen, sowohl ihre utopischen Visionen zu sehen als auch die Gründe auszublenden, warum solche Visionen niemals Gestalt annehmen können – in diesem Fall die spezifisch islamischen Gründe (Scharia), warum Afghanistan niemals westlichen Zielen dienen oder diese erfüllen kann.

Noch einmal, hier liegt der fatale Fehler in unserer Strategie. Wie die zum Untergang verurteilten Sowjets ignorieren die Vereinigten Staaten und ihre westlichen Verbündeten die Bedrohung des Dschihad, einer Bedrohung auf nunmehr globaler Ebene, wie man sie sich 1979 niemals vorgestellt hätte, als die sowjetischen Panzer nach Kabul rollten. „Wir miniaturisieren die Herausforderung,“ schreibt Andrew C. McCarthy auf National Review Online.  „Daher heißt es, der Krieg finde nur in Afghanistan statt. Die ‚Herausforderung’ wird so dargestellt, als ginge es nur um die Isolierung einer relativen Handvoll [von Extremisten], statt sich der Tatsache zu stellen, daß –zig Millionen Moslems den Westen verachten.“ Und schlimmer noch, die Tatsache, daß –zig Millionen Moslems daran arbeiten, ihre Gefühle zu lindern, indem sie das islamische Gesetz überall im Westen befolgen und durchsetzen.

In anderen Worten, das Nationenbauen in der islamischen Welt ist eine Ablenkung vom Nationenretten in der westlichen Welt.

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(Quelle der Übersetzung: hier)

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